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Mi
13 Mär
13:00 - 14:00
Mittagspause
Raum: Foyer (Standort: Foyer)
Do
14 Mär
12:30 - 13:30
Mittagspause
Raum: Foyer (Standort: Foyer)
Fr
15 Mär
12:30 - 13:30
Mittagspause
Raum: Foyer (Standort: Foyer)
Mi
13 Mär
11:30 - 13:00
DGAUM Eröffnung
Eröffnungsveranstaltung der 64. Jahrestagung der DGAUM
  1. Begrüßung (Prof. Thomas Kraus, Präsident DGAUM)
  2. Grußworte
  • Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales und Schirmherr der DGAUM2024
  • Prof. Dr. med. Markus M. Lerch, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des LMU Klinikums
  1. Preisverleihungen
  • Franz-Koelsch-Medaille
  • Rutenfranz-Medaille
  • Innovationspreis
  • ASU-Best-Paper-Award
  1. Fachvortrag zum Themenschwerpunkt "Global Occupational Health & Wellbeing" (Ana Catalina Ramirez, Occupational Safety and Health Technical Specialist, International Labour Organisation (ILO), Genf)
  2. Schlusswort & Bewegungsprogramm (Prof. Simone Schmitz-Spanke, Tagungsleitung und Prof. Pavel Dietz, Mainz)
Raum: Hörsaal/Onlineraum 3 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 384)
Mi
13 Mär
10:30 - 11:15
DGAUM Presse
Pressekonferenz der DGAUM
Raum: Seminarraum 17 / Onlineraum 1 (Standort: ZeUS)
Sa
16 Mär
13:00 - 16:00
Online-Seminar
Hautschutz zwischen Wissenschaft und Praxis – neue Perspektiven
Anmelde- und kostenpflichtige Fortbildungsveranstaltung der DGAUM-Akademie
Leitung: Prof. Dr. med. Susanne Völter-Mahlknecht
Die Teilnahme wird mit 3 CME-Punkten zertifiziert.
Seminarbeschreibung: https://access.online-registry.net/dgaum2024/temp/fileupload/17061698416552.pdf
Raum: Onlineraum 1 (Standort: Online)
Sa
16 Mär
09:00 - 12:00
Online-Seminar
Sucht und Arbeit
Anmelde- und kostenpflichtige Fortbildungsveranstaltung der DGAUM-Akademie
Leitung: Dr. med. Kristin Hupfer
Die Teilnahme wird mit 3 CME-Punkten zertifiziert.
Seminarbeschreibung: https://access.online-registry.net/dgaum2024/temp/fileupload/170600010115632.pdf
Raum: Onlineraum 3 (Standort: Online)
Sa
16 Mär
09:00 - 12:00
Online-Seminar
Diabetes – Arbeit – Fahren
Anmelde- und kostenpflichtige Fortbildungsveranstaltung der DGAUM-Akademie
Leitung: Dr. med. Kurt Rinnert
Die Teilnahme wird mit 3 CME-Punkten zertifiziert.
Seminarbeschreibung: https://access.online-registry.net/dgaum2024/temp/fileupload/169831981378903.pdf
Raum: Onlineraum 2 (Standort: Online)
Sa
16 Mär
09:00 - 12:00
Online-Seminar
Gefahrstoffe und Biomonitoring
Anmelde- und kostenpflichtige Fortbildungsveranstaltung der DGAUM-Akademie
Leitung: Dr. rer. nat. Dr. med. Bernd Herber
Die Teilnahme wird mit 3 CME-Punkten zertifiziert.
Seminarbeschreibung: https://access.online-registry.net/dgaum2024/temp/fileupload/169832085071379.pdf
Raum: Onlineraum 1 (Standort: Online)
Sa
16 Mär
13:00 - 16:00
Online-Seminar
Grenzsituationen in der arbeitsmedizinischen Praxis
Anmelde- und kostenpflichtige Fortbildungsveranstaltung der DGAUM-Akademie
Leitung: Dr. rer. nat. Dr. med. Bernd Herber
Die Teilnahme wird mit 3 CME-Punkten zertifiziert.
Seminarbeschreibung: https://access.online-registry.net/dgaum2024/temp/fileupload/169832110538771.pdf
Raum: Onlineraum 2 (Standort: Online)
Sa
16 Mär
13:00 - 16:00
Online-Seminar
Klinische Untersuchungen der Lunge und Atemwege in der Arbeits- und Betriebsmedizin
Anmelde- und kostenpflichtige Fortbildungsveranstaltung der DGAUM-Akademie
Leitung: Dr. med. Nicola Kotschy-Lang und Prof. Dr. med. Alexandra M. Preisser
Die Teilnahme wird mit 3 CME-Punkten zertifiziert.
Seminarbeschreibung: https://access.online-registry.net/dgaum2024/temp/fileupload/169996137376822.pdf
Raum: Onlineraum 3 (Standort: Online)
Do
14 Mär
11:30 - 12:30
Posterausstellung
Psychische Belastung und Beanspruchung im Gesundheitswesen
Beiträge:
1
Einleitung: Der tierärztliche Beruf umfasst hohe physische und psychische Belastungen, die je nach Haupttätigkeitsfeld verschieden ausgeprägt sein können und intrapersonell unterschiedlich wahrgenommen werden. Je nach Kompensation dieser Belastungssituationen ist die Entstehung von körperlichen, psychischen und/oder sozial-kommunikativen Symptomen möglich. Das Ziel der Studie war es, den Status Quo deutscher Tierärzte hinsichtlich individueller arbeitsbezogener Verhaltensmuster und gesundheitlichen Beschwerder deskriptiv darzustellen.
Methoden: Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden 1.097 Tierärzt:innen (66,4 % weiblich) befragt. Das durchschnittliche Alter lag bei 41,9 ± 10,18 Jahren (23 – 79 Jahre). Angewandte Fragebogen waren Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM, n = 999) und Fragebogen für körperliche, psychische und soziale Symptome (KÖPS, n = 1.097).
Ergebnisse: Die Staninewerte von 10 der 11 AVEM-Dimensionen lagen im Referenzbereich. Nur bei der Dimension „Offensive Problembewältigung“ war der Wert unterhalb des Referenzbereiches (3,85 ± 1,87). 44 % der Tierärzt:innen boten den Stanine-Wert unter 4. Die Verausgabungsbereitschaft war bei 44,1 % der Tierärzt:innen oberhalb des Referenzbereiches ausgeprägt. Die Mehrheit der Tierärzt:innen verfügte über gesundheitsgefährdende AVEM-Muster: 184 (25,4 %) Muster A und 292 (40,3 %) Muster B. Die gesundheitsförderlichen AVEM-Muster waren mit 97 (13,4 %) Muster G und 151 (20,9 %) Muster S vertreten. Die Verteilung der Geschlechter in den AVEM Gruppen war vergleichbar (p = 0,136). Bei 42,2 % der Tierärzt:innen fand sich eine Ausprägung von körperlichen Beeinträchtigungen, bei 51,8 % von psychischen Beeinträchtigungen und bei 35,9 % von Beeinträchtigungen im sozial-kommunikativen Bereich über dem Stanine-Wert von 6. Alle Mittelwerte der KÖPS-Kategorien lagen am oberen Referenzbereich.

Schlussfolgerungen: Die detaillierte Erfassung körperlicher, psychischer und sozialer Symptome und arbeitsbezogener Verhaltens- und Erlebensmuster ergab einen hohen Anteil von gesundheitsgefährdenden AVEM-Mustern A und B sowie psychischen Beeinträchtigungen im KÖPS, gefolgt von körperlichen Beeinträchtigungen. Die AVEM-Risiko-Muster A und B stehen in Verbindung mit eingeschränkter Gesundheit. Es bedarf unterstützender betrieblicher präventiver und gesundheitsförderlicher Maßnahmen, um eine langfristige Gesunderhaltung der Tierärzt:innen zu ermöglichen.

*gefördert durch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (Förderung Nr. 1544)
Frau Dr. med. Beatrice Thielmann
Bereich Arbeitsmedizin, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Magdeburg
2
Einleitung: Digitalisierungsprozesse in deutschen Kliniken schreiten kontinuierlich voran. Dies führt zur Einführung neuer digitaler Technologien, wie z.B. der elektronischen Patientenakte (EPA) oder anderer Technologien, die für die medizinische Dokumentation eingesetzt werden. Auch wenn die Ablösung der Papierdokumentation durch eine digitalisierte Dokumentation im Allgemeinen viele Vorteile verspricht, kann die tägliche Nutzung der Technologien auch zu einem negativen Beanspruchungserleben beim medizinischen Personal beitragen. Die Studie zielt daher darauf ab, bestehende digitalisierungsassoziierte Belastungsfaktoren und Ressourcen bei medizinischem Krankenhauspersonal zu identifizieren, digitales Stresserleben (Technostress) zu erfassen sowie Zusammenhänge zu verschiedenen arbeits- und gesundheitsbezogenen Outcomes zu untersuchen.

Methodik: Es wurde eine quantitative Pilotstudie in Form einer Online-Fragebogenerhebung unter deutschen Klinikärzt:innen der Neurochirurgie und der Gefäßchirurgie durchgeführt. Die Studie wurde zwischen Juni und Oktober 2022 umgesetzt. Der Fragebogen beinhaltete u.a. die deutsche Version der Technostress-Skala von Ragu-Nathan et al. (2008), Skalen des Technologieakzeptanzmodells (TAM) sowie des Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ). Es wurden deskriptive Auswertungen sowie lineare Regressions- und Moderationsanalysen durchgeführt.

Ergebnisse: Die Studie ergab eine mittlere Ausprägung von Technostresserleben (M = 2,85, SD = 0,65) bei den teilnehmenden Ärzt:innen (n = 114). Die Doppeldokumentation wurde am häufigsten als Belastungsfaktor identifiziert, gefolgt von technischen Systemfehlern. Technostress reduzierende Faktoren (z.B. Schulungsmaßnahmen) wurden mit M = 2,51 (SD = 0,85) bewertet. Es zeigten sich zudem signifikante Zusammenhänge zwischen subjektivem Technostresserleben und den einbezogenen arbeits- und gesundheitsbezogenen Outcomes.

Schlussfolgerung:
Trotz der Prävalenz von Technostress und der geringen Ressourcenausstattung der befragten Ärzt:innen ist das Problembewusstsein für digitales Stresserleben gering und Präventionsmaßnahmen sind in den Kliniken noch nicht flächendeckend umgesetzt. Dies weist auf eine Bedarfslücke und die Notwendigkeit der strategischen und qualitätsgeleiteten Umsetzung von Maßnahmen zur effektiven Prävention von digitalem Stress hin.
Frau Stefanie Mache
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE); Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Hamburg
3
Background
Working conditions in the age of digitalization bear risks for chronic stress experience and development of burnout. However, real-world investigations into biological effects of technostress, that is stress related to the use of information and communication technologies, are scarce. This study prospectively assessed associations between technostress, general work stress, burnout symptoms, hypothalamic-pituitary-adrenocortical (HPA) axis activity, and chronic low-grade inflammation.
​​​​Methods
Hospital employees (N=238, 182 females, Mage=28.5 years) participated in a prospective cohort study with two follow-ups six months apart (T2, T3). Participants answered standardized questionnaires on general work stress based on Karasek's job stress model (job demand-control ratio), technostressors (work interruptions, multitasking, information overload), burnout symptoms (exhaustion, mental distance), and relevant confounders (sociodemographic, health- and employment-related characteristics, and further). Moreover, they provided hair strands for analysis of hair cortisol concentration (HCC) and capillary blood samples for analysis of C-reactive protein (CRP). After imputation of missing data, confirmatory factor analysis and path analysis models were performed.
Results
Factorial structure of survey measures was confirmed. Burnout symptoms (MT2=2.17, MT3=2.33) and HCC (MT2=4.79, MT3=9.56; pg/mg) significantly increased over time, CRP did not (MT2=1.15, MT3=1.21; mg/L). Adjusted path models showed that technostress was negatively associated with HCC (β=-0.16, p=.003), but not with burnout or CRP. General work stress in contrast, was not significantly associated with burnout, HCC or CRP. Furthermore, there were reciprocal effects of CRP on HCC (β=0.28, p=.001) and of HCC on CRP (β=-0.10, p≤.001). Associations were robust in additional analyses including further confounders.
Conclusion
This is the first study on prospective effects of technostress on employees’ endocrine and inflammatory systems. Results suggest differential effects of technostress on the HPA axis activity. Given that chronic alterations of the HPA axis play a key role in a broad range of medical and psychiatric conditions, the findings have important implications for occupational health and safety in digitalized work environments.
Frau Helena Kaltenegger
Frau Helena Kaltenegger
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Klinikum der Universität München, LMU München, München
4
Einleitung: Der ärztliche Beruf ist besonders psychisch belastend. In der Onkologie stellen u. a. der häufigere Umgang mit todbringenden Erkrankungen, Entscheidungen einer Therapiebegrenzung und der Tod langjährig betreuter Patienten typische mental belastende Sitationen dar. Sowohl die stattgehabte SARS-CoV-2-Pandemie als auch die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine weisen u. a. auf zusätzliche emotionale und moralische Konflikte hin. Das Ziel dieser Pilotstudie ist es, die psychische Gesundheit von Onkolog:innen in der Ukraine während zweier lebensbeeinflussender Krisen zu untersuchen.
Methoden: Im Rahmen dieser Pilotstudie wurden 24 Onkolog:innen (11 Männer (45,8 %) und 13 Frauen (54,2 %)) befragt. Das durchschnittliche Alter lag bei 41,4 ± 12,61 Jahren (36 – 72 Jahre). Im mittlere Beraufserfahrung lag bei 16,7 ± 12,02 Jahren. Um Beanspruchungsfolgen des Gesundheitszustandes zu ermitteln, wurde der General Health Questionnaire (GHQ 12) nach Goldberg 1978 eingesetzt und die Ergebnisse zwischen beiden Geschlechtern verglichen. Eine beeinträchtigte psychische Gesundheit wurde bei einem Summenscore von ≥ 5,0 Punkten definiert. Es erfolgte eine Korrelationsanalyse zwischen Alter und Berufsjahren gegenüber dem GHQ-Summenscore.
Ergebnisse: Der GHQ-12-Summenscore der Gesamtstichprobe lag im Referenzbereich (1,50 ± 1,87 Punkte, Spannweite 0-6 Punkte). Nur drei Onkologen (27,3 % der Männer) boten eine beeinträchtigte psychische Gesundheit. Insgesamt fanden sich nur tendenzielle Unterschiede in der Verteilung der GHQ-Gruppen (Summenscore < 5 und ≥ 5,0 Punkte) in beiden Geschlechtergruppen (pFisher = 0,082). Die Mittelwertunterschiede von Alter, Berufsjahren und GHQ-Summenscore waren in beiden Geschlechtergruppen vergleichbar (pMann-Whitney ≥ 0,05). Die soziodemografischen Größen korrelierten nicht mit dem GHQ-Summenscore.
Schlussfolgerung: Da nur 12,5 % der Gesamtstichprobe eine beeinträchtigte psychische Gesundheit aufwiesen, lässt sich vermuten, dass mit dem GHQ-12 die kurzfristige Änderungen der psychischen Gesundheit im Zusammenhang mit der momentanen Krisensituation (z. B. hohe Corona-Fallzahlen, starker militärischer Beschuss, bestehender Fachkräftemangel durch Flucht anderer) noch nicht erfasst werden konnten. Es ist eine weitere Befragung dieser Stichprobe geplant, um die psychische Gesundheit in zeitlicher Dynamik zu analysieren. Präventive gesundheitsfördernde Maßnahmen können u.a. hilfreich sein, um den aktuellen guten psychischen Gesundheitszustand bei weiter anhaltenden Krisensituationen aufrechtzuerhalten.
Frau Dr. med. Beatrice Thielmann
Bereich Arbeitsmedizin, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Magdeburg
5

Einleitung

Rettungsdienstpersonal und Notärzt*innen arbeiten in einem anspruchsvollen Umfeld, das durch die Notwendigkeit schneller Entscheidungen, hoher Verantwortung und Krisenbewältigung hohen Stress verursachen kann. Die Unterstützung aller Komponenten der Gesundheit, persönliche Ressourcen und rechtzeitige Anpassungen des Arbeitsumfeldes können jedoch dazu beitragen, die negativen Auswirkungen von Stressoren zu reduzieren. Zu diesem Zweck wurde eine vergleichende Studie der Arbeitsbedingungen und der Beanspruchung von Rettungsdienstpersonal und Notärzt:innen in der Ukraine in den Jahren 2018, 2021 (SARS-CoV-2-Pandemie) und 2023 (Militärkrise) durchgeführt.

Methoden

Insgesamt nahmen 271 Mitarbeitende des ukrainischen Rettungsdienstes freiwillig an der anonymen Befragung teil (Durchschnittsalter von 35,6±0,81 Jahren). Das Ungleichgewicht zwischen Arbeitsaufwand und Belohnung wurde mithilfe des 17-Item Effort-Reward-Imbalance-Fragebogens (ERI) ermittelt (Siegrist 1996). Es wurden die Subskalen Anerkennung/Wertschätzung, Status und Arbeitsplatzsicherheit berücksichtigt. Eine ERI Ratio von > 1 weist auf ein Ungleichgewicht zugunsten des Aufwands hin.

Ergebnisse

Die Zahl der Mitarbeitenden mit hohem ERI Risiko > 1 reduzierte sich im Vergleich zu 2018 um 89,17 % im Pandemiezeitraum und um das 9,6-fache im Jahr 2023 (p < 0,05). Trotz eines leichten Rückgangs im Jahr 2021 stieg die Subskala Belohnung bis 2023 um 34,47 % (p < 0,05). Die Subskalen zeigen, dass der subjektiv bewertete Aufwand entsprechend gesunken ist, wobei die Notärzt*innen im Jahr 2021 27,92 % und im Jahr 2023 47,81% weniger Aufwand zeigten als im Basisjahr (p < 0,05). Die Subskala Arbeitsplatzsicherheit erhöhte sich in den Jahren 2021 und 2023 (um 38,8 % bzw. 43,82 %, p < 0,05). Die Subskala Wertschätzung/Anerkennung verringerte sich im Jahr 2021 um 30,15 %, aber nahm im Jahr 2023, im Vergleich zu 2018, wieder um 25,85 % zu (p < 0,05).

Schlussfolgerung / Diskussion

Die Ergebnisse der Studie zeigten eine signifikante Verringerung der Zahl der Arbeitnehmer mit hohem ERI-Risiko. Dies wurde durch die Tatsache gestützt, dass die Gesundheitsfachkräfte eine positive Veränderung bei der Entlohnung für ihre Arbeit erlebten oder durch ein besseres Gefühl der Arbeitsplatzsicherheit beeinflusst wurden. Es ist erkennbar, dass sich, selbst in Extremsituationen, mit einer angemessenen sozialen und rechtzeitig durchgeführten Unterstützung, die subjektiv empfundene Beanspruchung reduzieren lässt

Referenzen

Siegrist J (1996) Adverse health effects of higheffort/low-reward conditions. J Occup Health Psychol 1(1):27–41. https://doi.org/10.1037// 1076-8998.1.1.27
Frau Elina Sushchenko
Lehrstuhl für Hygiene und Ökologie No. 2, Charkower Nationale Medizinische Universität, Charkiw
6
Einleitung: Die stattgehabte SARS-CoV-2-Pandemie verursachte enorme Herausforderungen für das Gesundheitspersonal, insbesondere für die Frontline Workers des Rettungsdienstes (RD) oder auch den Leitstellendisponenten (LS). Die Schaffung einer Balance zwischen allgemeinen und arbeitsbedingten Belastungsempfinden und der Erholung der Einsatzkräfte, sind ein wesentlicher Faktor für psychische und physische Gesundheit. Das Ziel dieser Arbeit war es, das Belastungsempfinden und den Erholungszustand von Rettungsdienstpersonal und Leitstellendisponenten zu erfassen.
Methoden: Die Gesamtstichprobe umfasste 1.245 Datensätze, davon 805 von RD und 440 von LS. Die Online-Befragung erfolgte zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie, während der ersten Welle 2020. Erhoben wurde die Kurzform EBF-24/A (Testform S2) des Erholungs-Belastungsfragebogen (EBF) nach Kallus. Es erfolgte eine professionsdifferente Betrachtung der EBF-Variablen und einen Test für Zwischensubjekte (Korrigiertes Modell) unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht.
Ergebnisse: Es fanden sich signifikante Unterschiede in der Besetzung der Geschlechtergruppen in beiden untersuchten Gruppen (p < 0,001) (RD 80,9 % Männer; LS 92.3 % Männer). Die Leitstellendisponenten (MW 42,43 ± 8,75 Jahre ) waren signifikant älter als die RD-Mitarbeiter (36,0 ± 10,48) (p < 0,001). Bei den Beanspruchungssubskalen fanden sich signifikante Unterschiede: „Allgemeine Belastung, Niedergeschlagenheit“ (p = 0,031), „Übermüdung/Zeitdruck“ (0,023) und „Energielosigkeit, Unkonzentriertheit“ (p = 0,003). Hierbei boten der RD die höheren Beanspruchungen als die LS. Für die Subskalen der Erholung lag ein signifikanter Unterschied nur für das EBF-Subskala „Erfolg, Leistungsfähigkeit“ (p < 0,001), wobei der RD hier die schlechteren MW aufzeigte. Für die Hauptskalen Beanspruchung und Erholung (p < 0,001), ergaben das Alter und Geschlecht nur geringere Effekte (η² = 0,014).
Schlussfolgerungen/Diskussion: Zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie waren die Frontline Worker des RD mehr beansprucht und weniger erholt als die Kolleg:innen in den Leitstellen. Vermutet wird hier die Belastungssituation während der ersten Welle beim möglichen direkten Kontakt mit einem unbekannten Virus, Ängste vor Ansteckung bei zeitgleichen Mangel an Schutzausrüstung, z. B. FFP2/FFP3-Masken, die Rechtfertigungen diese Schutzausrüstung bei bestimmten Symptomen getragen zu haben.
Frau Dr. med. Beatrice Thielmann
Bereich Arbeitsmedizin, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Magdeburg
Do
14 Mär
11:30 - 12:30
Posterausstellung
Berufliche Belastung
Beiträge:
1
Mit dem neuen Trend zur veganen und glutenfreien Ernährung vermehren sich nach und nach auch die Berufskrankheiten in der betreffenden Lebensmittelindustrie, Bäckerhandwerk oder in Restaurantküchen.
Buchweizen (Fagopyrum esculentum) wird statt Weizen beim Backen allgemein und zur Herstellung von Blinis, Pasta, Noodles oder Müsli benutzt. Psyllium (Plantago ovata) wird als Hilfsmittel in glutenfreiem Backen zur Verbesserung der Teigviskosität benutzt. Lupine (Lupinus albus, Lupinus angustifolius) verbessert den Nährwert in Backwaren oder zum Beispiel in Speiseeis als pflanzliche Proteinquelle. Quinoa (Chenopodium quinoa) wird statt Getreide oder Reis beim Kochen genommen.
Es werden nach unserer Erfahrung vermehrt berufsbedingt Rhinitis, Asthma und Dermatitis, aber auch Anaphylaxie bei den exponierten Beschäftigen beobachtet. Bei entsprechenden Symptomen sollte gleich im Anfangsstadium richtige und ausreichende Diagnostik eingeleitet werden, und insbesondere nach einer Sensibilisierung gesucht werden. Nicht selten würde eine solche Erkrankung zu einem Arbeitsplatzwechsel führen.
Es ist wichtig daran zu denken, dass die Beschäftigten in einer modernen Bäckerei oder Lebensmittelwerk oder Küche auch „unübliche“ Zutaten wie Buchweizen, Lupine oder Psyllium verarbeiten können. So können richtige und effiziente arbeitshygienische Massnahmen am Arbeitsplatz durchgeführt werden, um Berufskrankheiten zu verhindern.
​​​​​​

Referenzen

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Epidemiology of life-threatening and lethal anaphylaxis: a review. Allergy.
2005;60(4):443–451.
Frau Dr. Soile Jungewelter
Finnish Institute of Occupational Health, Helsinki
2
Einleitung: Berufliche Hauterkrankungen zählen zu den häufigsten Berufskrankheiten in Deutschland, in RLP sind dies etwa 1000 Fälle pro Jahr. Ein besonders kritischer Bereich ist der Spülbereich von Restaurants und Kantinen. Nach gewerbeärztlichen Erfahrungen werden hier kaum Hautschutzmaßnahmen angeboten. Ziel ist es, durch Überprüfung der Umsetzung der TRGS 401 die Zahl der beruflichen Hauterkrankungen zu senken.
Methode: Es wurden Betriebsinspektionen mit dem Schwerpunkt Feuchtarbeit und Hautschutz durch den staatlichen medizinischen Arbeitsschutz (Gewerbeärzte und Gewerbeärztin) in RLP durchgeführt. Die Restaurants und Kantinen wurden stichprobenartig nach Vorankündigung aufgesucht.
Ergebnisse: Vom 01.10.2021 bis zum 31.05.2022 wurden 29 Betriebe (17 Restaurants und 12 Kantinen) überprüft. Größe der aufgesuchten Restaurants: 7 unter 10 Beschäftigte, 7 mit 10-50 Beschäftigten, 2 mit 50-100 Beschäftigten, 1 Restaurant mit 130 Beschäftigten, Kantinen: mehr als 100 Beschäftigte, der größte Betrieb hatte 2960 Beschäftigte. Betriebsärztliche Betreuung, arbeitsmedizinische Vorsorge: Restaurants: in einem Betrieb vorhanden; Vorsorgekartei nach § 3 Abs. 4 ArbMedVV in keinem Restaurant. Kantinen: alle wurden betriebsärztlich betreut, in 2 Betrieben keine Vorsorgen Feuchtarbeit. Die Vorsorgekartei nach ArbMedVV war überall vorhanden. Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG: lag vor in zwei Restaurants und 11 Kantinen. Speziell zur Haut: (Umsetzung TRGS 401): in keinem Restaurant , in 9 Kantinen. Feuchtarbeit in der Regel über 4 Std./Schicht, meistens werden flüssigkeitsdichte Handschuhe getragen. Schutzmaßnahmen: In 11 Restaurants gab es keine Schutzmaßnahmen (Hautschutzcremes, Hautpflegecremes, Hautschutzpläne, regelmäßige Unterweisungen), in 6 Restaurants nur mangelhaft. In allen Kantinen waren gute Hautschutzmaßnahmen vorhanden.
Schlussfolgerungen: Der Arbeitsschutz, speziell auch der Hautschutz, ist in Restaurants sehr mangelhaft. Geeignete Gefährdungsbeurteilungen waren lediglich in zwei Restaurants vorhanden. Betriebsärztliche Betreuung gab es nur in wenigen Betrieben, Schutzmaßnahmen waren überwiegend nicht vorhanden. In Kantinen war die Situation deutlich besser, Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitsmedizinische Vorsorgen wurden durchgeführt, Schutzmaßnahmen waren vorhanden. Die betriebsärztliche Betreuung und Beratung insbesondere von Arbeitgebenden und Beschäftigten in Restaurants im Hinblick auf Hauterkrankungen muss verbessert werden. Dadurch könnte die Anzahl von Hauterkrankungen reduziert werden.

Referenzen

DGUV Statistik Berufskrankheiten
Frau DR Ann-Kathrin Jakobs
Struktur und Genehmigungsdirektion Süd, Neustadt/W, Rheinland-Pfalz, Neustadt/W
3

Einleitung

Allein die hohe Prävalenz von Schmerzsyndromen bei Musiker*innen und die dadurch bedingte starke Beeinträchtigung in ihrem Beruf macht sie zu einer interessanten Gruppe um Einflussfaktoren von Schmerz zu untersuchen. Durch das langjährige intensive Training extremer räumlich-zeitlich hochpräziser Feinmotorik treten bei Musiker*innen physiologische adaptive funktionelle und strukturelle neuroplastische Veränderungen auf, die sie insbesondere zu einem relevanten Modell zur Untersuchung des Einflusses dieser Neuroplastizität auf die Schmerzwahrnehmung und -weiterleitung machen.

Methoden

In der vorliegenden Studie wurden 15 gesunde professionelle Musiker*innen und Musikstudierende, sowie 15 Kontrollpersonen untersucht. Den Proband*innen wurden jeweils 15 Kontakthitzestimuli an beiden Händen und beiden Füßen appliziert. Für jeden der 15 Stimuli wurden ein kontakthitzeevoziertes Potential (CHEP) mit einem EEG an der CZ-Position abgeleitet, sowie die subjektive Bewertung der Stimulusintensität aufgezeichnet. Die Habituation während des Versuchs wurde mithilfe von statistischen mixed-effect-Modellen untersucht.

Ergebnisse

Die Datenanalyse ergab, dass die Musiker*innen die Stimuli zwar als signifikant stärker schmerzhaft bewerten, diese Bewertung im Verlauf des Versuches jedoch auch signifikant schneller abnimmt als bei der Kontrollgruppe, was für eine schnellere Habituation spricht. In beiden Gruppen fand eine signifikante Abnahme der CHEPs-Amplitude statt, interessanterweise allerdings ohne signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen.
Die Unterschiede in der Schmerzwahrnehmung zwischen Musiker*innen und der Kontrollgruppe schlugen sich also lediglich in der subjektiven Bewertung der Stimuli und der subjektiven Habituation nieder.

Schlussfolgerung / Diskussion

Weitere Untersuchungen, insbesondere der objektiven EEG-Daten, sind notwendig um die Unterschiede der Nozizeption zwischen den Gruppen quantifizieren und den Einfluss von Neuroplastizität auf Schmerzweiterleitung untersuchen zu können.

Referenzen

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Herr Fabian Sternkopf
Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin Hannover, Hannover
Do
14 Mär
11:30 - 12:30
Posterausstellung
Frau und Beruf
Beiträge:
1
Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheit im Betrieb:
Falldarstellung Myocardinfarkt bei junger Frau mit erhöhtem Lp(a)

Heinemann, Franziska; Böckelmann, Irina

Bereich Arbeitsmedizin, Medizinische Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg, Deutschland

Einleitung: Die Grundlage zur Einschätzung des individualisierten kardiovaskulären Risikos stellt nach der aktuellen Leitlinie der ESC (European Society of Cardiology) das etablierte SCORE2 (Systematic Coronary Risk Evaluation)-System dar. Aktuell ist das Lipoprotein (a) (Lp(a)) nicht in dem Score enthalten. Es stellt einen unabhängigen, genetisch determinierten kardiovaskulären Risikofaktor dar. In der Leitlinie der ECS/EAS von 2019 wird empfohlen, Lp(a) bei jedem Menschen einmal im Leben zu bestimmen. Eine Nichtberücksichtigung der Lp(a) kann zu einer relevanten Fehleinschätzung des Risikos für ein kardiovaskuläres Ereignis einer Person führen.

Material und Methoden: Es soll hier exemplarisch ein Fall vorgestellt werden. Es handelte sich um eine 52-jährige Probandin mit STEMI der Hinterwand bei sitzender Tätigkeit. Es bestand kein erhöhter Blutdruck, kein Myokardinfarkt in der Familienanamnese, sie hatte einen BMI von 33, war ehemalige Gelegenheitsraucherin und hatte erhöhte Cholesterinwerte (LDL 5,5 mmol/L). Es wurde nach dem Infarkt ein erhöhtes Lp(a) (175 nmol/L) festgestellt.

Ergebnisse: Nach dem SCORE 2 hätte die Probandin ein 2,5 %iges Risiko (also ein geringes Risiko) für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung gehabt. Nach dem PROCAM Score (Assmann) lag ein 2,23% iges Risiko für einen Herzinfarkt vor. Nach der Risikoprognose nach Framingham errechnet sich ein 7,3%es Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses. Trotz geringeres Risiko kam es zu einem Herzinfarkt.

Schlussfolgerungen: In der arbeitsmedizinischen Sprechstunde trifft man auf viele Menschen, die scheinbar asymptomatisch sind. Einige nehmen keine Angebote der Früherkennung und Prävention beim Hausarzt in Anspruch. Bei der ganzheitlichen arbeitsmedizinischen Vorsorge müssen nach AMR 3.3 alle arbeitsbedingten Gefährdungen berücksichtigt werden, die Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. In dem vorgestellten Fall kann die sitzende Tätigkeit als ein eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gesamtmortalität [BI1] angesehen werden. Im Rahmen der Präventionsangebote könnte eine Risikoanalyse mit SCORE2 mit Bestimmung der Blutfettwerte (u.a. auch Lp(a)) ein wirkungsvolles Instrument sein, um die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten im Betrieb zu erhalten.

Frau Dr. med. Franziska Heinemann
Bereich Arbeitsmedizin, Medizinische Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg
2

Einleitung

Für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder stellen bestimmte Infektionskrankheiten eine Gesundheitsgefährdung dar [1]. Sie stehen am Arbeitsplatz unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Die vorliegende Auswertung soll Aufschluss über beruflich bedingte Infektionskrankheiten mit schwangerschaftsrelevanten Erregern geben.

Methoden

Die Auswertung erfolgte auf Basis der Berufskrankheiten-Dokumentation (BK-DOK) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Eingeschlossen wurden Fälle von Infektionskrankheiten mit schwangerschaftsrelevanten Biostoffen mit den BK-Nummern 3101, 3102 und 3104, die im Zeitraum 2016 bis 2020 anerkannt wurden. Die Fälle, in denen sich die Erkrankung auf das ungeborene Kind bezog, wurden über das Merkmal Versicherungsverhältnis „Fall nach § 12 SGB VII (Schädigung der Leibesfrucht)“ identifiziert. Fälle mit einem Versicherungsverhältnis „Fall nach § 12 SGB VII“, die aus Mitgliedsbetrieben der BGW stammten, wurden einem Aktenstudium unterzogen.

Ergebnisse

Die DGUV erfasste im Zeitraum 2016 bis 2020 insgesamt 224 als BK anerkannte Fälle von Infektionserkrankungen mit einem schwangerschaftsrelevanten Erreger. Darunter waren zwei Fälle nach § 12 SGB VII (Schädigung der Leibesfrucht). Bei beiden Fällen handelte es sich um Infektionen mit Parvovirus B19 (Ringelröteln, Erythema infectiosum). Ein Fall stammte aus einem Mitgliedsbetrieb der BGW; nach Aktenlage wurde bei Geburt keine rentenrelevante, chronische Schädigung fest- gestellt. Es wurden insgesamt sieben Zyotmegalieinfektionen als Berufskrankheit bei Erwachsenen anerkannt, aber keine Schädigung der Leibesfrucht bei Ungeborenen.

Schlussfolgerung / Diskussion

Anerkennungen von beruflich bedingten Infektionskrankheiten in der Schwangerschaft mit Schädigungen der Leibesfrucht nach §12 SGB VII sind äußerst selten. Die Annahme eines erhöhten Risikos für Zytomegalieinfektionen bei Schwangeren in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche ließ sich durch die DGUV-Daten nicht zeigen. Die wenigen dokumentierten Fälle gehen auf akute Infektionen der Schwangeren mit Parvovirus B19 zurück. Seit dem Berichtsjahr 2020 müssen bei der DGUV zu bestimmten Infektionserregern angegeben werden. Durch die veränderte Berufskrankheiten-Dokumentation mit Angabe der Primärdiagnosen nach ICD 10 hat sich die Qualität der statistischen Datenlage verbessert: Infektion mit Parvovirus B19 (Ringelröteln) werden als Erythema infectiosum dokumentiert und können nicht mehr mit einer Rötelninfektion verwechselt werden.

Referenzen

[1] Modrow S et al.: AWMF-Leitlinie 093-001 Labordiagnostik
schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen, 2021. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/093-001.html
Frau Dr. Johanna Stranzinger
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Hamburg
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Hamburg
3

Einleitung

Der Zuwachs der weiblichen Humanmedizin-Studierenden und somit klinisch tätigen Ärztinnen macht eine Auseinandersetzung mit dem 2018 novellierten Mutterschutzgesetz (MuSchG) unerlässlich. Der gesondert eingerichtete Ausschuss für Mutterschutz (AfMu) gibt Orientierungshilfen zur praxisnahen Umsetzung des Gesetzestextes. Bei Bekanntgabe einer Schwangerschaft einer beschäftigten Ärztin soll eine individuelle Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber erstellt werden. In einigen chirurgischen Fachbereichen liegen Empfehlungen zur Arbeitsplatzgestaltung während Schwangerschaft und Stillzeit vor. Bisher fehlen Positionierungen von internistischen Fachgremien zu diesem Thema. Diese Übersicht soll orientierend die publizierten Informationen zusammenfassen, um schwangere Ärztinnen in der pneumologischen Klinik weiterbeschäftigen zu können.

Methoden

Auf Basis des Mutterschutzgesetzes wurde durch Vertreterinnen der Pneumologie und Arbeitsmedizin eine Analyse der vorhandenen Evidenz für schwangere Pneumolginnen erarbeitet. Eine Datenbankrecherche in Pubmed, Medline und Scopus im Zeitraum 2018- 2023 zu u.g. Schlüsselwörtern ergänzt die Rechtsvorschrift durch Abgleich mit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand.

Ergebnisse

Anhand einer risikostratifizierten Positivauflistung für pneumologisch klinische Tätigkeiten lässt sich ein kalkulierbares Risiko für die Weiterbeschäftigung schwangerer Ärztinnen darstellen. Die überwiegende Anzahl an interventionellen Eingriffen (Pleurapunktion, transthorakale Punktion, intrapleurale Drainage und permanente -katheteranlage, internistische Thorakoskopie, flexible und starre Bronchoskopie, endobronchialer Ultraschall) kann durch Schwangere durchgeführt werden. Einschränkungen bestehen bei Tätigkeiten mit Notfallcharakter, erhöhter Infektionsgefährdung, elektrothermischen Interventionsverfahren und bei Strahlenexposition.

Schlussfolgerung / Diskussion

Grundsätzlich spricht rechtlich sowie medizinisch nichts gegen den Einsatz einer schwangeren Pneumologin in der Endoskopie. Für die Schwangere ist es von großer Bedeutung, dass Klarheit im beruflichen Aufgabenspektrum für den Zeitraum der Schwangerschaft besteht. Darüber hinaus sollten dem Arbeitgeber (sowie in Vertretung dessen Betriebsarzt) detaillierte Empfehlungen für die Erstellung einer anlassbezogenen Gefährdungsbeurteilung an die Hand gegeben werden. Diese detaillierte Aufgabenbeschreibung kann dazu beitragen.
Frau Dr. med. Christine Ganzert
Universität Magdeburg, Magdeburg
Do
14 Mär
11:30 - 12:30
Posterausstellung
Gefahrstoffe/Biomonitoring
Beiträge:
1

Einleitung

Lungenkrebs ist die häufigste Krebstodesursache in Deutschland. Zwischen 2005 und 2021 wurden insgesamt 3901 Berufskrankheiten mit Lungenkrebs (BK-Nr. 4104, 4109, 4110, 4112, 4113, 4114) anerkannt. Im gleichen Zeitraum sind 3751 Versicherte infolge dieser Berufskrankheiten verstorben. Im Gewebe von Lungenkrebserkrankten ist die Vermehrung der Onkogene TERT (telomerase reverse transcriptase) und MYC (v-myc avian myelocytomatosis viral oncogene homolog) häufig nachweisbar und können daher als Biomarker dienen. Die Performance kann durch die Kombination mehrerer Biomarker in einem Markerpanel verbessert werden. Das Ziel dieser Studie war die Bestimmung von TERT als zusätzlichem Biomarker für Lungenkrebs und die Analyse, ob eine Kombination mit dem bereits etablierten Biomarker MYC zu einer Verbesserung der Perfomance führt.

Methoden

Die Kopienzahl der Gene TERT und MYC wurde in der genomischen DNA von Tumor- und angrenzenden Nicht-Tumorgewebeproben von 114 Lungenkrebspatienten mittels digitaler PCR bestimmt.

Ergebnisse

In den Tumorproben betrug die durchschnittliche Kopienzahl von TERT im Median 2,12 (interquartile range (IQR) 1,96 – 2,56) und in den Nicht-Tumorproben 1,96 (IQR 1,88 – 2,04). Die durchschnittliche Kopienzahl von MYC betrug 2,10 (IQR 1,94 – 2,38) im Tumorgewebe und 1,96 (IQR 1,89 – 2,03) im Nicht-Tumorgewebe. Der Unterschiede waren statistisch signifikant (p<0,0001). Bei einer festgesetzten Spezifität von 99% konnte für TERT eine Sensitivität von 41% und für MYC eine Sensitivität von 51% gezeigt werden. Durch die Kombination von TERT und MYC wurde die Sensitivität auf 60% erhöht.​​​​​​

Schlussfolgerung / Diskussion

In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass eine Kombination von Biomarkern die Performance im Vergleich zu den jeweiligen einzelnen Biomarkern erhöht. Die Bestimmung der Kopienzahl von MYC und TERT mittels digitaler PCR könnte in Zukunft als eine verlässliche Methode in der personalisierten Medizin eingesetzt werden.
Herr Alexander Brik
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
2
Expositionen gegenüber aromatischen Aminen können beim Menschen zu erhöhten Harnblasenkrebs-Risiken führen. So kann Harnblasenkrebs im Falle der Verbindungen 2-Naphthylamin, 4-Aminobiphenyl und o-Toluidin in Deutschland als Berufskrankheit anerkannt werden.

Als indirekte Kanzerogene wirken aromatische Amine erst nach metabolischer Aktivierung genotoxisch und in der Folge krebserzeugend. Die Leber wird dabei als Hauptorgan für die Bioaktivierung angesehen. Das Urothel verfügt jedoch selbst über eine Ausstattung an relevanten fremdstoffmetabolisierenden Enzymen.

In der aktuellen Studie wurden unterschiedliche lokale genotoxische Effekte von 2-Naphthlyamin (2-NA), 4-Aminobiphenyl (4-ABP) und o-Toluidin (OT) in einer humanen Harnblasenzelllinie (RT4) untersucht. DNA-Strangbrüche wurden mit dem Comet-Assay, Chromosomenbrüche und -fehlverteilungen im Mikronukleus-Test untersucht.

2-Naphthylamin und 4-Aminobiphenyl führten weder im Comet-Assay noch im Mikrokern-Test zu positiven Ergebnissen. Im Gegensatz dazu konnten nach Exposition der Zellen gegenüber o-Toluidin schwach positive Ergebnisse im Comet-Assay und signifikant erhöhte Mikrokernraten nachgewiesen werden.

Unter den Versuchsbedingungen konnte auf lokaler urothelialer Ebene Genotoxizität lediglich für o-Toluidin beobachtet werden. Durch die schwach positiven Befunde im Comet-Assay scheinen klastogene Effekte in jedem Fall eine Rolle zu spielen. Ob die signifikant erhöhten Mikrokern-Raten auch auf aneugene Effekte, d. h. Chromosomenfehlverteilungen, beruhen, ist Gegenstand aktueller Untersuchungen.
Frau Dr. rer. nat. Sabine Plöttner
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung - Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
3
Einleitung: Zu ihrem Schutz und Erhalt wurden organische Objekte in musealen Sammlungen oder auch ganze Denkmäler und historische Häuser mit gesundheitsschädlichen Bioziden behandelt. So sind die Mehrzahl der organischen Objekte musealer Institutionen, aber auch viele historische Gebäude nachweislich mit Gefahrstoffen wie DDT, Lindan, PCP, Arsen, Quecksilber und ggf. noch andere belastet. Sie stellen somit ein Gesundheitsrisiko für Beschäftigte dar, die mit diesen Objekten umgehen bzw. sich in Räumen mit belasteten Objekten aufhalten. Um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten, ist eine Überwachung der Gefahrstoffe am Arbeitsplatz erforderlich. Die herkömmlichen Analysemethoden, die zurzeit für systematische Untersuchungen bzw. größere Studien eingesetzt werden, sind jedoch in der Regel sehr teuer. Ziel des MUSA-Projekts ist daher die Entwicklung eines benutzerfreundlichen und kostengünstigen Testkits für das Biozid-Monitoring.
Methoden: Als Probenahmematerial wurden elektrostatische Tücher für 1) Wischproben von Oberflächen und 2) Staubfallen für die Analyse von Staub in der Luft verwendet. Zu den Zielsubstanzen gehörten Organochlorbiozide (u.a. PCP und Lindan) und toxische Metalle (u.a. Quecksilber und Arsen). Die Proben wurden extrahiert und mittels GC-MS/MS bzw. ICP-MS/MS analysiert. Parallel dazu wurden eine aktive Probenahme durchgeführt. Die Pilotstudie fand in einer Sammlung mit bekannter Biozidkontamination statt.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Wischproben als auch Staubfallen geeignet waren, Biozide nachzuweisen. Außerdem waren beide Methoden auch von Personal ohne größere analytische Erfahrung leicht anwendbar. In dieser Pilotstudie konnten wir auch Räume und Arbeitsplätze mit einem erhöhten Expositionsrisiko für die Mitarbeiter identifizieren. Die Ergebnisse der Staubfallen und der aktiven Probenahme waren relativ gut vergleichbar. Das bedeutet, dass in Räumen mit höherer Belastung in der Luft auch höhere Konzentrationen der gleichen Biozide in den Staubfallen nachgewiesen werden konnten.
Diskussion: Wischproben und Staubfallen können eine geeignete Ergänzung zum herkömmlichen Umgebungsmonitoring sein. Die Einfachheit des Testkits reduziert die Kosten der Analyse und macht sie daher für die betroffenen Einrichtungen leichter zugänglich. Eine auf den Ergebnissen aufbauende Evaluation der vorgestellten Methoden in weiteren Museen ist notwendig, um risikobasierte Beurteilungswerte abzuleiten und angemessene Maßnahmen zur Vermeidung der Exposition gegenüber Bioziden zu ermöglichen.

Herr Dr. Stefan Rakete
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Klinikum der Universität, LMU München, München
4

Einleitung

Deoxynivalenol (DON) ist ein Schimmelpilzgift (Mykotoxin), das aufgrund seiner toxischen und immunsuppressiven Eigenschaften ein hohes gesundheitsgefährdendes Potential für den Menschen aufweist. DON ist als Verunreinigung in Lebensmitteln, insbesondere Getreide und Getreideprodukten zu finden. Als deutscher Beitrag zum European Joint Programme HBM4EU sollte die ernährungsbedingte DON-Hintergrundbelastung untersucht werden [1].

Methoden

In insgesamt 360 24-h-Sammelurinproben aus der Umweltprobenbank des Bundes wurde der Gehalt an Gesamt-DON (tDON, Summe aus freiem DON und DON-Glucoronid-Metaboliten) ermittelt und daraus die tägliche tDON-Ausscheidungsmenge errechnet. Die Proben wurden in den Jahren 1996, 2001, 2006, 2011, 2016, und 2021 von je zur Hälfte weiblichen und männlichen Studierenden in Münster gesammelt. Die Bestimmung im Urin erfolgte nach enzymatischer Hydrolyse der Glucoronid-Metaboliten und Immunoaffinitätsaufreinigung mittels Flüssigkeitschromatographie-Tandemmassenspektrometrie (HPLC-MS/MS). Ausgehend von der täglichen tDON-Ausscheidungsmenge wurde die tägliche DON-Aufnahmemenge abgeschätzt.

Ergebnisse

In 99 % der Proben lagen tDON-Konzentrationen oberhalb der Bestimmungsgrenze von 0,3 µg/L vor. Die Median-Werte der ermittelten Konzentrationen und täglichen Ausscheidungsmenge waren 4,3 μg/L bzw. 7,9 μg/24 h. Die Urinproben männlicher Studienteilnehmer wiesen signifikant höhere tDON-Konzentrationen auf. Unter Berücksichtigung des Körpergewichts werden für die tägliche Ausscheidungsmenge keine signifikanten Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Studienteilnehmenden beobachtet. Mit Ausnahme der Proben aus dem Jahr 2001 bleibt die tägliche Ausscheidungsmenge über die Jahre unverändert. Bei drei der Teilnehmenden überschritt die abgeschätzte tägliche DON-Aufnahmemenge die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 1 μg/kg Körpergewicht.

Schlussfolgerung / Diskussion

DON-Expositionen treten ubiquitär auf und bereits durch die Ernährung können gesundheitsgefährdende systemische Belastungen auftreten.

Referenzen

[1] Schmied A, Marske L, Berger M, Kujath P, Weber T, Kolossa-Gehring
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deoxynivalenol (DON) - Assessment of the exposure of young German adults from
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Herr Dr. Andy Schmied
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
5

Einleitung

Das volatile Anästhetikum Sevofluran ist aufgrund seiner pharmakologischen Eigenschaften eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Narkosemittel. Bei der Verwendung volatiler Anästhetika besteht jedoch Anlass zur Sorge, dass das Personal im Operationssaal einer chronischen Belastung ausgesetzt ist, die sich möglicherweise negativ auf die Gesundheit auswirkt. Aufgrund der aktuellen Studienlage kann somit auch nicht ausgeschlossen werden, dass es durch eine chronische Sevofluran-Exposition während der Schwangerschaft zu Schädigungen des Fötus kommen kann. In dieser Studie wurde eine Methode zur gleichzeitigen Bestimmung von Sevofluran und dessen Metaboliten Hexafluoroisopropanol (HFIP) in Urin entwickelt, welche die Bestimmung der individuellen internen Exposition des im Operationsbereich arbeitenden Personals ermöglichen soll.

Methoden

Für die Analyse wurden Headspace-Vials mit Isofluran (ISTD), Ammoniumacetatpuffer und β-Glucuronidase HP-2 (helix pomatia) versetzt und verschlossen. Frischer Urin wurde in kontaminationsfreier Umgebung durch ein Septum in die Vials gegeben und die Proben anschließend für 3 h bei 37 °C inkubiert. Die hydrolysierten Proben wurden bis zur Analyse bei -18 °C eingefroren. Die instrumentelle Bestimmung erfolgte mittels statischer HS-GC-MS auf einer DB-1-Säule. Im Rahmen einer deutschen Pilotstudie wurden vor und am Ende von drei Schichttagen Urinproben von im Operationsbereich tätigem Personal (n = 24) gesammelt.

Ergebnisse

​​​Die Methode ist von 1-1000 µg/L (r2 > 0,999) linear und zeigt eine hohe Präzision (< 5,5 % RSD). Die Bestimmungsgrenzen (LOQ) liegen bei 0,6 µg/L für Sevofluran und 3 µg/L für HFIP. In den untersuchten Urinproben nach der Schicht lag die Konzentration von HFIP zwischen < LOQ und 145 µg/L, während Sevofluran bei allen Probanden unter der Nachweisgrenze lag. Alle vor der Schicht entnommenen Proben wiesen für beide Analyten Konzentrationen < LOQ auf.

Schlussfolgerung / Diskussion

Im Vergleich zu bisherigen Methoden zeichnet sich das Verfahren durch eine vereinfachte und schnelle Aufarbeitung aus, da beide Analyten gleichzeitig quantifiziert werden sowie durch eine hohe Empfindlichkeit, v. a. für HFIP, ohne die Notwendigkeit einer Analytanreicherung. Die in dieser Pilotstudie gemessenen Urinkonzentrationen von Sevofluran und HFIP sind niedriger als bisher berichtete Ergebnisse früherer Studien, wahrscheinlich aufgrund besserer baulicher und technischer Maßnahmen im Arbeitsschutz heutzutage.

Referenzen

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[3]          A. Accorsi, B. Morrone, M. Benzo, C. Gandini, G.B. Raffi, F.S. Violante, Simultaneous determination of unmodified sevoflurane and of its metabolite hexafluoroisopropanol in urine by headspace sorptive extraction-thermal desorption-capillary gas chromatography-mass spectrometry, J Chromatogr A, 1071 (2005) 131-134.
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Frau Dr. Stephanie Selke
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg
6
Einführung
In der Umwelt- und Arbeitsmedizin kann durch Human-Biomonitoring die individuelle Exposition gegenüber Metallen und Halbmetallen ermittelt werden. Die Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (ICP-MS) ermöglicht die simultane Quantifizierung mehrerer Elemente in kürzester Zeit und ist somit eine vielversprechende Analysentechnik für Biomonitoringstudien. Eine von Winter et al. speziell für die Hg-Bestimmung in Urinproben entwickelte Methode sollte daher auf die Analyse weiterer Elemente ausgeweitet und validiert werden.

Methoden
Für die Bestimmung von Ag, As, Ba, Be, Cd, Co, Cu, Hg, Mo, Pb, Sb, Sn, Tl, V und Zn mittels ICP-MS wurden die Urinproben mit einem spezifischen Diluenten (5 % HNO3; 0,625 % HCl; 2,5 % Thioharnstoff) 1:5 verdünnt und anschließend bei Raumtemperatur inkubiert. Spektrale Interferenzen wurden sowohl durch die Analyse geeigneter Isotope als auch der Verwendung einer Kollisionszelle mit Helium als Kollisionsgas beseitigt. Nicht-spektrale Interferenzen der Urinmatrix wurden durch den Einsatz interner Standards kompensiert. Die Validierung der Methode erfolgte hinsichtlich der Präzision, Richtigkeit sowie Nachweis- und Bestimmungsgrenze. Zusätzlich wurde der Einfluss verschiedener interner Standards in Abhängigkeit des Kreatiningehalts auf die Wiederfindungsrate untersucht.

Ergebnisse
Die entwickelte Methode ermöglicht die simultane Bestimmung von 15 Elementen. Die Variationskoeffizienten für die Präzision in Serie waren ≤ 5,5 % und für die Präzision von Tag zu Tag ≤ 7,6 % (außer Be mit ≤ 8,5 % bzw. ≤ 11,6 %). Die ermittelten Nachweis- und Bestimmungsgrenzen lagen für alle Analyten unterhalb aktueller Referenzwerte bzw. der niedrigsten gemessenen Konzentration im deutschen Ringversuch (G-EQUAS). Die Wiederfindungsraten dotierter gepoolter Urinproben lagen im Bereich von 93 -107 %. Es wurden 6 interne Standards identifiziert, die eine Bestimmung der Elemente im Urin unabhängig von der Konzentration und dem Kreatiningehalt ermöglichen.

Schlussfolgerung
Das entwickelte Analyseverfahren ermöglicht das Biomonitoring von Metallen und Halbmetallen in arbeits- und umweltmedizinischen Konzentrationsbereichen. Die Ausweitung der Hg-Methode auf die Quantifizierung 14 weiterer Elemente sowie die einfache Probenvorbereitung erhöht den Probendurchsatz und minimiert zugleich Kosten. Die Methode hat daher großes Anwendungspotential in zukünftigen Biomonitoringstudien.

Referenzen

[1] M. Winter, F. Lessmann, V. Harth, A method for reliable quantification of mercury in occupational and environmental medical urine samples by inductively coupled plasma mass spectrometry, Anal Methods, 15 (2023) 2030-2038.
Herr Dr. Martin Winter
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg
7

Einleitung

Am Airbus Standort Hamburg arbeiten etwa 500 Maler und Lackierer im Oberflächenschutz. Sie haben seit Jahren die Pflichtvorsorge Chrom. Weitere etwa 3000 Personen verrichten mechanische Arbeiten an chromatierten Oberflächen [1]. Seit Januar 2022 wird auch diesen Beschäftigten die Überwachung angeboten, um die individuelle Beratung zu fördern und Verunsicherung im transnationalen Austausch der Beschäftigten des Großkonzerns entgegen zu wirken. Nachfolgend wird die Übersicht der Ergebnisse des Biologischen Monitorings auf Chrom im Urin im Zeitraum 01/2022 bis 08/2023 gezeigt

Methoden

Die Urinabgabe erfolgte nach Schichtende, die Bestimmung von Chrom und Kreatinin im Urin durch ein externes Routinelabor. Zur Beurteilung diente der Biologische Arbeitsstoffreferenzwert (BAR) für Chrom von 0,6µg/L Urin. 3 Gruppen wurden gebildet: unauffällig (das Ergebnis < 0,6 µg/L Urin), unspezifische Erhöhung (Ergebnis zwischen 0,6-2µg/L Urin) und auffällig (Ergebnis > 2µg/L Urin). Nur die Mitarbeiter selbst wurden über ihr Ergebnis benachrichtigt. War das Ergebnis unspezifisch erhöht, wurde eine Wiederholung angeboten, war es auffällig wurde eine Kontrolle durch Blutentnahmeangeboten.​​​​

Ergebnisse

In den 20 Monaten zwischen 1/2022 bis 8/2023 wurde insgesamt 1617 Urinproben auf Chrom untersucht. 981 davon waren von Strukturmechanikern (60,7%), 346 von Malern und Lackierern (21,4%), 23 aus dem Bereich Instandhaltung (1,4%), und 267 sonstige (16,5%). 97 Proben zeigten unspezifische Erhöhung (6%), 18 Proben auffällige Werte (1%).
Lediglich 3 Werte lagen im niedrig zweistelligen Bereich und stammen von Beschäftigten mit Nierenfunktionsstörung. Mittelwert und Median lagen bei Malern und Lackieren und Strukturmechanikern gleichermaßen unterhalb des BAR.
​​​

Schlussfolgerung / Diskussion

Die vorliegenden Ergebnisse korrelieren gut mit den Ergebnissen aus Vorsorge und Sonderaktionen bei Malern und Lackierern (2008 bis 2016) und den Messungen im Rahmen des REACH-IT Projektes zur Erlangung der befristeten Ausnahmegenehmigung (2017-2022) [1,2]. Durch die Ausweitung des Biomonitorings sind Akzeptanz und Bereitschaft zur Teilnahme gestiegen. Es hat sich als gutes Mittel zur individuellen Beratung bewährt. Biomonitoring hilft den Einzelnen angemessen zu sensibilisieren und unterstützt einen sachdienlichen Dialog. Die Ersatzstoffsuche läuft auf Hochtouren, bis die Flugzeugindustrie aber vollständig auf Chromat verzichten kann, wird es noch etwas dauern.

Referenzen

-      [1] VERORDNUNG (EC) No 1907/2006 DES EUROPAPARLAMENTS UND DES RATES vom 18 Dezember2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH)
-       [2] Herausforderungen für den europäischen Flugzeugbau durch die europäische REACH Verordnung. Olma et al.  Posterbeitrag DGAUM Jahrestagung JENA 2023
Frau Dr. Karin Olma
Airbus Operations GmbH, Hamburg
8
Hintergrund
Bei Mangan handelt es sich um ein lebensnotwendiges Spurenelement, welches bei erhöhter Aufnahme das Nervensystem schädigen kann. Beim Schweißen wird Mn als Bestandteil des Schweißrauchs emittiert und kann inhalativ in den Körper gelangen. Als Biomonitoring wird in der Regel der Gesamtgehalt von Mangan im Blut bestimmt. 2011 wurde der Arbeitsplatzgrenzwert auf 0,02 mg/m3 (A) abgesenkt. Aus dieser Luftkonzentration resultiert eine mittlere Mangankonzentration im Blut, die im Bereich der Hintergrundbelastung liegt. [1,2,3] Demnach fehlt für eine gesundheitsbasierte Beurteilung der inneren Belastung derzeit ein geeigneter Biomarker. In anderem Kontext konnte gezeigt werden, dass Mangan in Abhängigkeit von der Aufnahmemenge mit verschiedenen Serumbestandteilen Verbindungen eingeht.[4] Ziel der laufenden Studie ist es, zu ermitteln, ob die Untersuchung dieser Verbindungen für das Biomonitoring bei beruflicher Mn-Exposition geeignet ist.

Methode
Untersucht werden Beschäftigte, die schweißtechnischen Arbeiten ausführen. In mehreren Betrieben werden im Verlauf von acht Tagen an fünf definierten Zeitpunkten Blutproben genommen. Mittels Tandem-Massenspektrometrie mit induktiv gekoppelter Plasmaanregung (ICP-MS/MS) wird die Mn-Konzentration im Blut bestimmt. Außerdem werden die einzelnen Mn-Verbindungen im Serum mittels 2-dimensionaler online-heartcut-Größenausschlusschromatographie mit ICP-MS/MS-Detektion analysiert.

Ergebnisse
Bei den bislang untersuchten Probanden liegt die Mn-Konzentration im Blut unterhalb des Biologischen Arbeitsstoff-Referenzwerts von 15 µg/L. Im Verlauf der Arbeitswoche sind keine signifikanten Unterschiede festzustellen. Beim Vergleich von Vor- und Nachschichtproben eines Tages zeigen sich keine wesentlichen Veränderungen der Konzentrationen über die Schicht (geom. Mittel: 9,69 µg/L vs. 9,65 µg/L; 90. Perzentil: 14,1 µg/L vs. 14,2 µg/L).

Schlussfolgerung
Aktuelle Expositionen an typischen Schweißarbeitsplätzen werden in den Gesamtmangankonzentration im Blut nicht sichtbar. Für eine gesundheitsbasierte Beurteilung ist die Erforschung eines alternativen Biomarkers notwendig. In der aktuell laufenden Untersuchung der Mn-Verbindungen (z.B. Mn gebunden an a2-Makroglobulin, Transferrin und Citrat) soll ein entsprechender Marker gefunden werden.

Referenzen

[1] Bailey LA, Kerper LE, Goodman JE. (2018): Derivation of an occupational exposure level for manganese in welding fumes. In: Neurotoxicology 64, S. 166–176. DOI: 10.1016/j.neuro.2017.06.009 .
[2] Baker MG, Simpson CD, Stover B, Sheppard L, Checkoway H, Racette BA, et al. (2014): Blood Manganese as an Exposure Biomarker: State of the Evidence. In: Journal of Occupational and Environmental Hygiene 11 (4), S. 210–217. DOI: 10.1080/15459624.2013.852280 .
[3] BAT-Begründung “Mangan und seine anorganischen Verbindungen“, 11. Lieferung 2004 und 18. Lieferung 2011
[4] Michalke B, Aslanoglou L, Ochsenkühn-Petropoulou M, Bergström B, Berthele A, Vinceti M, et al. (2015): An approach for manganese biomonitoring using a manganese carrier switch in serum from transferrin to citrate at slightly elevated manganese concentration. In: Journal of Trace Elements in Medicine and Biology 32, S. 145–154. DOI: 10.1016/j.jtemb.2015.07.006 .
Herr Johannes Fischer
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
9
Einleitung: Beim Kalken von Ställen sind die Beschäftigten inhalativ sowie dermal gegen die ausgebrachte Kalkmilch exponiert. Da für die Expositionsbewertung bislang Messdaten zur aktuellen dermalen Exposition fehlen, sollen diese sowohl für die Sprüh- als auch für die Streichanwendung erhoben werden. Ziel der Arbeit waren die Entwicklung eines validen Messverfahrens für ein dermales Expositionsmonitoring unter Verwendung von Calcium als Messparameter und erste Messungen im Feld.
Methode: Polyester/Zellulose-Material (Sontara®MicroPure 100-Wischtücher) wurde zur repräsentativen Erfassung der dermalen Belastung genutzt. Zum einen wurde das Material als Patches (10 × 10 cm) unter der Arbeitskleidung auf der Haut fixiert (n = 12), zum anderen als Wischtücher zum Abwischen der Haut (Hände, Stirn) verwendet. Nach Extraktion des Probensammlermaterials mit 1%-iger Salpetersäure wurde der Calciumgehalt in den Extrakten mittels ICP-MS unter Verwendung von Rhodium als internem Standard quantifiziert. In einer ersten Feldstudie wurden zwei Beschäftigte beprobt und die beruflich bedingte dermale Calciumbelastung erfasst.
Ergebnisse: Das Probensammlermaterial wies einen relativ konstanten Calciumgehalt von 1,43 ± 0,02 µg/cm² auf, der von den Messwerten abgezogen wurde. Eine Kontamination der Patches durch transdermale Calciumausscheidung mit dem Schweiß wurde durch Alukaschierung unterbunden. Dotiertes Calcium ließ sich vollständig und reproduzierbar von dem Probensammlermaterial extrahieren: bei Dotierung mit 5 µg bzw. 10 µg Ca/cm² lag die Wiederfindung nahe 100 %, bei 0,5 µg Ca/cm² ergab sich ein leichter Überbefund (118 %). Die Bestimmungsgrenze wurde nach DIN 32645 zu 1 mg/l bestimmt (n = 3). Der Arbeitsbereich war bis 200 mg/l linear. Präzisionsdaten wurden unter Verwendung unterschiedlicher Analytkonzentrationen (15 mg/l, 75 mg/l sowie 150 mg/l) erhoben. Die Präzision in Serie lag bei allen Konzentrationen unter 2 %, die Präzision von Tag zu Tag unter 3 %.
Die in einer ersten Feldstudie bestimmte Calciumbelastung der Beschäftigten lag sowohl für das Sprühen als auch für das Streichen der Kalkmilch deutlich unter dem für die dermale Exposition theoretisch erlaubten Upper Intake-Level.
Schlussfolgerungen: Das entwickelte Probenahme- und Analyseverfahren erlaubt die zuverlässige und reproduzierbare Bestimmung der aktuellen dermale Calciumbelastung von Beschäftigten bei beruflichem Umgang mit Kalkprodukten. Erste Messungen an Beschäftigten unter Verwendung des validierten Verfahrens sind erfolgreich durchgeführt worden.

Frau Dr. Anja Schäferhenrich
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
10

Einleitung

Zur Früherkennung von Lungenkrebs bietet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung ihren ehemals asbeststaubexponierten Versicherten im Rahmen der nachgehenden Vorsorge unter bestimmten Voraussetzungen ein erweitertes Vorsorgeangebot mittels Low-dose-high-resolution computertomography (LD-HRCT bzw. Niedrigdosis-CT) an. Die Teilnahme ist freiwillig, jedoch an eine vorhergehende ärztliche Beratung gebunden. Eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe (EH) kann über die bereits vorhandenen Informationsmaterialien hinaus dazu beitragen, Teilnehmende im Vorfeld der ärztlichen Beratung über alle relevanten Aspekte des Angebots zu informieren und somit das ärztliche Beratungsgespräch zu unterstützen.

Methoden

Auf Basis von Literatur- und Methodenrecherchen wurde im Rahmen des Forschungsvorhabens EVALUNG eine evidenzbasierte EH als Informationsgrundlage für das erweiterte Vorsorgeangebot entwickelt. Die Darstellung von Nutzen und Risken des Niedrigdosis-CT standen dabei im Vordergrund. Die Grundlage der Evidenz bildet der Cochrane Review von Bonney et al. [1]. Anschließend wurden qualitative Interviews zur Bewertung von Verständlichkeit und Informationsgehalt der EH mit Teilnehmenden des Angebots durchgeführt.

Ergebnisse

13 Männer zwischen 55 und 78 Jahren haben an den Interviews teilgenommen. Die EH wurde überwiegend gut verstanden und der Umfang von den meisten Befragten als angemessen bewertet. Den Informationsmehrwert schätzten die Befragten für Erstteilnehmende des Angebots höher ein als für wiederholt Teilnehmende. Insbesondere die Darstellung von Statistiken wurde von einigen Personen als hilfreich hervorgehoben, da diese Informationen zuvor nicht vorlagen. Auf der anderen Seite bereitete einigen Befragten die Grafik zum möglichen Nutzen Probleme. Gleichzeitig zeichnete sich eine Missdeutung der „Niedrigdosis“ ab: mehrere Befragte beschrieben die Strahlung des Niedrigdosis-CT als geringer als die einer Röntgen-Thoraxaufnahme. Insgesamt ist das Vertrauen in die ärztliche Empfehlung unter den Teilnehmenden groß, die schriftliche Entscheidungshilfe wird jedoch als eine sinnvolle Ergänzung gesehen, um sich mit der Thematik im Vorfeld auseinanderzusetzen.

Schlussfolgerung / Diskussion

Die evidenzbasierte Entscheidungshilfe kann als Unterstützung für das ärztliche Beratungsgespräch im Sinne eines Shared-Decision-Making Prozesses dienen, da Teilnehmende mit mehr Informationen oder konkreten Fragen zum LD-HRCT in die Beratung gehen können. Basierend auf den Interviews sind aber Anpassungen in der EH vorzunehmen.

Referenzen

[1] Bonney A, Malouf R, Marchal C, Manners D, Fong KM, Marshall HM, Irving LB, & Manser R. (2022). Impact of low-dose computed tomography (LDCT) screening on lung cancer-related mortality. The Cochrane database of systematic reviews, 8(8), CD013829. https://doi.org/10.1002/14651858.CD013829.pub2
Frau Helena Keller
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg
11
Beim Humanbiomonitoring gesundheitsschädlicher Substanzen wird eine quantitative Bestimmung der Arbeitsstoffe selbst, ihrer Stoffwechselprodukte oder von Beanspruchungsparametern in biologischem Material durchgeführt.
Die Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe legte nach Prüfung und unter Einbeziehung anderer Guidelines für Biomonitoring im Expert Judgement Anforderungen an geeignete Humanbiomonitoringparameter u. a. hinsichtlich der Merkmale Spezifität, Sensitivität, intraindividueller Variabilität, Kinetik, Probenahmezeit, präanalytischer Kriterien und zuverlässiger analytischer Bestimmung fest.
Anhand von Humanbiomonitoringparametern, die diesen Anforderungen genügen, werden Beurteilungswerte in biologischem Material abgeleitet, mit denen im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge eine arbeitsmedizinisch-toxikologische Beurteilung der beruflichen Exposition gegenüber Gefahrstoffen beurteilt werden kann. Insbesondere bei hautresorbierbaren Arbeitsstoffen ermöglicht nur das Biomonitoring eine Erfassung der individuellen inneren Exposition.
Mit dem hier vorgestellten Kriterienkatalog liegt nunmehr erstmals ein Praxis-orientierter Leitfaden für die Beurteilung und Auswahl von Biomonitoringparametern zur Verfügung, die im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge eingesetzt werden sollten.

Frau PD Dr. med. Wobbeke Weistenhöfer
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
12
Einleitung: Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material und kommen als Gemische von bis zu 100 Einzelkomponenten vor. Von den 17 von der Ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) als kanzerogen (Kategorie 2) und zum Teil als keimzellmutagen (Kategorie 2, 3A bzw. 3B) eingestuften PAH dient Benzo[a]pyren (B[a]P) als Leitsubstanz bei einer Exposition gegen kanzerogene PAH-Gemische. Für ein risikobezogenes Biomonitoring nach pulmonaler, transdermaler oder gastrointestinaler Resorption bietet sich die Bestimmung des B[a]P-Metaboliten 3‑Hydroxybenzo[a]pyren (3‑OH‑B[a]P) an.
Methoden: Zur Aufstellung von Expositionsäquivalenten für krebserzeugende Arbeitsstoffe (EKA) durch die Arbeitsgruppe „Beurteilungswerte in biologischem Material“ (AG BAT-Werte) der MAK-Kommission wurden wissenschaftliche Studien zur Ausscheidung von 3-OH-B[a]P im Urin nach beruflicher B[a]P-Exposition ausgewertet. Eine Analysenmethode zur Bestimmung von 3-OH-B[a]P im Urin mittels LC-MS/MS wurde in der Arbeitsgruppe „Analysen in biologischem Material“ (AG Biomonitoring) der MAK-Kommission geprüft, verifiziert und publiziert.
Ergebnisse: Die AG BAT-Werte leitete EKA für Konzentrationen von 0,07–1,5 µg B[a]P/m3 in der Luft und 0,7–7 ng 3-OH‑B[a]P (nach Hydrolyse)/g Kreatinin in Urin ab. Diese EKA stellen anhand von 3‑OH‑B[a]P in Urin dar, welche innere Exposition bei ausschließlich inhalativer Stoffaufnahme zu erwarten ist. Die von der AG Biomonitoring validierte Analysenmethode zeichnet sich durch eine hohe Spezifität und Sensitivität aus. Mit einer Bestimmungsgrenze von 50 pg/l ist auch die Bestimmung von 3‑OH‑B[a]P in 50–60 % der Urinproben der beruflich nicht-belasteten Allgemeinbevölkerung möglich. Wichtige Charakteristika der Methode sind die Verwendung glucuronidierter Standards, der Zusatz von Ascorbinsäure als Antioxidans sowie die Überführung des Analyten in ein sensitiv detektierbares Derivat.
Schlussfolgerungen: Die kohärente Arbeitsweise der Arbeitsgruppen der MAK-Kommission hat sowohl eine Bewertungsgrundlage für B[a]P‑bezogene Biomonitoring-Ergebnisse als auch eine dafür benötigte sensitive Analysenmethode geschaffen. Auf dieser Grundlage wäre ein risikobezogenes Biomonitoring gemäß TRGS 910 zum Schutz PAH-exponierter Beschäftigter möglich.
Frau Dr. Anja Schäferhenrich
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
13
Einleitung: Die Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (MAK-Kommission) bewertet Gefahrstoffe und leitet Grenzwerte in der Luft und in biologischem Material zum Schutz exponierter Beschäftigter am Arbeitsplatz ab. Für die Lösungsmittelzusätze 2-Methoxyethanol, 2‑Methoxyethylacetat, Methoxyessigsäure, Diethylenglykoldimethylether und Diethylenglykolmonomethylether gilt ein Biologischer Arbeitsstoff‐Toleranz‐Wert (BAT-Wert) von 15 mg Methoxyessigsäure/g Kreatinin. Jedoch ist eine fruchtschädigende Wirkung bei Exposition in Höhe des BAT‐Wertes nicht auszuschließen (Schwangerschaftsgruppe B). Daher stellt sich die Frage, bei welcher inneren Belastung eine fruchtschädigende Wirkung nicht zu erwarten ist; dies entspricht einem Hinweis in der MAK- und BAT‐Werte‐Liste mit der Fußnote „Hinweis auf Voraussetzung für Gruppe C siehe Begründung“.
Methoden: Es wurden zahlreiche Entwicklungstoxizitätsstudien nach Exposition gegen 2-Methoxyethanol, Diethylenglykoldimethylether und Diethylenglykolmonomethylether an verschiedenen Tierspezies sowie Daten zur Toxikokinetik bei Mensch und Tier ausgewertet.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die Wirkung aller oben genannten Stoffe wird über den Metaboliten Methoxyessigsäure vermittelt. Die kritischen entwicklungstoxischen Effekte sind teratogene Effekte, die Skelett sowie innere Organe betreffen, wobei Fehlbildungen von Rippen und Wirbelkörpern sowie kardiovaskuläre Fehlbildungen im Vordergrund stehen. Bei höheren Dosierungen kommt es zum intrauterinen Tod der Embryos/Feten.
Für die Situation am Arbeitsplatz sind die Inhalationsstudien am relevantesten. Daher werden die NOAEC für Entwicklungstoxizität bei der Ratte von 10 ml 2-Methoxyethanol/m3 und beim Kaninchen von 3 ml 2-Methoxyethanol/m3 als Ausgangspunkt für die Ableitung einer Konzentration ohne entwicklungstoxische Effekte verwendet. Auf der Basis dieser tierexperimentellen Daten lässt sich mittels toxikokinetischer Überlegungen und Berechnungen aus einer Probandenstudie ableiten, dass für den Menschen bis zu einer Urinkonzentration von 2,5 mg Methoxyessigsäure/g Kreatinin eine fruchtschädigende Wirkung nicht anzunehmen ist. In der MAK- und BAT‐Werte‐Liste wird auf diesen Wert mit der Fußnote „Hinweis auf Voraussetzung für Gruppe C siehe Begründung“ hingewiesen.
Frau Dr. rer. nat. Sandra Michaelsen
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)Abteilung Lebensmittelchemie und ToxikologieInstitut für Angewandte BiowissenschaftenKaiserstr. 1276131 Karlsruhe, Karlsruhe
Do
14 Mär
11:30 - 12:30
Posterausstellung
Körperliche Belastung
Beiträge:
1

Einleitung

Ziel der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) [1] ist es, arbeitsbedingte Erkrankungen einschließlich Berufskrankheiten durch Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge frühzeitig zu erkennen und zu verhüten. Arbeitsmedizinische Regeln (AMR) konkretisierten die Anforderungen der ArbMedVV. Die AMR Nr. 13.2 konkretisiert die Anforderungen für „Tätigkeiten mit wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen mit Gesundheitsgefährdungen für das Muskel-Skelett-System“ und wurde im Februar 2022 aktualisiert. Die Aktualisierung erfolgte, weil die ursprüngliche Fassung nicht mehr den Stand der arbeitswissenschaftlichen und arbeitsmedizinischen Forschung berücksichtigte, da zwischenzeitlich das Konzept der Belastungsarten und der mehrstufigen Gefährdungsanalyse physischer Belastungen am Arbeitsplatz (MEGAPHYS) seitens der BAuA und DGUV veröffentlicht worden ist [2]. In diesem Beitrag wird analysiert, inwiefern auf die in der AMR 13.2 verwiesenen Methoden, Verfahren oder Bewertungsansätze geeignet sind, die Notwendigkeit der arbeitsmedizinischen Vorsorge zu ermitteln.

Methoden

Alle 47 Beurteilungsverfahren, auf die in der AMR 13.2 indirekt verwiesen wird und im direkten oder weiteren Zusammenhang von MEGAPHYS stehen, wurden insbesondere auf Basis der MEGAPHYS-Forschungsberichte [3, 4] und / oder weiterer Begleitdokumente dieser Beurteilungsverfahren systematisch analysiert. Betrachtet wurde hierbei
a) die Zuordnung zu den in MEGAPHYS gemeinsam definierten Belastungsarten,
b) die Zuordnung zu dem in MEGAPHYS gemeinsam definierten Risikokonzept und
c) die Prüfung auf die wesentlichen, wissenschaftlichen Gütekriterien für Beurteilungsverfahren.

Ergebnisse

Eine eineindeutige Zuordnung der Beurteilungsverfahren zu den sechs Belastungsarten kann in 12 von 47 Beurteilungsverfahren nachvollzogen werden. Das gemeinsame Risikokonzept ist in 6 der 47 Beurteilungsverfahren eingesetzt worden. Die Prüfung der Konvergenzvalidität liegt für 8 von 47 Beurteilungsverfahren vor. Die Prüfung auf Kriteriumsvalidität, Inter- und Intra-Rater Reliabilität sowie Objektivität wurde in 6 von 47 Beurteilungsverfahren durchgeführt.

Schlussfolgerung / Diskussion

Die Feststellung der Erforderlichkeit von arbeitsmedizinischer Vorsorge ist eine herausfordernde Aufgabe. Die Auswahl der dazu verwendeten Beurteilungsverfahren sollte sorgfältig erfolgen. Die hier betrachteten Aspekte und dessen Ergebnisse können eine Hilfestellung für diese Auswahl leisten.

Referenzen

[1]
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) vom 18. Dezember 2008
(BGBl. I S. 2768), zuletzt geändert am 12. Juli 2019 (BGBl. I S. 1082)
[2] AMR 13.2:
Tätigkeiten mit wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen mit Gesundheitsgefährdungen
für das Muskel-Skelett-System. Arbeitsmedizinische Regel. GMBl Nr. 7 vom 25.
Februar 2022, S. 154-160
[3] MEGAPHYS – Mehrstufige
Gefährdungsanalyse physischer Belastungen am Arbeitsplatz. Band 1. F 2333.
Hrsg.: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2019
[4] MEGAPHYS:  Mehrstufige Gefährdungsanalyse physischer Belastungen am Arbeitsplatz (DGUV
Report 3/2020). Abschlussbericht zum Kooperationsprojekt von BAuA und DGUV –
Band 2. Hrsg.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V., Berlin 2020
Herr Prof. Dr.-Ing. André Klußmann
Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) HamburgFakultät Life Sciences / Department Gesundheitswissenschaften / Professur Arbeitswissenschaft, Hamburg
2


Einleitung: Ziel des Beitrags ist es, die Assoziation zwischen dem Tätigkeitsbereich und chronischen Rücken- und Gelenkschmerzen bei Mitarbeitenden eines Großunternehmens der chemischen Industrie zu untersuchen.
​​​​​Methoden: Es werden Querschnittsdaten verwendet, die im Zeitraum von 2019 bis 2022 bei einem freiwilligen Gesundheits-Check-Up für Mitarbeitende am Hauptstandort des Unternehmens in Ludwigshafen erhoben wurden. Der Check-Up beinhaltet u.a. die Beantwortung eines schriftlichen Fragebogens zum Bewegungsapparat, wobei länger als drei Monate anhaltende Rücken- oder Gelenkschmerzen innerhalb der letzten 12 Monate vor Teilnahme als chronisch definiert werden. Als Tätigkeitsbereiche wurden „Büro“, „Forschung/Labor“, „Produktion/Handwerk“ und „Sonstige“ erfragt. Die Assoziation zwischen Tätigkeitsbereich und chronischen Schmerzen wurde mittels modifizierter Poisson Regression analysiert, mit dem Prevalence Ratio als Effektmaß.
Ergebnisse: Die finale Stichprobe umfasst 12.503 Mitarbeitende, welche durchschnittlich 42 Jahre alt und überwiegend männlich (81%) waren. Die 12-Monatsprävalenz chronischer Schmerzen lag insgesamt bei 13%, wobei sich zunächst geringe Unterschiede zwischen den Tätigkeitsbereichen Büro (15%), Forschung/Labor (14%) und Produktion/Handwerk (11%) zeigten. Bei Mitarbeitenden mit chronischen Schmerzen (n=1.614) waren die Schultern am häufigsten (40%) und der Rücken am seltensten (2%) von Schmerzen betroffen. Insgesamt lag die durchschnittliche Schmerzstärke (0-10) bei 5 Punkten. Als Ursache für chronische Schmerzen nannten die betroffenen Mitarbeitenden u.a. körperliche (36%) und seelische (13%) Belastung bei der Arbeit. Die Ergebnisse der Poisson Regression zeigten, dass, adjustiert für u.a. Alter und Geschlecht, Mitarbeitende aus dem Bereich Forschung/Labor und Produktion/Handwerk eine signifikant niedrigere Prävalenz für chronische Rücken- und Gelenkschmerzen aufweisen als Mitarbeitende im Büro.
Diskussion: Mehr als jeder achte Teilnehmende ist von chronischen Rücken- oder Gelenkschmerzen betroffen, wobei Büromitarbeitende etwas häufiger betroffen zu sein scheinen. Da Erwerbstätige einen Großteil ihres Tages bei der Arbeit verbringen, ist es sinnvoll, das arbeitsplatzbezogene Präventionspotential zu erkennen, um berufsbedingte chronische Schmerzen zu reduzieren. Zielgerichtete, bedarfsorientierte ergonomische Angebote im Anschluss an den Gesundheits-Check-Up können dabei unterstützen.

Frau Bärbel Holzwarth
Corporate Health Management, BASF SE, Ludwigshafen am Rhein
3
Hintergrund und Zielsetzungen: Gegenwärtig prüft der Ärztliche Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten die Empfehlung für eine mögliche neue Berufskrankheit (Vorprüfung) „Arthrose (Hand- u. Fingergelenke) durch Kraftaufwendung, repetitive Tätigkeiten und Stoßbelastungen“ [1]. Im Gegensatz zu Hüft- und Kniegelenksarthrosen sind Arthrosen der Hand- und Fingergelenke und speziell des Daumensattelgelenks bislang erst selten in einem Zusammenhang mit einer langjährigen beruflich bedingten Überlastung gesehen worden. Wir berichten über einen 70-jährigen Patienten mit einer Daumensattelgelenksarthrose, verbunden mit arthrotischen Veränderungen im Bereich des Os naviculare sowie des Os multangulum majus.
Der Betroffene verwendete im Rahmen seiner ärztlichen, insbesondere gutachterlichen Tätigkeit, im Zeitraum 1986-2021 ein Diktiergerät mit Schiebeschalter eines bekannten Herstellers, bei welchem er den Schiebeschalter täglich hunderte Mal positionieren musste. Hieraus resultierte eine täglich jeweils ca. 6-stündige repetitive Belastung des rechten Daumensattelgelenks. Der Betroffene ist Rechtshänder. Eine besondere berufliche Belastung der linken Hand lag nicht vor. Erste Beschwerden im Bereich der rechten Hand traten im Alter von 59 Jahren mit belastungsabhängiger Intensität auf. Die linke Hand ist völlig beschwerdefrei.
Diagnostik, Therapie und Verlauf: Zunächst ergab sich der klinische Verdacht einer Daumensattelgelenksarthrose. Bei zunehmenden Beschwerden im Verlauf der Folgejahre wurde im Alter von 68 Jahren eine Röntgendiagnostik des rechten Daumens mit Handwurzel durchgeführt, die signifikante Zeichen einer Daumensattelgelenksarthrose im Zusammenhang mit einer distalen Interkarpalarthrose zwischen dem Os naviculare sowie dem Os multangulum majus ergab. Die Therapie erfolgt seit vielen Jahren mit topischen Antiphlogistika, bei Bedarf der Einnahme von Ibuprofen, Kühlung und Schonung. Eine Operationsindikation ergibt sich noch nicht.
Seit dem 68. Lebensjahr hat der Betroffene seine Diktiertätigkeit nicht zuletzt wegen zunehmender Schmerzen auf ein Spracherkennungssystem umgestellt. Eine BK Anzeige wurde bislang nicht erstattet.
Schlussfolgerung: Infolge der langjährigen Verwendung eines Diktiergerätes mit der Notwendigkeit, täglich hunderte von Schiebebewegungen durchzuführen, kam es zu einer dauerhaften und repetitiven Belastung des Daumensattelgelenks mit der Folge, dass zwischenzeitlich eine Daumensattelgelenksarthrose eingetreten ist.

Referenzen

[1] BMAS Bundesministerium für Arbeit und Soziales - Ärztlicher
Sachverständigenbeirat (2023) https://www.bmas.de/DE/Soziales/Gesetzliche-Unfallversicherung/Aerztlicher-Sachverstaendigenbeirat/aerztliche-sachverstaendigenbeirat.html
Herr Dipl.-Chem. Dr. med. Hans-Martin Prager
4
Einleitung: Die Berufsausbildung im professionellen Bühnentanz und der Artistik sind mit einem langjährigen intensiven spezifischen Training verbunden. Belastungen der Wirbelsäule werden dabei mit muskuloskelettalen Verletzungen in Verbindung gebracht. Diese Studie untersucht die dorsale Oberkörperstatik in verschiedenen Körperpositionen, um haltungsspezifische Merkmale zu identifizieren, die zur Entwicklung präventiver Maßnahmen beitragen können.
Methoden: In einer Querschnittstudie nahmen n=48 Studierende aus dem Bühnentanz (m=7; w=19) und der Artistik (m=5; w=17) im Alter zwischen 13 und 19 Jahren teil. Mit einer Videorasterstereographie (ABW-Rückenscanner) wurden 17 Analyseparameter für den Schuler-, Wirbelsäulen -und Beckenbereich in der Neutralposition sowie 5 tanz- bzw. sportartspezifischen Körperhaltungen vermessen. Ein Fragebogen wurde verwendet, um den Zusammenhang zwischen der dorsalen Oberkörperstatik und Lendenwirbelsäulenbeschwerden zu ermitteln. Die inferenzstatistische Analyse umfasste nur weibliche Studierende (n= 36) und beinhaltete t-Tests, ANOVA, eine binäre logistische Regression und eine Korrelationsanalyse.

Ergebnisse: In der Neutralposition zeigten Bühnentänzerinnen einen geringeren lumbalen Biegungswinkel (10.33° ± 4.46) als Artistinnen (14.48° ± 3.56) (p= .05). Die Einnahmen bühnentanzspezifischer Haltungen führten zu einer reduzierten thorakalen Biegung um circa 4° (p=0.001 - 0.004). Bei den Artistinnen konnte ebenfalls ein um 2° reduzierter Winkel zwischen der Neutralhaltung und der Elevation der Arme festgestellt werden (p= 0.003). Keiner der Analyseparameter korrelierte mit dem Auftreten von Beschwerden in der Lendenwirbelsäule.

Schlussfolgerung/Diskussion: Die Ergebnisse in der Neutralposition deuten auf mögliche morphologische Unterschiede hin. Es kann dabei von einer Aufrichtung des Oberkörpers hinsichtlich einer flacheren Wirbelsäule in der lumbalen Biegung bei den Bühnentänzerinnen ausgegangen werden. Interessanterweise ist bei Ballettstudierenden auch eine verstärkte Lordosierung mit Hyperextension anzutreffen. Dies spiegelt sich jedoch nicht in den tanz bzw. sportartspezifischen Körperhaltungen wider. Dort findet weiterhin eine Aufrichtung im thorakalen Bereich statt. Ein Vergleich mit Normwerten von Ohlendorf et al. (2023) zeigte keine starken Abweichungen zeigen. Weitere Untersuchungen sollten folgen.
Frau Sabrina Liedtke
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt/M
5
Einleitung:
Staubsaugen ist nicht nur bei professionellen Reinigungskräften, sondern auch in privaten Haushalten eine häufig durchgeführte Tätigkeit. Dabei wird Staubsaugen mit vermehrten Muskel-Skelett-Beschwerden assoziiert. Ziel dieser Studie war es, die Bewegungen der oberen Extremität und des Rumpfs beim gewohnheitsmäßigen Staubsaugen zu quantifizieren.

Methoden:
Für diese Untersuchung wurden 31 (21w/10m) subjektiv gesunde Erwachsene mit einem durchschnittlichen Alter von 33,4 ± 10,7 Jahren, einer Größe von 172,8 ± 9,4 cm und einem Gewicht von 66,9 ± 13,9 kg eingeschlossen, die nicht hauptberuflich als Reinigungskraft tätig waren. Ihre Körperhaltung wurde mittels eines inertial motion capture Messsystems (Xsens) beim habituellen Staubsaugen auf PVC-Boden aufgezeichnet. Es wurde eine kinematische Analyse der relevanten Gelenke für jeweils vier Hand- und vier Standstaubsauger für einarmiges Saugen durchgeführt. Dabei wurden die kinematischen Daten über die acht Staubsaugermodelle gemittelt. Insgesamt wurden 12 Saugzyklen ohne Distanzvorgaben aufgezeichnet und auf 100 Schritte Zeitnormalisiert.

Ergebnisse
Insgesamt zeigte das Bewegungsprofil starke Rotationsbewegungen in Hals, Rumpf und Hüften mit vergleichsweise geringen Bewegungen in der Sagittalebene. Dagegen waren in der oberen rechten Extremität starke Veränderungen in der Sagittalebene in Schulter, Ellenbogen und Handgelenk erkennbar. Die Kopfgelenke, Halswirbelsäule und die rechte Hüfte rotierten zeitlich, während der Rumpf und die linke Hüfte entgegen rotierten. Die Streuung der Gelenkwinkel war in der oberen Extremität deutlich höher als in Rumpf und Hüfte.

Diskussion
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Generalisierung eines Bewegungsprofils für den Rumpf aufgrund der relativen Homogenität möglich ist. Im Gegensatz dazu ist die Variabilität in der oberen Extremität für eine Generalisierung zu hoch. Das dargestellte Bewegungsprofil stellt eher ein Komfortbereich des Staubsaugens dar, der als Referenz für die Ergonomie beim Staubsaugen dienen kann. In zukünftigen Untersuchung sollen mittels ergonomischer Gefährdungsbeurteilung Bewegungen, Positionen oder Gelenke der oberen Extremität identifiziert werden, die Muskel-Skelett-Erkrankungen begünstigen oder davon betroffen sind.

Herr Fabian Holzgreve
Goethe Universität Frankfurt, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Frankfurt/M
6
Für eine effektive und effiziente Gesundheitsförderung ist es notwendig, die Gesundheit und die berufsspezifischen Belastungen von Auszubildenden zu erfassen, um daraus zielgruppenspezifische Handlungsfelder abzuleiten.

Im Rahmen einer Studie zum Gesundheitszustand, zum Gesundheitsverhalten und den Belastungen von Auszubildenden der grünen Berufe wurden auch 1316 angehende Landwirte (19,1 Jahre, 82% Männer, 18% Frauen) befragt. Folgende standardisierte Befragungsinstrumente wurden eingesetzt: Azubi-Gesundheitsfragebogen, WHO-5 Wellbeing Scale (WHO 5), Pittsburgh Sleep Qualitity Index (PSQI).

Mehr als 3/4 der Auszubildenden bewerten ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut (81 %). Häufigste gesundheitliche Beschwerden in den letzten 12 Monaten waren Atemwegserkrankungen (57%), Rückenschmerzen (39%) und Kopfschmerzen (34%).
Laut Body-Mass-Index gelten 12% der Auszubildenden als adipös und 3% als untergewichtig.
Nach dem WHO-5-Index ist bei 20% der Auszubildenden das Wohlbefinden beeinträchtigt. Wichtigster Einflussfaktor auf das Wohlbefinden ist dabei der Schlaf: Nur 35% fühlten sich am Morgen frisch und ausgeruht. Laut dem PSQI ist die Schlafqualität bei jedem Vierten beeinträchtigt (schlechte Schlafqualität: 25%, gestörter Schlaf: 2%).
90% benötigen morgens einen Wecker zum Aufwachen. Die unterbrochene Erholung führt zu einer erhöhten Tagesmüdigkeit, was die Wahrscheinlichkeit von Unfällen steigert. 36% berichten von Sekundenschlafepisoden beim Autofahren.
Jeder fünfte Landwirt raucht (21%). Allerdings sind mehr als 2/3 der Rauchenden bereit ihr Rauchverhalten (67%) zu ändern. 44% trinken dreimal oder häufiger pro Woche Alkohol. 64% haben Erfahrungen mit Cannabis.
68% müssen bei der Arbeit häufig schwer Heben und Tragen, 30% fühlen sich dadurch sehr belastet. Häufig vorkommendes, als belastend empfundenes, Heben und Tragen schwerer Lasten, gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Rückenschmerzen.
Hohe Zufriedenheitswerte mit der Arbeit, den Ausbildern, den Kollegen und dem Betriebsklima sind allgemein als gesundheitsfördernd zu bewerten.

Bei angehenden Landwirten finden sich bereits verschiedene gesundheitliche Defizite und Probleme. Wichtige Handlungsfelder zur Gesundheitsförderung sind: Rückengesundheit, Suchtprävention und Schlafhygiene.
Herr Prof. Dr. Manfred Betz
Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen
7
Erzieher*innen sind bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Ständiges Sprechen in lauter Umgebung kann die Stimme der Erzieherinnen beanspruchen und sog. ponogene Dysphonien (Syn.: Stimmstörungen) hervorrufen. Ziel der Studie ist es zu untersuchen, inwieweit bei Erzieherinnen ein auffälliger Dysphonie-Schweregrad-Index (DSI < 4,2) vorliegt. Im Weiteren wurden Faktoren detektiert, die als mögliche Ursache für die Entstehung von Dysphonien bei Erzieherinnen diskutiert werden können.
An der Studie nahmen 80 gesunde Erzieherinnen (Alter: 43,4 ± 12,1 Jahre) aus Kindertagesstätten Magdeburgs und Umgebung freiwillig teil. Zur Feststellung einer Stimmstörung wurde der Dysphonie-Schweregrad-Index (DSI) nach Wuyts et al. berechnet. Die Stimmanalyse erfolgte mit der Software DiVAS V2.8 Modul Basis (XION GmbH, Berlin). Zusätzlich füllten die Erzieherinnen Fragebögen zu berufs- und personenbezogenen Daten aus. Die Irritationsskala nach Mohr et al. (2005) diente der Erfassung psychischer Beanspruchung.
Bei 33 (41,2 %) Erzieherinnen zeigte sich kein auffälliger DSI (5,5 ± 0,9). Bei 47 (58,8 %) Erzieherinnen wurde ein auffälliger DSI (2,98 ± 0,9) festgestellt. Hinsichtlich Alter, Dauer der Berufstätigkeit und anderen Lebensstilfaktoren, wie z. B. Rauchen, Trinkmenge pro Tag sowie Sprechdauer am Tag unterschieden sich die Gruppen nicht. Erzieherinnen mit auffälligem DSI betreuten jedoch häufiger große Gruppen mit mehr als 20 Kindern und arbeiteten häufiger in Vollzeit (p < 0,05) als Erzieherinnen mit unauffälligem DSI.
Die psychische Beanspruchung war in beiden Gruppen gleich ausgeprägt. Erzieherinnen mit unauffälligem DSI (> 4,2) wiesen 21 % unterdurchschnittliche und 64 % durchschnittliche Stanine-Werte auf gegenüber 20 % unterdurchschnittliche und 54 % durchschnittliche Stanine-Werte bei Erzieherinnen mit einem DSI < 4,2. Lediglich 15 % der Erzieherinnen mit DSI > 4,2 bzw. 26 % Erzieherinnen mit DSI < 4,2 lagen im überdurchschnittlichen Bereich der psychischen Beanspruchung (p = 0,502).
Bei mehr als der Hälfte der eigentlich gesunden Erzieherinnen lag bereits ein auffälliger DSI vor. Bei Erzieherinnen sollte deshalb bereits in der Ausbildung das Thema Stimmhygiene und Stimmbildung eine wesentliche Rolle für die stimmliche Gesunderhaltung in diesem sprechintensiven Beruf spielen. Denn Erzieherinnen müssen auf ihre Stimme sensibilisiert und stimmlich vorbreitet sein, damit sie möglichst lange gesund im Beruf arbeiten können.
Frau Katarina Berkhauer
Bereich Arbeitsmedizin, Medizinische Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg
8
Erzieher*innen sind bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Ein möglicher Belastungsfaktor, der im Arbeitsalltag eine maßgebliche Rolle spielt, ist berufsbedingter Umgebungslärm, der sich u.a. negativ auf die Stimme der Beschäftigten auswirken kann. Eine kranke Stimme kann durch eine eingeschränkte stimmliche Belastbarkeit gekennzeichnet sein. Sie schränkt die wiederum die Berufsausübung stark ein. Ziel der Studie ist es zu untersuchen, inwieweit sich die stimmliche Belastbarkeit bei Erzieherinnen mit auffälligem Dysphonie-Schweregrad-Index (< 4,2) von Erzieherinnen mit normalem DSI unterscheidet.

An der Studie nahmen 80 Erzieherinnen (Alter: 43,4 ± 12,1 Jahre) aus Kindertagesstätten Magdeburgs und Umgebung freiwillig teil, die sich selbst als stimmgesund einschätzten. Zur Feststellung einer unerkannten Stimmstörung wurde der DSI nach Wuyts et al. berechnet und nach Nawka et al. (2006) klassifiziert. Für die Erfassung der Belastbarkeit der Stimme wurde ein 10-minütiger Stimmbelastungstest (Wechseltest in Anlehnung an Seidner) durchgeführt. Die Stimmanalyse erfolgte mit der Software DiVAS V2.8 Modul Basis (XION GmbH, Berlin). Auf einer Skala von 0 (keine Anstrengung) bis 10 (maximale Anstrengung) wurde im Anschluss an den Belastungstest das subjektive Anstrengungsempfinden erhoben.
​​​​
Bei 33 (41,2 %) Erzieherinnen lag ein normaler DSI (5,5 ± 0,9) vor. Bei 47 (58,8 %) Erzieherinnen wurde ein auffälliger DSI (2,98 ± 0,9) festgestellt. Hinsichtlich Alter, Dauer der Berufstätigkeit und anderen Faktoren, wie z. B. Rauchen, unterschieden sich die Gruppen nicht. Im Stimmbelastungstest wiesen Erzieherinnen mit unauffälligem DSI bessere Leistungen auf. Sie erzielten einen mittleren Schalldruckpegel von 79,7 ± 1,02 dB(A), wogegen Erzieherinnen mit auffälligem DSI nur einen Pegel von 79,1 ± 1,1 dB(A) (p < 0,05). Erzieherinnen mit unauffälligem DSI unterschritten den geforderten Schalldruckpegel während des Stimmbelastungstest zu 2,5 ± 4,7 %, Erzieherinnen mit auffälligem DSI dagegen zu 5,6 ± 7,9 % (p < 0,05). Die Belastung empfanden beide Gruppen gleich anstrengend.

Bei mehr als der Hälfte der eigentlich gesunden Erzieherinnen wurde ein auffälliger DSI festgestellt. Deshalb müssen Erzieherinnen frühzeitig für ihre Stimme und die Bedeutung von Stimmhygiene sensibilisiert werden, insbesondere für die Auswirkungen des Sprechens in lauter Umgebung. Bereits in der Ausbildung zur Erzieherin sollte Sprecherziehung integriert werden.

Referenzen

[1] Wuyts, F. L.; Bodt, M. S. de; Molenberghs, G.; et al. (2000) The dysphonia severity index: an objective measure of vocal quality based on a multiparameter approach. Journal of speech, language, and hearing research, 43, 796-809
[2] Nawka, T.; Wirth, G. (2008) Stimmstörungen. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 5. Auflage
Frau Dr. med. Sabine Darius
Bereich Arbeitsmedizin, Medizinische Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg
Do
14 Mär
11:30 - 12:30
Posterausstellung
Digitale Medizin
Beiträge:
1
Hintergrund
An Bord ist der Zugang zu medizinischen Angeboten beschränkt. Seeleute erfüllen bezüglich ihrer IT-Kompetenz die Grundvoraussetzung für ein App-basiertes Gesundheits- oder Krankheitsmanagement. Ziel dieser Studie war es herauszufinden, ob Seeleute mit einem eingeschränkten Wohlbefinden eine App-basierte Gesundheitsunterstützung nutzen.

Methodik
976 Seeleute einer Hamburger Reederei wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen, der u.a. den WHO-5-Wohlbefindens-Index (WHO-5) und Fragen zu der Nutzung von Gesundheits-Apps enthielt. Ein eingeschränktes Wohlbefinden wurde bei einem WHO-5 ≤ 13 angenommen.

Ergebnisse
Insgesamt füllten 731 Seeleute den Fragebogen aus (Teilnahmequote 74,9%). Gemäß WHO-5 hatten 72 Seeleute (9,8%) ein eingeschränktes Wohlbefinden. Hiervon waren mehr europäische als nicht-europäische Besatzungsmitglieder betroffen (17,5% vs. 6,9%; p< 0,001). Letztere waren zum Zeitpunkt der Befragung signifikant länger an Bord eingesetzt (6,3 vs. 2,9 Monate; p< 0,001). 53,2% der befragten Seeleute hatten jemals eine Gesundheits-App heruntergeladen, wobei Besatzungsmitglieder mit eingeschränktem Wohlbefinden deutlich häufiger überdurchschnittlich viele Gesundheits-Apps heruntergeladen hatten (9,8% vs. 4,5%).
Ein eingeschränktes Wohlbefinden war signifikant mit einem Download von Gesundheits-Apps assoziiert (OR 1,78; 95% KI (1,14- 2,77)). Eine Adjustierung für die Gesamtdauer der Seefahrtjahre (=Berufserfahrung) und für die aktuell zur Befragung bestehende Aufenthaltsdauer an Bord hatte keinen Einfluss diese Assoziation (OR 1,62; 95% KI (1,03-2,57)). Bei zusätzlicher Adjustierung mit der ethnischen Zugehörigkeit konnte kein signifikanter Zusammenhang mehr festgestellt werden.

Schlussfolgerung
Health-Apps werden offensichtlich insbesondere von Besatzungsmitgliedern mit eingeschränktem Wohlbefinden unabhängig von ihrer kumulativen Seefahrtzeit und ihrer aktuellen Einsatzzeit an Bord heruntergeladen. Somit scheint diese Form eines elektronischen Gesundheitsmanagements in der Schifffahrt ein erfolgsversprechender Interventionsansatz zu sein. Die Tatsache, dass die Antworten nicht-europäischer Besatzungsmitglieder trotz ihrer üblicherweise längeren Einsatzzeiten an Bord seltener eine Einschränkung des Wohlbefindens im WHO-5 ergaben, könnte Ausdruck einer sozialen Erwünschtheit in dieser Kulturgruppe sein. Zukünftige Studien sollten den Bedarf an Gesundheits-Apps von Seeleuten erheben und deren Effekte in einem prospektiven Ansatz abschätzen.
Herr PD Dr. Marcus Oldenburg
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg
2

Einleitung

Im Messystem Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (MGU) wurden im Jahr 2022 20.964 Gefahr- bzw. Biostoffproben genommen. Aus diesen wurden 92.859 Analysen generiert. Alleine 26.423 Analysen entfallen im Jahr 2022 auf Projekte im Rahmen des MGU.

Methoden

Um die Expositionen von Beschäftigten zu Dokumentieren und Berichte für die bemessenen Betriebe zu erstellen, werden vor Ort durch autorisierte Mitarbeitende bis zu 200 Einzelinformationen zu jeder Probe dokumentiert. Dazu wird die OMEGA Software Gefahrstoffe eingesetzt. Diese wird aktuell neu entwickelt. Die Neuentwicklung läuft unter dem Namen OMEGAone. OMEGAone ist eine Webanwendung, um Betriebs- und Expositionsdaten strukturiert zu erheben und diese mit den ermittelten Messwerten zusammenzuführen. Die Berichte können unter anderem zur Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen herangezogen werden. Alle erhobenen Daten werden in der Expositionsdatenbank MEGA gespeichert (Stand 2022: 3,76 Mio. Datensätze).

Ergebnisse

Mit der Neuentwicklung von OMEGAone wird eine endgerätunabhängige, webbassierte Anwedung zur Verfügung gestellt. Die Anwendung ist skalierbar, um im Rahmen von Projekten über die Daten von Gefahrstoff- bzw. Biostoffmessungen hinaus auch Daten zum Biomonitoring zu dokumentieren. Ein erweiterter Datensatz soll die gemeinsame Auswertung mit der neuen Auswertesoftware MEGAinnovativ ermöglichen. Im Bestandsystem wurden diverse Projekte abgewickelt, die dem Poster zu entnehmen sind. Die Erfahrungen aus diesen Projekten fließen in die Neuentwicklung von OMEGAone mit ein.

Schlussfolgerung / Diskussion

Eine Software zur Dokumentation von diversen Einflussfaktoren auf Beschäftigte kann in Zukunft die Betrachtung von multiplen Belastungen derer ermöglichen. Dabei sind im MGU die Bereiche Gefahrstoffe, Biostoffe, Lärm, Raumklima sowie explosionsfähige Stäube fest verankert. Die Anpassungfähigkeit von OMEGAone ermöglicht die Erweiterung um andere Bereiche wie beispielsweise das Biomonitoring. Gepaart mit den Auswertungsmöglichkeiten von MEGAinnovativ können sowohl der Arbeitsschutz als auch die Arbeitsmedizin durch diese Anwendung profitieren.
Herr Manuel Kühn
Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA), Sankt Augustin
Frau Chantal Wagner
Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA), Sankt Augustin
3
Einleitung. Die betriebsärztliche Betreuung und arbeitsmedizinische Vorsorge sind wichtige Bestandteile, um die Gesundheit von Beschäftigten durch Maßnahmen der Unfallverhütung und des Arbeitsschutzes zu erhalten und zu schützen. Jedoch können vor allem Klein- und Kleinstbetriebe (KKU) im ländlichen Raum Deutschlands aktuell nicht ausreichend betriebsärztlich versorgt werden [2,3]. Die Prävalenz bestimmter Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle ist dabei in KKU besonders hoch. [1] Die Integration telemedizinischer Anwendungen (TMA) kann hier eine Perspektive sein, um die unzureichende Versorgungsituation der KKU im ländlichen Raum zu verbessern [3,4,5,6].
Im Rahmen einer Masterthesis zum Thema wurde untersucht, inwieweit die Integration von TMA im genannten Bereich bisher umgesetzt wird und welche möglichen Einsatzbereiche sich dabei ergeben. Hierbei wurden Chancen und Herausforderungen bei der Integration von TMA in die betriebsärztliche Betreuung und arbeitsmedizinische Vorsorge von KKU im ländlichen Raum Deutschlands identifiziert.

Methode. Auf Grundlage einer systematischen Literaturrecherche, wurden vier leitfadengestützte Interviews mit Expert*innen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Deutschland im Zeitraum vom 10. November - 21. Dezember 2022 geführt. Die Expert*inneninterviews wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring unter Hinzuziehen der Software MAXQDA 2022 ausgewertet.

Ergebnisse. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Integration von TMA in die betriebsärztliche Betreuung und arbeitsmedizinische Vorsorge von KKU im ländlichen Raum Deutschlands nur sehr punktuell und nicht in der Breite erfolgt. Gleichzeitig bilden sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten ab, die über die Beratung von Beschäftigten innerhalb der ArbMedV oder die Mitwirkung von Betriebsärzt*innen durch Video-Zuschaltung im Rahmen sonstiger Leistungen, hinausgehen. Neben offensichtlichen Chancen, wie der Einsparung von Zeit- und Personalressourcen, werden primär Herausforderungen bei der Integration von TMA identifiziert, von welchen sich viele auf KKU und die Beschäftigten selbst beziehen.

Schlussfolgerung. Der geringe Umsetzungsstand und die Menge an ermittelten Herausforderungen bei der Integration von TMA, aus welchen sich notwendige Maßnahmen, wie bspw. die Akzeptanzförderung ableiten lassen, geben wichtige Hinweise, die bei der weiteren Integration von TMA in die betriebsärztliche Betreuung und arbeitsmedizinische Vorsorge von KKU im ländlichen Raum Deutschlands zukunftsweisend sind.

Referenzen

[1] DGUV (2022). DGUV-Statistiken für die Praxis 2021. Berlin: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V.. Online verfügbar unter: https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/4588 (abgerufen am: 09.10.2023).
[2] DGUV (2021). Arbeitswelten. Menschenwelten. Prioritäten für den Arbeitsschutz von morgen. Berlin: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V.. Online verfügbar unter: https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/4355 (abgerufen am 09.10.2023).
[3] Drexler H, Letzel S, Nessler T, Amler N, Fischmann W, Lange S(2022). Gesund Arbeiten in Thüringen. Verbesserung der Qualität und der Leistungen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement durch Entwicklung von zielgruppenspezifischen Präventionspfaden. München: DGAUM.
[4] BÄK (2021). Evaluation und Monitoring der arbeitsmedizinischen Versorgung. Berlin: Bundesärztekammer. Online verfügbar unter: https://www.bundesaerztekam- mer.de/fileadmin/user_upload/_old-files/downloads/pdf-Ordner/Arbeitsmedizin/Konzept_fuer_eine_Evaluation_sowie_ein_kontinuierliches_Monitoring_der_arbeitsmedizinischen_Versorgung.pdf (abgerufen am 09.10.2023).
[5] DGAUM (2017). Der demographische Wandel in unserer Gesellschaft und die zukünftige arbeitsmedizinische Versorgung. Stellungnahme der DGAUM zur Sicherung der betrieblichen Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland. München: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.. Online verfügbar unter: https://www.dgaum.de/fileadmin/pdf/Stellungnahmen_und_Positionspapiere/2017/DGAUM_Stellungnahme_BAE-Mangel_5_.pdf (abgerufen am: 09.10.2023).
[6] VBG (2020). Telemedizin in der betriebsärztlichen Betreuung – eine sinnvolle Ergänzung. Hamburg: Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. Online verfügbar unter: https://www.vbg.de/SharedDocs/Medien-Center/DE/Broschuere/Themen/Arbeitsschutz_organisieren/Telearbeitsmedizin_FactSheet.pdf?__blob=publicationFile&v=5 (abgerufen am: 09.10.2023).
Frau Mareike Brietzke M. Sc.
Hochschule Fulda, Fulda
4
Einleitung: Die betriebsärztliche Betreuung in Deutschland steht vor vielfältigen Herausforderungen. Diese umfassen eine steigende Nachfrage sowie einen Mangel an spezialisierten Arbeitsmediziner*innen [1]. Insbesondere in den landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und grünen Sektoren ist die regelmäßige Betreuung kleinerer Betrieben erschwert [3]. Ein vielversprechender Ansatz zur Bewältigung dieser Problematik ist die Nutzung von Telemedizin, die international für ihre sektorübergreifende Erreichbarkeit, Prävention und Betreuung anerkannt ist [4]. Daher sollte untersucht werden, inwieweit die Tele-Arbeitsmedizin (T-AM) als unterstützendes Mittel im Rahmen der betriebsärztlichen Betreuung sowie der arbeitsmedizinischen Vorsorge aus Sicht der Arbeitgeber*innen von KMU-Betrieben in der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und des Gartenbaus geeignet ist. Hierbei sollten neben den Rahmenbedingungen die Bedarfe, hemmende und fördernden Faktoren sowie die Chancen der T-AM ermittelt werden.

Methoden: Es wurden acht leitfadengestützte Interviews mit Arbeitgeber*innen im Zeitraum Juli-August 2023 durchgeführt und anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring kategorienbasiert ausgewertet [2].

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass eine Auseinandersetzung seitens der Arbeitgeber*innen mit dem Thema der T-AM bisher in nur geringem Maß erfolgt ist und es vor einer zukünftigen Einführung und Integration der T-AM in den Betrieben Informationsbedarf, insbesondere zu Möglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen, technischer Unterstützungsbedarf für die Mitarbeitenden und Anpassungsbedarf der Räumlichkeiten zur Wahrung des Datenschutzes besteht. Chancen werden insbesondere in Tele-Konsultationen bei allgemeinen Fragen zum betrieblichen Gesundheitsschutz, aber auch bei Teilen der Vorsorge und speziellen Fragestellungen, wie chronischen Erkrankungen und insbesondere mit Blick auf die Einsparung von Zeit- und Personalressourcen gesehen.

Schlussfolgerung/Diskussion: Aus den ermittelten Herausforderungen sowie der geringen Auseinandersetzung und geringen Kenntnis zu Einsatzmöglichkeiten der T-AM, lassen sich Maßnahmen, wie die Information zu praxisbezogenen Umsetzungs- und Unterstützungsmöglichkeiten ableiten, um eine Grundlage für die Akzeptanz und Integration der T-AM in den Betrieben der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und des Gartenbaus zu schaffen.
Frau Prof. Dr. Gamze Güzel-Freudenstein
Hochschule für angewandte wissenschaften Fulda, Fulda
5
Einleitung: Im Rahmen von Digitalisierungsprozessen werden digitale Technologien in Organisationen eingeführt und analoge Daten und Arbeitsweisen in eine digitale Form gebracht [1]. Diese Prozesse können weitreichende arbeitsorganisatorische Veränderungen mit sich bringen und Einfluss auf die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten nehmen [2]. Als Teil des Projekts „DigitalGesund“ ist das Ziel dieses Reviews, eine empirische Übersicht der Anforderungen und Unterstützungsfaktoren von Beschäftigten im Zuge von Digitalisierungsprozessen zu geben sowie gesundheitsförderliche Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Methoden: Dazu wurde eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed und Web of Science vorgenommen. Es wurden deutsch- und englischsprachige Studien ab dem Jahr 2013 eingeschlossen, die konkrete Digitalisierungsmaßnahmen/-projekte in Unternehmen oder staatlichen Einrichtungen untersuchten. Erforderliche Zielgrößen umfassten Anforderungen, unterstützenden Faktoren, gesundheits- oder arbeitsbezogene Auswirkungen für Beschäftigte im Zuge dieser Maßnahmen/Projekte oder Empfehlungen zur Prozessgestaltung. Die Ergebnisse wurden qualitativ zusammengefasst.

Ergebnisse: Insgesamt wurden neun Studien eingeschlossen. Davon kamen vier Studien aus Deutschland. Als Anforderungen für Beschäftigte zeigten sich fehlende Ziele, Strategien und Verantwortlichkeiten für die Implementierung der Digitalisierungsmaßnahme, Intransparenz, eine erhöhte Arbeitsbelastung sowie unzureichende Unterstützung und zeitliche Ressourcen im Rahmen des Digitalisierungsprozesses. Umfangreiche Information, aktive Einbindung, Bereitstellung von Schulungsmaßnahmen und Unterstützung auf technischer Ebene und durch die Führung stellten dagegen Unterstützungsfaktoren im Prozess dar und gingen mit einer höheren Zufriedenheit gegenüber der Maßnahme einher. Entsprechend wurden gesundheitsförderliche Gestaltungsmöglichkeiten bei Digitalisierungsvorhaben hinsichtlich der Vorbereitung und Ausgestaltung des Prozesses, personellen Ressourcen, Unterstützungsmaßnahmen, Partizipation und Kommunikation identifiziert.

Schlussfolgerung/Diskussion: Organisationen sollten mögliche Auswirkungen von Digitalisierungsprozessen für ihre Beschäftigten bereits zu Beginn der Maßnahme berücksichtigen und mitgestalten. Das kann gelingen, indem die Implementierung von Digitalisierungsmaßnahmen als ganzheitlicher Prozess im Rahmen eines Change-Managements verstanden wird.

Referenzen

[1]    Demary V, Engels B, Röhl K, Rusche C. Digitalisierung und Mittelstand – Eine Metastudie, IW-Analysen Nr. 109. Köln: Institut
der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH, 2016.
[2]    Arnold D, Butschek S, Steffes S, Müller D. Monitor - Digitalisierung am Arbeitsplatz: Aktuelle Ergebnisse einer Betriebs-
und Beschäftigtenbefragung, ZEW-Gutachten und Forschungsberichte. Berlin:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2016.
Frau Dr. Tanja Wirth
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg
6

Einleitung

Die digitale Transformation von Arbeitswelt und Gesundheitsversorgung ist ein in der Praxis und in der Forschungslandschaft viel diskutiertes Thema. In einem Forschungsprojekt des IASV wird der digitale Transformationsprozess in einem Institut für Pathologie erforscht. Mittels eines ethnografischen Zugangs, in dem mehrere qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung miteinander verzahnt werden, kann ein Beitrag geleistet werden, den Transformationsprozess als solchen ganzheitlich zu verstehen, genauso wie die damit einhergehenden Herausforderungen, Bedürfnisse und Wünsche der Beteiligten sowie die Auswirkungen der Digitalisierung auf die arbeitsbedingten psychischen Belastungen und Ressourcen. Mein Promotionsprojekt, welches in dieses Forschungsprojekt eingebettet ist, fokussiert die Perspektiven der Entscheidungsträger*innen im Digitalisierungsprozess. Ziel ist es, ein Verständnis für die Erfahrungen und Erwartungen dieser Entscheidungsträger*innen zu gewinnen.

Methoden

Im März 2023 wurden zwei Fokusgruppendiskussionen (n=6 & n=3 Teilnehmende) sowie ein Einzelinterview durchgeführt. Einschlusskriterium war deren Funktion als Entscheidungsträger*in im Digitalisierungsprozess. Es wurden verschiedene Hierarchiestufen und Arbeitsbereiche abgebildet. Die Leitfragen fokussierten die Anforderungen an die Führungskräfte und deren Erleben der bisherigen Digitalisierungsprozesse sowie ihre Einschätzungen hinsichtlich einer gelingenden Vernetzung der Entscheidungsträger*innen im Digitalisierungsprozess. Die transkribierten Daten werden mithilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet.

Ergebnisse

Erste Analysen weisen auf die besonderen Herausforderungen hin, dass der Normalbetrieb parallel zur Digitalisierung aufrechterhalten und bereits stark getaktete Abläufe weiter verdichtet werden müssen. Als bedeutsam werden darüber hinaus die Altersstruktur der Mitarbeitenden und deren Offenheit für den digitalen Transformationsprozess erachtet. Als förderliche Faktoren werden die Rekrutierung der Entscheidungsträger*innen aus dem von digitalen Change-Prozessen betroffenen Team und die somit mögliche unmittelbare Kommunikation benannt sowie die Integration des IT-Projektleiters ins Team. Dies sei insbesondere bei Veränderungen von Zuständigkeiten und Neudefinition von Schnittstellen hilfreich.

Schlussfolgerung / Diskussion

Die digitale Transformation findet zusätzlich zum arbeitsintensiven Tagesgeschehen statt und stellt sich als nur begrenzt planbarer Prozess heraus. Auch sind die Perspektiven auf und die Erwartungen an einen digitalen Transformationsprozess heterogen und mitunter schwer vereinbar. Dies erfordert eine bedachte Kommunikation der Entscheidungsträger*innen und eine Resilienz der Mitarbeitenden.
Frau Sina Pauly
Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Tübingen (IASV), Tübingen
Do
14 Mär
11:30 - 12:30
Posterausstellung
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) / Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)
Beiträge:
1

Einleitung

Sedentäres Verhalten (SB), insbesondere im Arbeitssetting, ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus arbeitsmedizinischer Untersuchungen gerückt. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) regelmäßig Empfehlungen zu moderater und anstrengender körperlicher Aktivität herausgibt, findet leichte körperliche Aktivität (LPA) in diesen Empfehlungen bisher wenig Beachtung.
Dieser Beitrag zielt darauf ab, die wissenschaftliche Evidenz und die praktischen Implikationen von leichter körperlicher Aktivität im Kontext von sedentärem Verhalten und geeignete Interventionsstrategien zu synthetisieren und zu beleuchten.

Methoden

Eine narrative Literaturrecherche wurde durchgeführt, um Meta-Analysen und Systematische Reviews zu identifizieren, die sich mit den Auswirkungen von SB und LPA auf Gesundheitsparameter und -indikatoren beschäftigen, sowie solche zu geeigneten Interventionsstrategien zur Sitzunterbrechung im Arbeitssetting.​​​

Ergebnisse

SB ist ein klinisch relevanter Risikofaktor mit starkem Einfluss auf die Gesamtmortalität. Ein Schwellenwert von 8 Stunden pro Tag scheint kritisch zu sein, insofern, dass die negativen Effekte nur noch mit sehr hohen Umfängen (60-75 min pro Tag) an moderater körperlicher Aktivität ausgeglichen werden können [1][2]. Allerdings werden verschiedene weitere Schwellenwerte diskutiert.
Die Empirie zeigt weiterhin, dass LPA (z.B. regelmäßiges Aufstehen, kurze Spaziergänge oder Dehnübungen) die Gesamtmortalität in einer nicht-linearen [3] bzw. logarithmisch-kubischen Dosis-Wirkungs-Beziehung verringert [4]. Schon das Ersetzen von insgesamt 30 Minuten SB pro Tag (akkumuliert) mit LPA kann das Risiko kardiovaskulärer Mortalität um 16% [5] und der Mortalität durch Krebs um 9% [6] senken. Häufig verwendete Interventionsmethoden sind Schulung, Umstrukturierung der Umgebung, Bildung und Enablement [7]. Besonders Multikomponenten-Interventionen, die Sitz-Steh-Tische inkludieren, zeigen positive Effekte auf die Sitzzeitreduktion (MD=-71,95 min / 8-Stunden-Arbeitstag) [8].

Schlussfolgerung / Diskussion

Die Integration von LPA in den Arbeitsalltag kann als präventive Maßnahme gegen die negativen Auswirkungen von SB betrachtet werden. Es wird empfohlen, Richtlinien und Empfehlungen zu überdenken und LPA stärker zu berücksichtigen, um die Gesundheit von Arbeitnehmern zu fördern.

Referenzen

[1] Patterson R, McNamara E, Tainio M, Sá TH, Smith AD, Edwards P et al. Sedentary behaviour and risk of all-cause, cardiovascular and cancer mortality, and incident type 2 diabetes: a systematic review and dose response meta-analysis. Eur J Epidemiol 2018; 33: 811–829.
[2] Ekelund U, Steene-Johannessen J, Brown WJ, Fagerland MW, Owen N, Powell KE et al. Does physical activity attenuate, or even eliminate, the detrimental association of sitting time with mortality? A harmonised meta-analysis of data from more than 1 million men and women. Lancet 2016; 388: 1302–1310.
[3] Ekelund U, Tarp J, Steene-Johannessen J, Hansen BH, Jefferis B, Fagerland MW et al. Dose-response associations between accelerometry measured physical activity and sedentary time and all cause mortality: systematic review and harmonised meta-analysis. BMJ 2019; 366: l4570.
[4] Ku P-W, Hamer M, Liao Y, Hsueh M-C, Chen L-J. Device-measured light-intensity physical activity and mortality: A meta-analysis. Scand J Med Sci Sports 2020; 30: 13–24.
[5] Qiu S, Cai X, Jia L, Sun Z, Wu T, Wendt J et al. Does objectively measured light-intensity physical activity reduce the risk of cardiovascular mortality? A meta-analysis. Eur Heart J Qual Care Clin Outcomes 2021; 7: 496–504.
[6] Qiu S, Cai X, Wu T, Sun Z, Guo H, Kirsten J et al. Objectively-Measured Light-Intensity Physical Activity and Risk of Cancer Mortality: A Meta-analysis of Prospective Cohort Studies. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2020; 29: 1067–1073.
[7] Morton S, Fitzsimons C, Jepson R, Saunders DH, Sivaramakrishnan D, Niven A. What works to reduce sedentary behavior in the office, and could these intervention components transfer to the home working environment?: A rapid review and transferability appraisal. Front Sports Act Living 2022; 4: 954639.
[8] Zhou L, Deng X, Guo K, Hou L, Hui X, Wu Y et al. Effectiveness of Multicomponent Interventions in Office-Based Workers to Mitigate Occupational Sedentary Behavior: Systematic Review and Meta-Analysis. JMIR Public Health Surveill 2023; 9: e44745.
Herr Sebastian Heller
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz
2
Einleitung: Physiotherapeut:innen sind im Rahmen ihrer Tätigkeit verschiedenen Gefährdungen und Belastungsfaktoren ausgesetzt, die sich negativ auf die Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit auswirken können [1], [2], ​[​​3]. Gerade in Anbetracht des demografischen Wandels und der allgemeinen Fachkräfteknappheit kommt deshalb der Förderung, Aufrechterhaltung und ggf. Wiederherstellung der Gesundheit eine wichtige Bedeutung zu. Um potenziellen Gesundheitsgefahren im Praxisbetrieb möglichst vorausschauend entgegenzuwirken, sind Praxisinhaber:innen zur Schaffung und Aufrechterhaltung sicherheits- und gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen gesetzlich verpflichtet.

Methode: Im Rahmen einer deutschlandweit durchgeführten Online-Querschnittserhebung wurden zwischen 08–09/2022 164 Praxisinhaber:innen sowie angestellte Physiotherapeut:innen zum Umsetzungstand arbeitsschutzrechtlicher Vorgaben in ihrer Praxis befragt. Der Fragebogen wurde unter Einbezug von Praxis-Expert:innen selbst entwickelt. Fragen zur bisherigen arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Betreuungssituation und zur Bedeutung zentraler Arbeits- und Gesundheitsschutzthemen für die eigene Tätigkeit in der Praxis standen hierbei im Mittelpunkt. Die Befragungsergebnisse wurden deskriptiv ausgewertet.​​​​​

Ergebnisse: Der Arbeitssicherheit und dem betrieblichen Gesundheitsschutz wurden sowohl von Praxisinhaber:innen als auch von angestellten Physiotherapeut:innen prinzipiell eine hohe Bedeutung beigemessen. Dass die eigene Praxis derzeit (rechtskonform gem. ASiG, DGUV Vorschrift 2) arbeitsmedizinisch und sicherheitstechnisch betreut wird, bestätigten 51,9% der Praxisinhaber:innen. Eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung lag ebenfalls bei etwa der Hälfte der Praxen vor.

Diskussion: Die Befragungsergebnisse können als Anhaltspunkt für einen Optimierungsbedarf des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in physiotherapeutischen Praxen gesehen werden. Die Relevanz und der Nutzen einer qualitativ hochwertigen Betreuung sollten sichtbarerer gemacht und entsprechende Betreuung-/Beratungsangebote (z.B. unterstützende Online-Angebote) weiter ausgebaut werden. Für kleine und mittelgroße Praxen wäre die alternative bedarfsorientierte Betreuung ein guter und zielführender Lösungsansatz, die laut DGUV Vorschrift 2 bei Praxen mit < 50 Beschäftigten möglich ist. Derzeit wird ein mehrstufiger, hybrider und settingspezifischer Schulungs-/Beratungsansatz erprobt und evaluiert, der für diese Praxen gewinnbringend sein könnte.

Referenzen

[1] Stoll, S. (2019). Arbeitsbedingte Beschwerden und
Erkrankungen in der Physiotherapie. manuelletherapie, 23(05),
238-245. https://doi.org/10.1055/a-1033-5613.
[2] Girbig, M., Freiberg, A., Deckert, S., Druschke, D., Kopkow,
C., Nienhaus, A., & Seidler, A. (2017). Work-related exposures and disorders
among physical therapists: experiences and beliefs of professional
representatives assessed using a qualitative approach. Journal of
Occupational Medicine and Toxicology, 12, 1-9. https://doi.org/10.1186/s12995-016-0147-0.
[3] Vieira, E. R., Schneider,
P., Guidera, C., Gadotti, I. C., & Brunt, D. (2016). Work-related musculoskeletal disorders among
physical therapists: a systematic review. Journal of back and
musculoskeletal rehabilitation, 29(3), 417-428.
https://doi.org/10.3233/BMR-150649.
Frau Anna Hirschmüller
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin Universitätsmedizin Mainz, Mainz
3

Einleitung

Während der COVID-19 Pandemie hat sich der Anteil der Erwerbstätigen im Homeoffice in Deutschland von 13% im Jahr 2019 zu 25% im Jahr 2021 fast verdoppelt [1]. Studien haben gezeigt, dass fehlende Regelungen und Ausstattungen des Arbeitsplatzes zu physischen und psycho-sozialen Beanspruchungen führten [2], [3]. Muskel- und Skeletterkrankungen (21,5%) sowie psychische Erkrankungen (12%) waren im Jahre 2021 führende Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland [4]. Ziel der Studie war es, den Einfluss einer Bewegungsroutine im Homeoffice auf muskuloskelettale und psychische Beschwerden zu untersuchen.

Methoden

Im Rahmen der „ArCo-Studie“ (Arbeiten unter Corona) wurde im Sommer 2021 eine videobasierte Arbeitsplatzanalyse des Homeoffice-Arbeitsplatzes bei Mitarbeitenden öffentlicher Institutionen durchgeführt. Im Anschluss wurden interessierte Mitarbeitende bezüglich einer Bewegungsroutine, bestehend aus acht Übungen, unterwiesen und empfohlen, diese täglich durchzuführen. Anhand eines Online-Fragebogens via RedCap wurden Prävalenz und Ausprägung muskuloskelettaler und psychischer Beschwerden zum Zeitpunkt der Befragung in Relation zu der Zeit vor der Pandemie erhoben. Vier Wochen nach Einführung der Bewegungsroutine wurden die Beschwerden reevaluiert.

Ergebnisse

Insgesamt nahmen 101 Mitarbeitende an der Bewegungsroutine teil, von 85 Personen (n=85; w=46, m=39) liegen auswertbare Reevaluationsbögen vor. Vier Wochen nach Einführung der Bewegungsroutine gaben 56 Mitarbeitende (65,9%) an, eine Bewegungspause in ihren Arbeitsalltag integrieren zu können. Eine signifikante Abnahme der muskuloskelettalen Beschwerden ließ sich zweiseitig betrachtet in der Schulter- und Nackenregion (p<0,05) und im Rückenbereich (p<0,01) feststellen. Einseitig zeigte sich zusätzlich eine signifikante Reduktion des allgemeinen Erschöpfungsgefühls (p<0,05). Zudem konnte die Häufigkeit der Beschwerden signifikant (p<0,05), die Medikamenteneinnahme und teilweise die Intensität der Beschwerden reduziert werden.

Schlussfolgerung / Diskussion

In Zusammenschau weisen die Ergebnisse auf einen positiven Einfluss der Bewegungsroutine sowohl auf die physische als auch die psychische Gesundheit im Homeoffice hin. Weiterführende Studien sind notwendig, um diesen Effekt zu bestätigen und eine Empfehlung bezüglich der Frequenz und Art der Übungen auszusprechen.

Referenzen

[1]    „Ein Viertel aller Erwerbstätigen arbeitete
2021 im Homeoffice“, Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2022/PD22_24_p002.html
(zugegriffen 30. Januar 2023).
[2]     S. Ludwig, H. Zieschang,
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[3]     P. Wilms, J. Schröder, R. Reer, und L.
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[4]     M. Meyer, L. Wing, und A.
Schenkel, „Krankheitsbedingte Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft im Jahr
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Badura, A. Ducki, M. Meyer, und H. Schröder, Hrsg., in Fehlzeiten-Report.
Berlin, Heidelberg: Springer, 2022, S. 287–368. doi:
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Frau Leonie Wolf
Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Fakultät, Institut für Bewegungs- und Arbeitsmedizin, Freiburg
Frau Leonie Julia Wolf
Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Fakultät, Institut für Bewegungs- und Arbeitsmedizin, Freiburg
4
Seafarers' diets are often high in fat, sugar and calories, contributing to an increased risk of obesity, metabolic syndrome and cardiovascular disease [1,2]. The multitude of barriers to healthy eating in the on-board environment on merchant ships makes it essential to find new approaches for health promotion [3]. This study explored seafarers' attitudes, status quo of support measures and possibilities to improve nutrition on merchant ships from the perspective of crews and ship cooks.

In the course of the EU-funded project “e-healthy ship”, European and South-East Asian seafarers (N=810) and ship cooks (N=62) were examined by using two questionnaires on 68 ships of two German shipping companies.

Almost all seafarers (98.8%) considered a healthy diet important for their well-being and the majority of seafarers reported to be open-minded to change their eating habits (88.4%). However, European seafarers were less likely to respond that they are willing to eat less meat [OR 0.11; 95%CI (0.07-0.17); p <0.001; R2 =0.29], more vegetables [OR 0.10; 95%CI (0.02-0.49); p =0.005; R2 =0.19] and more fruits [OR 0.11; 95%CI (0.02-0.61); p =0.011; R2 =0.20] than their Southeast Asian colleagues. On the one hand, 82.3% of the ship cooks reported having taken part in at least one cooking course organized by their employer (1: 33.9%, 2: 25.8%, 3: 14.5%, 4 or more: 8.1%), on the other hand, slightly above half stated that the last of these courses had taken place more than 2 years ago. Furthermore, the ship cooks showed a positive attitude towards the use of a tablet-based digital platform that supports the ship cooks in daily and complex tasks (>85% agreement).

In order to improve nutrition on board merchant ships, various parameters need to be adjusted, such as ensuring a demand-oriented food supply on board or supporting seafarers' healthy food choices through target group-specific nutrition education. Ship cooks would be able play a decisive role if they receive support. The development of a tablet-based digital platform that supports the ship cooks in their daily tasks, offers training and empowers them to implement health-promoting measures themselves seems to be an accepted and promising approach.

Referenzen

[1] Zyriax BC, von
Katzler R, Jagemann B, Westenhoefer J, Jensen HJ, Harth V, Oldenburg M (2018):
Food offerings on board and dietary intake of European and Kiribati seafarers -
cross-sectional data from the seafarer nutrition study. In: Journal of
occupational medicine and toxicology (London England) 13 S. 9. DOI:
10.1186/s12995-018-0190-0.
[2] Roberts SE.,
Jaremin B (2010): Cardiovascular disease mortality in British merchant shipping
and among British seafarers ashore in Britain. In: International Maritime
Health 62 (3) S. 107–116.
[3] Hjarnoe L, Leppin
A (2014): A risky occupation? (Un)healthy lifestyle behaviors among Danish
seafarers. In: Health promotion international 29 (4) S.
720–729. DOI: 10.1093/heapro/dat024.
Herr Felix Alexander Neumann
Hebammenwissenschaft - Versorgungsforschung und Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg
5

Einleitung

Beschäftigte im Rettungsdienst sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, psychische Beeinträchtigungen zu entwickeln, da sie in ihrem Berufsalltag hohen körperlichen und emotionalen Stressoren ausgesetzt sind. Der Umgang mit diesen Stressoren stellt eine wichtige Ressource dar, um im Sinne der Salutogenese eine Bewältigung vorzunehmen. Maßnahmen zur Stärkung von Stress- und Emotionsregulation können in diesem Berufsfeld auch die psychische Gesundheit fördern. Damit diese Förderung nicht nur auf einer Verhaltensebene wirksam wird, bieten sich Multiplikatorenkonzepte mit einer verhältnisbezogenen Verzahnung in die Arbeitssysteme an.

Methoden

Die Überprüfung der verfügbaren Evidenz von Multiplikatorenkonzepten zur Stress- und Emotionsregulation im Rettungsdienst ist das Hauptziel der Arbeit. Die Übersicht orientiert sich inhaltlich an dem Modell der Salutogenese und methodisch am Konzept des Joanna Briggs Institutes (JBI) zur Durchführung von Scoping Reviews. Die Recherche basiert auf den Suchoberflächen PubMed und PubPsych. Es erfolgt keine Einschränkung der Evidenzquellen. Die Suche erstreckt sich auf deutsch- und englischsprachige Literatur im Zeitraum von 1997 bis 2023. Alle Schritte der Datensichtung und -extraktion wurden unabhängig von zwei gutachtenden Personen durchgeführt.

Ergebnisse

Für die Recherche werden insgesamt 22.345 Datensätze identifiziert. Abschließend können vier Volltexte eingeschlossen werden. Die Studienorte umfassen Kanada, England und die USA. Die Interventionen richten sich neben Mitarbeitenden des Rettungsdienstes an Angehörige von Polizei, Feuerwehr und andere Berufsgruppen. Alle Trainings sind modular aufgebaut, erstrecken sich über eine Dauer von einem Tag bis hin zu acht Terminen verteilt über ein Jahr. Eine Studie wird webbasiert implementiert. Die psychosozialen Widerstandsressourcen sind vielfältig und umfassen bspw. soziale Unterstützung, Wohlbefinden oder Resilienz. Daneben werden weitere Outcomes wie Alkoholkonsum erhoben. In drei von vier Studien können schwache bis keine signifikanten Ergebnisse belegt werden; eine Intervention erhöht die Selbstwirksamkeit.

Schlussfolgerung / Diskussion

Es gibt weltweit keine spezifischen Multiplikatoren- oder Peer-Involvement-Ansätze zu Stress- und Emotionsregulation, die sich explizit an Mitarbeitende des Rettungsdienstes richten und organisational verankert sind. Gezielte Interventionen sind aufgrund der hohen Belastungen innerhalb der Berufsgruppe zwingend erforderlich.

Referenzen

[1]    Antonovsky
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In: Aromataris E, Munn Z. (Editors) (eds) JBI Manual for Evidence Synthesis,
JBI, 2020
Herr Michel Hummel
Westsächsische Hochschule Zwickau, Zwickau
Do
14 Mär
11:30 - 12:30
Posterausstellung
Freie Themen
Beiträge:
1
In Österreich gibt es gegenwärtig an insgesamt sieben Medizin-Universitäten nur ein universitäreres Forschungsinstitut im Bereich der Arbeitsmedizin. Zur Unterstützung der arbeitsmedizinischen Wissenschaft in Österreich hat es sich die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention (AAMP), gemeinsam mit dem Open Innovation in Science Center (OIS) daher zur Aufgabe gemacht, mit dem Prä-Forschungsprojekt „Ungeklärte Fragen in der Arbeitsmedizin. Reden Sie mit!“ zu eruieren, welche gesellschaftlich relevanten Fragen mit den limitierten Forschungsressourcen in Österreich priorisiert beantwortet werden sollen.

Traditionell entscheiden Forscher:innen oder Förderorganisationen über jene Fragen, die die Forschung beantworten soll. Mit diesem Projekt möchte die AAMP gemeinsam mit dem OIS jedoch erstmalig die Bedürfnisse der Arbeitnehmer:innen als Endnutzer:innen sowie der Stakeholder an die Forschung identifizieren, indem sie aktiv und in einer frühen Phase des Forschungsprozesses eingebunden werden.

Der methodische Zugang beinhaltet „Crowdsourcing“ und „Priority Setting“ und wurde in Anlehnung an die Delphi Methode entwickelt, die in der arbeitsmedizinischen Literatur bereits in mehreren Arbeiten zur Priorisierung von Forschungsagenden herangezogen worden ist [1,2,3,4,5]. Zunächst wurden all jene, die ein Interesse an der arbeitsmedizinischen Forschung haben (= Crowd), eingeladen, mit Hilfe eines Online-Fragebogens ihrer Meinung nach unbeantwortete Forschungsfragen, kaum beforschte Themen oder Ideen für die Forschung einzureichen (= sourcing). Das Ziel dieses Crowdsourcing war ein erstes, offenes Einsammeln von Fragen, Themen oder Ideen, ohne einen Anspruch auf Repräsentativität erlangen zu müssen.

Aus den 165 ausgefüllten Fragebögen konnten 67 für die Arbeitsmedizin potenziell relevante Fragestellungen identifiziert werden. Im Rahmen eines Priorisierungs-Workshops mit Stakeholder:innen aus Politik, arbeitsmedizinischer Praxis und Wissenschaft wurden aus diesen gesammelten Forschungsfragen acht priorisiert und in eine Rangreihung gebracht (Priority Setting). Diese Fragen umfassen Themen wie beispielsweise Co-Expositionen von gesundheitsgefährdenden Arbeitsstoffen, digitale Methoden der arbeitsmedizinischen Versorgung, Flexibilisierung des Arbeitsortes und der Arbeitszeit sowie erwartbare altersbedingte Einschränkungen und ihre Relevanz für unterschiedliche berufliche Belastungen. Die Beantwortung einer der acht am höchsten priorisierten Forschungsfragen soll in einem Follow-Up Projekt durch die AAMP erfolgen.

Referenzen

[1] Harrington JM.
Research priorities in occupational medicine: A survey of United Kingdom
medical opinion by the Delphi technique. Occupational and Environmental
Medicine. 1994;51(5):289–294. https://doi.org/10.1136/oem.51.5.289
[2] Iavicoli S. Research
priorities in occupational health in Italy. Occupational and Environmental
Medicine. 2001;58(5):325–329. https://doi.org/10.1136/oem.58.5.325
[3] Lalloo D, Demou E,
Smedley J, Madan I, Asanati K, Macdonald EB. Current
research priorities for UK occupational physicians and occupational health
researchers: A modified Delphi study. Occupational and Environmental
Medicine. 2018;75(11):830–836. https://doi.org/10.1136/oemed-2018-105114
[4] Sadhra, S.
Occupational health research priorities in Malaysia: A Delphi study. Occupational
and Environmental Medicine. 2001;58(7):426–431.
https://doi.org/10.1136/oem.58.7.426
[5] Van Der Beek AJ,
Frings-Dresen MH, Van Dijk FJ, Houtman, IL. Priorities
in occupational health research: A Delphi study in The Netherlands. Occupational
and Environmental Medicine. 1997;54(7):504–510.
https://doi.org/10.1136/oem.54.7.504
Frau Dr. Sally Bitterl
Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention, Wien
2
Einleitung: In einem beruflichen Umfeld mit zahlreichen Belastungsfaktoren erleiden Beschäftigte in Einrichtungen der Kinderbetreuung COVID-19-Erkrankungen. Die Häufigkeit von Long-Covid- oder Post-Covid-Beschwerden dieser Kohorte ist unklar.

Methoden: In einer Studie zu Beschwerden und Wohlbefinden nach Covid-19-Infektion in der Kinderbetreuung wurden Fragebögen aus drei arbeitsmedizinischen B·A·D-Gesundheitszentren in Mittelfranken ausgewertet. Beschäftigte, die zu einer Vorsorge im Bereich Kinderbetreuung vorstellig wurden, bekamen einen standardisierten zweiseitigen Fragebogen ausgehändigt. U.a. wurden Alter, Anzahl der Impfungen, Abstand zur positiven PCR und aktuelles Wohlbefinden im Vergleich zum Zustand vor der COVID-19-Erkrankung erfragt.

Ergebnisse: Von Mitte Juli bis Ende Dezember 2022 wurden 184 Fragebögen erfasst. In die aktuelle Analyse wurden 81 Fragebögen ausgeschlossen, da Angaben zum Wohlbefinden nach COVID-19-Infektion, zur COVID-19-Infektion, zum Datum der PCR-Bestätigung erfolgt und da die Infektion weniger als 4 Wochen zurücklag. Somit konnten 103 Fragebögen ausgewertet werden (Durchschnittsalter 33 Jahre, min.-max. 15-63 Jahre, Befragung 31 Wochen nach PCR-Test, min.-max. 5-161 Wochen). Die Beschäftigten dieser 103 Fragebögen gaben 1-3 Covid-19-Erkrankungen (Durchschnitt 1,2) an.
74% (76/103) gaben an, wenigstens einmal eine Impfung gegen Corona erhalten zu haben. 48% hatten 3 bzw. 4 Impfungen erhalten.
Von den 103 Beschäftigen mit Covid-19-Infektion ging es 71 (69%) gleich gut, 17 (17%) besser und 15 (15%) schlechter (=Long-Covid-Syndrom). Von letzteren waren 87% mind. 2x geimpft. Bei 11/15 (73%) lag die Infektion bereits über 14 Wochen zurück (=Post-Covid-Syndrom). Bezogen auf alle Beschäftigte ≥12 Wochen nach Infektion (n=88) ergab sich damit ein Post-Covid-Syndrom von 13%.

Diskussion:
In unserer Studie mittels Fragebögen lagen fortwährende Symptome bei 15 % (Long-Covid-Syndrom) bei Beschäftigten in der Kinderbetreuung vor. In einer Subanalyse lag das Post-Covid-Syndrom bei 13%.
Herr PD Dr. Rüdiger Stephan Görtz
BAD Gesundheitszentrum Erlangen, Erlangen
3
Hintergrund
Für den Antrag eines Befähigungsscheins für Begasungen gemäß GefStoffV [1] ist vom Antragsteller ein ärztliches Zeugnis vorzulegen. Der Umfang der ärztlichen Untersuchung ist im Technischen Regelwerk (TRGS 512, 513, 522, 523) festgelegt und in der Empfehlung des BMA von 1995 zur Durchführung der Eignungsuntersuchung näher beschrieben [2]. In der Praxis kommt es zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Empfehlungen zur Prüfung der Geruchswahrnehmung. Für ihre Überarbeitung bedarf es wissenschaftlicher Aufbereitung und überbrückend pragmatischer Empfehlungen.
Methode
Eine Abfrage bei den Bundesländern wie häufig Befähigungsscheine beantragt werden, wurde Ende 2021 beim LASI angestoßen. Anfragen an die BAuA zum Thema Befähigungsschein wurden gesammelt und analysiert. Es erfolgte eine orientierende Literaturrecherche zu den Hintergründen der Entstehung der Riechstoffreihe [2] und zu aktuellen Untersuchungsverfahren der Riechfunktion.
Ergebnis
Jährlich werden etwa 150 Befähigungsscheine von den Arbeitsschutzbehörden ausgestellt. Laut Anfragen an die BAuA gibt es Schwierigkeiten bei der Zubereitung der vorgeschlagenen Prüfstoffreihe, da Substanzen zur Herstellung des Sets nicht beschafft werden können. Dieses besteht aus sechs Prüfstoffen, die Rezeptoren der Hirnnerven I, V, VII, IX ansprechen und als „Geruchsäquivalente“ zu den 1995 gängigen Begasungsmitteln dienen. Hintergründe zur Entwicklung der Prüfstoffreihe konnten nicht ermittelt werden. In Deutschland haben sich validierte psychophysische Screeningtests für eine Einschätzung der Riechfunktion durchgesetzt, ergänzt durch Verfahren zur Differenzierung von Einschränkungen [3, 4].
Schlussfolgerung
Die Geruchssinnprüfung soll sicherstellen, dass ein für die Tätigkeit ausreichendes Riechvermögen besteht und zielt auf die Warnwirkung von Gerüchen. Als überbrückende Lösung der genannten Schwierigkeiten wird die Verwendung von psychophysischen Screeningtests [3] vorgeschlagen. Die Übergangsphase bis zur Anpassung des Regelwerkes sollte genutzt werden, zu überprüfen, ob für die Tätigkeit „Begasungen“ ein wirkstoffspezifisches Riechvermögen erforderlich ist. Für eine entsprechende Diagnostik müsste dann ein praktikables Testverfahren entwickelt werden.

Referenzen

[1] Gefahrstoffverordnung, Stand 21.07.2021: § 15d Abs. 4 i.V. m. Anhang I Ziffer 4.5 Nr. 4 [2] Neufassung der Empfehlung des BMA zur Durchführung der Eignungsuntersuchung von Befähigungsscheinbewerbern für Begasungen, BArbBl. Heft 12/1995 S. 41-44 [3] AWMF-Register Nr. 017/050 Klasse: S2k, Riech- und Schmeckstörungen, Oktober 2016
[4] Hummel T, Lui DT, Müller CA, Stuck BA, Welge-Lüssen A, Hähne A: Olfactory dysfunction: etiology, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2023; 120: 146-54
Frau Dr. med. Anne Nagel
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Betriebsmedizin, Berlin
4
Einleitung
Clowndoktoren [CD] sind seit 30 Jahren in deutschen pädiatrischen Einrichtungen aktiv. Dabei handelt es sich um freiberuflich tätige Künstler:innen, die eine Ausbildung als CD haben, um als solche insbesondere die Kliniksituation für Kinder und Jugendliche zu erleichtern. Sie unterstützen die medizinische Therapie durch die gezielte Aktivierung der Selbstheilungskräfte mittels Humor [1]. Die gesundheitsförderliche Wirkung von CD auf somatische und psychische Gesundheit wurde bereits mehrfach belegt [1-6]. Studien deuteten darüber hinaus auf eine Verbesserung der subjektiven Arbeitssituation von Klinikmitarbeitenden durch CD hin; 90% der Mitarbeitenden bewerteten CD als hilfreich in Bezug auf ihr Arbeitsumfeld, die Kolleg:innen und die Patient:innen [7]. Allerdings besteht noch eine Forschungslücke in Bezug auf die Wirkung von CD auf Klinikmitarbeitende. Daher ist es das Ziel der vorliegenden Studie, diese zu adressieren.

Methoden
Im Rahmen einer qualitativen Studie wurden im Jahr 2023 in fünf pädiatrischen Einrichtungen in Hessen und Rheinland-Pfalz, in welchen CD tätig sind, 10 semistrukturierte Leitfadeninterviews mit Mitarbeitenden geführt. Diese Interviews fanden telefonisch oder online statt, wurden aufgezeichnet und transkribiert. Die Auswertung des Textmaterials erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring und im Sechs-Augen-Prinzip.

Ergebnisse
Das finale Kategoriensystem setzt sich aus 12 Oberkategorien zusammen, welche die Themen Clowndoktoren, Clownvisite, Wirkung, Mehrwert, Wünsche und Entwicklung abbilden. Die befragten Mitarbeitenden beschreiben sowohl eine direkte (auf sich selbst) als auch eine indirekte (auf Patent:innen, Angehörige, Kolleg:innen und Arbeitsklima) Wirkung durch CD, welche durchweg als positiv empfunden wird. Die indirekte Wirkung für Mitarbeitende ergibt sich aus den emotionalen und motivatorischen Effekten auf den/die Patient:innen, was wiederum zur Verbesserung der eigenen Arbeitssituation beiträgt.

Diskussion
Die Studie verweist auf einen positiven Zusammenhang zwischen der Anwesenheit von CD und einer empfundenen Verbesserung der Arbeitssituation von Klinikmitarbeitenden. Diese Ergebnisse stützen die Befunde des aktuellen Forschungsstandes, welcher sowohl für die Patient:innen als auch für die Mitarbeitenden einen Mehrwert zeigt. Aufgrund dessen ist eine Institutionalisierung von CD in pädiatrischen Einrichtungen empfehlenswert. Zur Erreichung dieses Ziels sind Folgestudien -auch unter Berücksichtigung quantitativer Methoden- sinnvoll.

Referenzen

[1] Clown Doktoren e.V. Über uns. Clown-doktoren.de. Retrieved September 27, 2023. https://www.clown-doktoren.de/ueber+uns/.
[2] Scheel T, Hoeppner D, Grotevendt A, Barthlen W. Clowns in paediatric surgery: Less anxiety and more oxytocin? A pilot study. Klinische Padiatrie, 229(05), 274–280 (2017). https://doi.org/10.1055/s-0043-106854.
[3] Pinquart M, Skolaude D, Zaplinski K, Maier RF. Do clown visits improve psychological and sense of physical well-being of hospitalized pediatric patients? A randomized-controlled trial. Klinische Padiatrie, 223(02), 74–78 (2011). https://doi.org/10.1055/s-0030-1267932.
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[5] Anes L, Obi M. Hospital clowning as play stimulus in healthcare. Children (Basel, Switzerland), 1(3), 374–389 (2014). https://doi.org/10.3390/children1030374.
[6] Saliba FG, Adiwardana NS, Uehara EU, Silvestre RN, Leite VV, Faleiros FT et al. Salivary cortisol levels: The importance of clown doctors to reduce stress. Pediatric Reports, 8(1), 6188 (2016). https://doi.org/10.4081/pr.2016.6188.
[7] Ramos BS, Dantas AMO, Zago LBS, de Melo Costa ACS, Sousa DS. Professional satisfaction in the hospital context and the humanized performance of clown doctors. Research, Society and Development, 11(17) (2022). e48111733389. https://doi.org/10.33448/rsd-v11i17.33389.
Frau Naby May
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Mi
13 Mär
14:30 - 17:00
DGUV-Kolloquium
Arbeitsmedizinisches Kolloquium der DGUV "Klimawandel und gesundheitliche Auswirkungen am Arbeitsplatz"
Eine Veranstaltung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. ► Hier geht es zur kostenlosen Online-Teilnahme (Link noch nicht aktiv)
Die Teilnahme wird mit 3 CME-Punkten zertifiziert.

Klimawandel und gesundheitliche Auswirkungen am Arbeitsplatz (PDF-Flyer)
14:30 Uhr  Begrüßung/Moderation (Thomas Brüning)
14:35 Uhr  Wie der Klimawandel auf die Gesundheit wirkt und was jetzt zu tun ist (Claudia Hornberg)
15:00 Uhr  Hitze - wenn zu Hause bleiben keine Lösung ist (Frank Werner)
15:25 Uhr  Auswirkungen der UV-Strahlung und mögliche Präventionsmaßnahmen (Hans Drexler)
15:50 Uhr  Pause
16:05 Uhr  Klimastress, Allergien und Infektionen – wie hängt das zusammen und wie relevant ist das für die Arbeitswelt? (Monika Raulf)
16:30 Uhr  Psychologische Aspekte des Klimawandels: Herausforderungen und Strategien (Marlen Cosmar)
16:55 Uhr  Schlusswort (Thomas Brüning)
Raum: Hörsaal/Onlineraum 3 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 384)
Vorsitz: Thomas Brüning
Beiträge:
1
Der anthropogene Klimawandel ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Durch die Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur und die Zunahme von Extremhitzeereignissen wird die gesundheitliche Belastung für die Bevölkerung in Deutschland steigen. Auch ist eine höhere Anzahl an Starkregenereignissen, Überflutungen und Waldbränden zu erwarten. In Städten können sich durch Versiegelung, enge Bebauung und unzureichende Luftzirkulation Hitzeinseln bilden, in denen die Lufttemperatur im Vergleich zum Umland, vor allem nachts, signifikant höher liegt.

Hitze kann zu Hyperthermie, Hitzeschlag und Herz-Kreislauf-Symptomen führen. In Kombination mit Umweltnoxen wie Ozon kann Hitze zu einer erhöhten Anzahl von Asthmaanfällen beitragen. Auch steigt das Risiko von Arbeitsunfähigkeiten und Unfällen im Arbeitskontext. Besonders extreme Hitzeereignisse haben höhere Hospitalisierungs- und Mortalitätsraten zur Folge. Ältere, Kinder, chronisch kranke Menschen und Personen, die primär im Freien arbeiten, sind besonders von Hitzeauswirkungen betroffen. Aber auch Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status sind häufiger und stärker gegenüber Hitze exponiert. Besonders gesundheitsgefährdend sind „Tropennächte“, in denen die Temperatur nicht unter 20° C fällt und der Körper sich nicht ausreichend von der Hitze erholt.

Hitzeaktionspläne liefern zielgruppenspezifische Maßnahmen zur Reduzierung von Hitzeauswirkungen, wie die Öffnung von gekühlten Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit oder die Ansprache von gefährdeten Personengruppen. Die Arbeit auf Quartiersebene ist geeignet, um lokale Ansätze mit Anwohner:innen und Stakeholder:innen zu erarbeiten.
Im Arbeitskontext sind die Bewusstseinsschärfung für die Auswirkungen des Klimawandels sowie die Implementierung geeigneter Maßnahmen notwendig, um die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten. Zudem müssen Strategien für Gesundheits- und Sozialsysteme ausgearbeitet werden, damit diese auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet sind.

Die gebaute Umwelt sollte so gestaltet werden, dass sie den dort lebenden und arbeitenden Personen Ressourcen zur Hitzebewältigung bietet. Urbane Grünflächen und innerstädtische Gewässer können dazu beitragen, die Temperaturen zu senken. Sie sind zudem wichtige Retentionsflächen bei Starkregenereignissen. Pflanzen bieten Schatten und kühlen durch Evapotranspiration die Umgebung: insbesondere Gebäudebegrünungen können in Innenstädten einen wertvollen Beitrag leisten. Bei der Nachverdichtung von Städten sollten Kaltluftschneisen bewahrt werden.

Frau Claudia Maria Hornberg
Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät, Bielefeld
2
Im Beruf ist UV-Strahlung die bedeutendste arbeitsbedingte krebserzeugende Einwirkung. UV-Strahlung wird eingeteilt in UVC-Strahlung, das ist der Anteil der solaren UV-Strahlung, der die Erdoberfläche nicht erreicht, in UVB-Strahlung, die Sonnenbrand und spezifische DNA-Schäden verursacht und die langwelligere UVA-Strahlung, die keinen Sonnenbrand und keine direkten DNA-Schäden verursacht. UV-Strahlung kann vom Menschen nicht wahrgenommen werden. Die akuten Folgen der UVB-Strahlung (Sonnenbrand) zeigen sich mit einer Latenz von mehreren Stunden. Die Folgen der chronischen UVA-Belastung sind u.a. Hautalterung und Immunsuppression. Für die Entstehung von Hautkrebs sind sowohl UVB- als auch UVA-Strahlung bedeutsam. Lichtschutzmittel sind besonders geeignet die UVB-Strahlung zu filtern und damit den Sonnenbrand zu verhindern. Im UVA-Bereich ist der Schutz deutlich schlechter.

Präventionsmaßnahmen sollten auch bei der UV-Belastung nach dem STOP-Prinzip erfolgen, wobei eine Substitution nur bei Exposition gegenüber künstlicher UV-Strahlung diskutiert werden kann. Eine technische Maßnahme ist die Beschattung, die effektiver als Sonnenschutzmittel die Exposition vermindern kann. Bei den organisatorischen Maßnahmen ist zu berücksichtigen, dass die UV-Exposition unabhängig von der Temperatur einwirkt. Relevant für die UV-Belastung des Menschen sind die Expositionen in den Monaten März bis September, wobei die UV-Belastung an kühlen Tagen im Frühling oftmals unterschätzt wird. Der wichtigste persönliche Schutz ist die geeignete Kleidung und Kopfbedeckung. Textilien mit besonders beworbenen UV-Schutz sind nicht erforderlich. Dort, wo textiler Schutz nicht möglich ist (Gesicht), sollen Lichtschutzmittel mit hohem Schutzfaktor eingesetzt werden. Die Augen müssen mit geeigneten Brillen geschützt werden.
Wesentliches Element der arbeitsmedizinischen Vorsorge ist die Anamnese und Beratung. Hier sind insbesondere gut bräunende dunkle Hauttypen darauf hinzuweisen, dass sie zwar weniger schnell als ihre hellhäutigen Kollegen einen Sonnenbrand bekommen, ihr Risiko ein Plattenepithelkarzinom zu bekommen, aber kaum reduziert ist. Anhand des Bräunungsmusters kann man erkennen, mit welcher Kleidung gearbeitet wird, was bei ungenügendem textilem Schutz anzusprechen ist. Die Krebsfrüherkennungsuntersuchung, die fälschlicherweise oftmals auch als „Krebsvorsorgeuntersuchung“ bezeichnet wird, sollte nicht Schwerpunkt der arbeitsmedizinischen Vorsorge sein.

Herr prof. dr. Hans Drexler
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
3
Es wird immer deutlicher, dass der Klimawandel erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme und die in ihnen lebenden Organismen hat. Das Ausmaß wird vor allem durch die zunehmende Häufigkeit, Dauer und Intensität von Extremereignissen wie Hitzewellen, Dürren, Stürmen, Starkregen, Überflutung und Waldbränden deutlich sicht- und spürbar.

Diese Folgen des Klimawandels wirken sich auf direkte und indirekte Weise vielfältig auf die Bedingungen von Beschäftigten an unterschiedlichen Arbeitsplätzen aus. Bei den mit dem Klimawandel verbundenen Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz sollten neben den Stressoren wie Hitze, UV-Strahlung auch Allergien und Infektionserkrankungen verstärkt adressiert werden. Auch berufliche Allergien werden durch den Klimawandel direkt und indirekt beeinflusst. Dabei sind besonders Beschäftigte betroffen, die im Freien arbeiten.

Zu einer Verstärkung der gesundheitlichen Probleme von allergischen Personen, insbesondere während beruflicher Tätigkeiten im Freien, kann es nicht nur allein durch tätigkeitsbedingte Exposition, sondern auch durch die intensivere und längere Pollensaison, die sich in den letzten Jahren klimabedingt stärker auswirkt, kommen. Weiterhin können berufliche Expositionen zu sogenannten Profiteuren des Klimawandels wie dem z.B. Eichenprozessionsspinner oder dem Pilz Cryptostroma corticale gesundheitliche Beschwerden bei den Beschäftigten induzieren.

Der Klimawandel, aber auch der globale Warenhandel, bringen neue Tierarten nach Deutschland, wobei sich insbesondere die Mückenlandschaft auch bei uns verändert. Überträger von Infektionskrankheiten wie die Asiatische Tigermücke und die Japanische Buschmücke fühlen sich bei uns immer wohler. Aber auch heimische Tiere, wie die Zecken, sind Profiteure des Klimawandels. Der Gemeine Holzbock ist die Zeckenart, die ubiquitär in Europa verbreitet ist und sich durch wärmere Winter in immer nördlichere und höher gelegene Gebiete ausbreitet. Diese Zecken sind nicht nur bedeutsam als Überträger von Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), sondern können auch allergische Reaktionen, das sogenannte Alpha-Galalactose-Syndrom, verursachen.

Weiterhin können Lebensstil-Veränderungen, die primär dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit dienen, zu neuen Produkten und Herstellungsprozessen und damit auch zu neuen sensibilisierenden Gefährdungen an Arbeitsplätzen führen. Daher sind adressatenspezifische Informationen der betroffenen Berufsgruppen über mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Tätigkeiten und Expositionen erforderlich, um bezüglich der Risiken aufzuklären und entsprechende Schutzmaßnahmen einzuführen.

Frau Prof. Dr. Monika Raulf
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
4
Akute Einwirkungen und Anforderungen beeinflussen die menschliche Psyche gemäß dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell ebenso wie die genetische Disposition oder Erfahrungen und Erlebnisse im Verlauf des Lebens.

Der Klimawandel gehört zu diesen Stressfaktoren. Die damit einhergehenden teilweise bereits weitreichenden Veränderungen der Lebensbedingungen beeinflussen neben körperlichen auch psychische Gesundheitsaspekte. Inzwischen liegen Ergebnisse von einzelnen Studien, Reviews und Metaanalysen vor, aus denen sich klimawandelbezogene Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Erkrankungen ableiten lassen.

Es lassen sich grob zwei Bereiche unterscheiden, die akute und die chronische Exposition (Walinski et al., 2023). Die akute Exposition betrifft Extremwetterereignisse wie Sturm oder Überschwemmung sowie Brände. Zu den chronischen Faktoren zählen Hitze, Nahrungsmittelknappheit, Dürre und in Folge klimabedingte Migration. Die einzelnen Faktoren wirken sich unterschiedlich auf die menschliche Psyche aus und stellen vor allem Risikofaktoren für die Entwicklung Posttraumatischer Belastungsstörungen, sonstiger Angststörungen sowie Depression dar. Dabei lassen sich auch besonders vulnerable Gruppen, wie psychische erkrankte Menschen und Kinder identifizieren. Besonders hier müssen Präventionsmaßnahmen ansetzen. Auch im Arbeitskontext sind zunehmend Präventionsmaßnahmen notwendig, die solche Einwirkungen berücksichtigen und mögliche negative Folgen möglichst vermeiden.

Einschränkend muss bei der Betrachtung der Studienlage aber darauf verwiesen werden, dass es sich weitestgehend um nicht randomisierte und wenig kontrollierte Studien handelt. Auch liegen vordergründig Querschnittsbefunde vor.

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Frau Marlen Cosmar
Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG), Dresden
Mi
13 Mär
17:45 - 20:00
DGAUM Mitglieder
Mitgliederversammlung der DGAUM mit Vorstandswahlen
Geschlossene Präsenz-Veranstaltung für DGAUM-Mitglieder
Raum: Hörsaal 3 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 384)
Vorsitz: Thomas Kraus und Volker Harth
Mi
13 Mär
08:00 - 09:00
Aktionsbündnis ArbM
Aktionsbündnis Arbeitsmedizin: Vorstandssitzung
Geschlossene Veranstaltung
Raum: Hörsaal 2 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Thomas Kraus
Mi
13 Mär
09:15 - 10:30
Aktionsbündnis ArbM
Aktionsbündnis Arbeitsmedizin: Mitgliederversammlung
Geschlossene Veranstaltung
Raum: Hörsaal 2 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Thomas Kraus
Do
14 Mär
12:30 - 14:30
Aktionsbündnis ArbM
Aktionsbündnis Arbeitsmedizin: Nachwuchssymposium für Studierende
Geschlossene Veranstaltung für eingeladene Studentinnen und Studenten
 
Raum: Seminarraum 17 (Standort: ZeUS, Anzahl der Sitzplätze: 20)
Vorsitz: Andrea Kaifie-Pechmann
Mi
13 Mär
09:00 - 11:00
DGAUM Forum
Forum der AG Atemwege/Lunge
  1. Die neue „Wie-BK“ COPD – Quarzstaub; Erste Erfahrungen aus medizinischer Sicht (Prof. Dr. med. Dennis Nowak)
  2. Die neue Leitlinie „nasaler Provokationstest“ (Dr. med. Ulrike Förster-Ruhrmann)
  3. Qualitätssicherung in der Diagnostik beruflich bedingter Allergien (Dr. Sabine Kespohl)
  4. Therapie der Lungenfibrose (Dr. Jürgen Behr)
Raum: Hörsaal/Onlineraum 8 (Standort: 2. OG, Anzahl der Sitzplätze: 180)
Vorsitz: Christian Eisenhawer und Nicola Kotschy-Lang
Beiträge:
1
Hintergrund: Derzeit sind mehr als 400 Arbeitsstoffe als potenziell IgE-sensibilisierend dokumentiert und jedes Jahr kommen neue dazu, bei gleichzeitiger Reduktion kommerziell verfügbarer Allergenextrakte für Haut- und Provokationstestungen.
Methoden: Für relevante Allergene, die gemeinsam mit den Unfallversicherungsträgern bestimmt wurden, soll im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ein Plan B erarbeitet werden, um standardisierte Allergentestextrakt auch dann noch verfügbar machen zu können, wenn kommerzielle Allergenlösungen vom Markt verschwinden. Neben regulatorischen Aspekten sind auch zahlreichen Prüfverfahren zur Identität, Variabilität, Stabilität sowie Sterilität der Proben nötig, sowie standardisierte Herstellungsprotokolle (SOPs). Eine Bedarfsabschätzung für Allergentestlösungen erfolgte anhand der statistischen Daten von DGUV und SVLFG sowie durch eine Abfrage bei den Unfallversicherungsträgern.
Ergebnisse: Entsprechend der Statiken zur BK 4301 (allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen, einschließlich Rhinopathie) wurden 2018 – 2020 insgesamt 2861 Fälle anerkannt. Davon waren in 69% Mehl und Backprodukte ursächlich, Tierhaare und Epithelien waren in 12,5% der Fälle der Auslöser, gefolgt von 3,3% Staub aus Nahrungs-und Futtermitteln (Fisch, Meeresfrüchte, Milben) und 2,2 % Schimmelpilzen. Durch den Wegfall des Unterlassungszwangs kam es 2021 zu einer Vervierfachung der anerkannten BK 4301 Fälle (1368 Fälle) und auch 2022 blieb die Anzahl deutlich erhöht (633 Fälle). Die standardisierte IgE-Diagnostik von beruflichem Asthma oder Rhinitis ist nicht nur ein wichtiges Tool für die Anerkennung und Entschädigung im BK-Verfahren, sondern auch für die Prävention und damit für die Expositionsvermeidung. Mit den entwickelten SOPs kann die Identität von Allergenmaterialen in Apotheken geprüft werden und aus proteinreichen Allergenmaterialien Hautpricktest-Lösungen qualitätsgesichert hergestellt werden. Prinzipiell könnte bei fehlenden kommerziellen Extrakten die sterile Allergentest-Rezeptur in der Apotheke eine Möglichkeit darstellen, die entstandene diagnostische Lücke bei den Berufsallergenen zu schließen. Allerdings besteht noch rechtlicher und regulatorischer Klärungsbedarf. Zu bevorzugen ist eine Sicherung der Verfügbarkeit von Testextrakten durch die Allergenhersteller.
Schlussfolgerung: Eine Reduktion kommerzieller Testextrakte für Berufsallergene sollte unbedingt vermieden werden, um die medizinische Versorgung der betroffenen Beschäftigten zu sichern.

Frau Dr. Sabine Kespohl PhD
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
2
Auf dem großen Gebiet der Lungenfibrosen stellt die idiopathische Lungenfibrose (idiopathische pulmonale Fibrose, IPF) eine Modellerkrankung dar, die sich durch einen besonders ungünstigen Verlauf und eine hohe Mortalität von ca. 50 % innerhalb von 2 bis 4 Jahren nach Diagnosestellung auszeichnet. Die Progression der IPF lässt sich anhand eines Abfalls der forcierten Vitalkapazität (FVC) sehr gut messen, wobei der durchschnittliche FVC-Abfall eines IPF Patienten ca. 200 ml pro Jahre beträgt im Vergleich zu ca. 30 ml/Jahr eines Lungengesunden. In klinischen Therapiestudien konnte für zwei Medikamente, Pirfenidon und Nintedanib, gezeigt werden, dass der FVC-Abfall und ca. 50 % reduziert werden kann, gleichzeitig wird auch die Belastbarkeit gemessen als 6-Minuten Gehstrecke stabilisiert (Pirfenidon) und das Auftreten von akuten Exazerbationen reduziert (Nintedanib). Für beide Medikamente werden, basierend auf präklinischen Analysen, antifibrotische Wirkungsmechanismen postuliert. Aktuelle Leitlinien empfehlen daher, dass IPF Patienten nach Diagnosestellung mit Nintedanib oder Pirfenidon behandelt werden sollen, unabhängig vom Grad der funktionellen Einschränkung. Inzwischen konnte gezeigt werden, dass auch bei einer Vielzahl weiterer interstitieller Lungenerkrankungen (ILD) fibrosierende Krankheitsverläufe mit ähnlich ungünstigem Ausgang wie bei der IPF auftreten können. In einer klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Patienten mit fibrosierender ILD im hochauflösenden Dünnschicht-Computertomogramm (HRCT) und Nachweis eines fortschreitenden Verlauf ebenfalls von einer antifibrotischen Therapie mit Nintedanib profitieren. Dies führte zur Zulassung von Nintedanib zur Therapie der progredient-fibrosierenden Verlaufsform verschiedenster ILD (progrediente pulmonale Fibrose, PPF). Die Studienlage für Pirfenidon für PPF Patienten ist weniger überzeugend, weshalb für Pirfenidon bisher für die Indikation PPF keine Zulassung existiert. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass fibrosierende Lungenerkrankungen wie die IPF oder fibrosierende ILD mit progredientem Verlauf (PPF) von einer Antifibrotischen Therapie profitieren, während zumindest für die IPF immunsuppressive Therapien mit oralen Kortikosteroiden und/oder Zellzyklusinhibitoren (z.B. Azathioprin) potentiell gefährlich und deshalb kontraindiziert sind und auch bei PPF Patienten kritisch zu sehen sind.
Herr Prof. Dr. med. Jürgen Behr
LMU Klinikum der Universität München, München
Mi
13 Mär
09:00 - 11:00
Bundeswehr
Symposium der Bundeswehr
Zu diesem Symposium sind alle Kongressgäste herzlich eingeladen
  • 09:00 Uhr  Begrüßung (GSA Dr. Holtherm / OTA d. R. Prof. Dr. Dr. Groneberg / OTA Dr. Roy)
  • 09:30 Uhr  Innovative Körperkühlung bei extremer Hitzeexposition in Fahrzeugen (ORR'in Dr. Richter)
  • 09:50 Uhr  Gerinnungsstörungen durch Hypothyreose: Unbekannte Erhöhung der Blutungsneigung bei Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr (OFA PD Dr. Hoffmann)
  • 10:10 Uhr  Wirkungen von Zusatzlasten auf die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit (Dr. Klughardt)
  • 10:30 Uhr  Bewerbung einer Online-Maßnahme im Betrieblichen Gesundheitsmanagement der Bundeswehr- ein Erfahrungsbericht (OTA Dr. Roy)
  • 10:50 Uhr  Resümee der Veranstaltung (OTA Dr. Densow / OTA Dr. Roy)
  • 11:00 Uhr  Ende
Raum: Hörsaal/Onlineraum 4 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: David A Groneberg und Rubina Roy
Mi
13 Mär
20:00 - 22:00
DGAUM Get-Together
Get-Together der DGAUM
Die Teilnahme ist kostenfrei. Mit freundlicher Unterstützung von Alfons W. Gentner Verlag GmbH & Co. KG.

Raum: Foyer (Standort: Foyer)
Mi
13 Mär
14:45 - 17:30
DGAUM Nachwuchs
Nachwuchssymposium der DGAUM I
Geschlossene Veranstaltung für eingeladene Nachwuchswissenschaftler/innen
Raum: Hörsaal 7 (Standort: 2. OG, Anzahl der Sitzplätze: 180)
Vorsitz: Simone Schmitz-Spanke
Mi
13 Mär
14:45 - 17:30
DGAUM Nachwuchs
Nachwuchssymposium der DGAUM II
Geschlossene Veranstaltung für eingeladene Nachwuchswissenschaftler/innen
Raum: Hörsaal 8 (Standort: 2. OG, Anzahl der Sitzplätze: 180)
Vorsitz: Jessica Lang
Mi
13 Mär
14:00 - 14:30
Themenschwerpunkt
Keynote Lecture "Global Occupational Health & Wellbeing"
Redner: Dr. med. Andreas Tautz (DHL-Group)
Raum: Hörsaal/Onlineraum 2 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Jessica Lang
Do
14 Mär
13:30 - 14:00
Themenschwerpunkt
Keynote Lecture "Vorsicht, Luft! Biomonitoring deckt auf, was die Luftmessung nicht sieht."
Rednerin: Prof. Dr. med. Simone Schmitz-Spanke (Universität Erlangen-Nürnberg)
Raum: Hörsaal/Onlineraum 3 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 384)
Vorsitz: Bernd Roßbach
Fr
15 Mär
13:30 - 14:00
Themenschwerpunkt
Keynote Lecture "Arbeitsmedizin digital"
Redner: Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Stephan Letzel (Mainz)
Raum: Hörsaal/Onlineraum 3 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 384)
Vorsitz: Hans Drexler
Sa
16 Mär
09:00 - 15:00
Online-Symposium
Rehabilitation und Begutachtung nach COVID-19 im Rahmen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)
Eine Veranstaltung mit freundlicher Unterstützung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).
Die Teilnahme ist kostenlos und wird mit 6 CME-Punkten zertifiziert.

Leitung: Albert Nienhaus, Dennis Nowak, Stephan Letzel

Block I: 9:00 - 10:30 Uhr  Online teilnehmen (Link noch nicht aktiv)
Moderation und Begrüßung: Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Stephan Letzel
  1. COVID-19 als Berufskrankheit und Arbeitsunfall. Wie viele laufende Fälle gibt es? – Analyse der Daten der DGUV (Stephanie Schneider)
  2. Post-COVID-Check und erste Ergebnisse aus dem COVID-Register (Prof. Dr. med. Peter Schwenkreis, Dr. Agnessa Kozak)
  3. Konzept und Erfahrungen der COVID-19 Rehabilitation in der BG-Klinik Bad Reichenhall (Dr. med. Michael Stegbauer)
  4. Fragen und Antworten
Block II: 11:00 - 12:30 Uhr  Online teilnehmen (Link noch nicht aktiv)
Moderation: Prof. Dr. med. Dennis Nowak
  1. Evaluation der stationären Rehabilitation nach COVID-19 in der BG-Klinik Bad Reichenhall (Dr. Karin Müller)
  2. Evaluation der ambulante Reha nach COVID-19 (Svenja Mertens)
  3. Berufliche Wiedereingliederung nach COVID-19 (Franziska Dilling)
  4. Begutachtung nach COVID-19 als Versicherungsfall der DGUV – Rechtliche Voraussetzungen (Christian Frosch, Jörg Schudmann)
  5. Fragen und Antworten
Block III: 13:30 - 15:00 Uhr  Online teilnehmen (Link noch nicht aktiv)
Moderation: Prof. Dr. med. Albert Nienhaus
  1. Begutachtung der neurologischen Folgen (Prof. Dr. med. Martin Tegenthoff)
  2. Begutachtung der neuropsychologischen Folgen einschließlich Fatigue (Jaquelin Noer, M.Sc.)
  3. Begutachtung der pulmonalen Funktionsschäden einschließlich dysfunktionaler Atmung (Prof. Dr. med. Dennis Nowak)
  4. Begutachtung der kardiologischen Funktionsschäden (N.N.)
  5. Fragen und Antworten, Verabschiedung
Raum: Onlineraum 4 (Standort: Online)
Do
14 Mär
08:30 - 09:45
Vorträge
Biomarker
Raum: Hörsaal/Onlineraum 2 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Julia Krabbe und Anna Wolfschmidt-Fietkau
Beiträge:
1
Zielsetzung: Die WHO (World Health Organisation) definiert Fasern als elongierte Partikel mit einem Länge:Breite-Verhältnis von 3:1. Mineralfasern mit bestimmten Abmessungen stehen unter Verdacht krebserregend zu sein. Nach Inhalation von Fasern bewirken diese überwiegend eine lokale Entzündung der Atemwege und Lunge. Wenig bekannt ist allerdings, welchen tatsächlichen Einfluss die Morphologie der Fasern auf das Entzündungspotential hat. Um dieser Frage nachzugehen, wurde zunächst im Rahmen eines Proof of Concepts untersucht, ob mittels synthetischer Fasern mit definierter Morphologie eine Entzündungsreaktion in Zellen induziert werden kann.

Methoden: Lungenmakrophagen der Ratte (NR8383) wurden gegenüber synthetischen Silikat-Fasern in zwei unterschiedlichen Konzentrationen (16µg/cm2 und 32 µg/cm2) exponiert. Anschließend wurde die RNA aus den Zellen isoliert und die Expression von 84 ausgewählten Chemokinen und Zytokinen mittels RT-qPCR gemessen. Als Kontrolle dienten nicht exponierte NR8383-Rattenmakrophagen.

Ergebnisse: Für 24 der untersuchten 84 Gene konnte eine statistisch signifikante Veränderung der Expression (fold change >2 oder <0,5 sowie p-Wert <0,05) bestimmt werden. Die Mehrzahl der Gene wurde dabei konzentrationsabhängig induziert.

Schlussfolgerungen: Die Expression bekannter Gene nach Exposition gegen synthetische Silikat-Fasern ist mit der Expression nach Exposition gegen Asbest oder multi-walled carbon nanotubes vergleichbar. Somit sind synthetische Fasern prinzipiell geeignet, um eine inflammatorische Wirkung auf RNA-Ebene aufgrund der Faser-Morphologie zu induzieren.
Herr Dr. rer. nat. Daniel Weber
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
2
Introduction: The use of modern information and communication technologies at modern workplaces is often accompanied by an increase in multitasking (MT) requirements. This is often associated with an increase in perceived stress, especially in the older. We used biomarkers to investigate physiological stress responses of the Sympathetic Nervous System (SNS), the Parasympathetic Nervous System (PNS), and the hypothalamic-pituitary-adrenal (HPA) axis to MT demands.
Methods: N = 69 younger (21.7 ± 4.4 years, 18 male) and N = 80 older (70.7 ± 5.1 years, 22 male) people participated in our pre-registered study and were randomly assigned to either a single-tasking (ST) or a MT condition. The primary task was a digital sentence verification task, which was interrupted by the secondary task (push-up notifications, which should be memorized) in the MT condition. Saliva samples were taken before, immediately after, +10, +20, and +35 minutes after the task and the electrocardiogram was recorded continuously. Salivary alpha-amylase (sAA) and heart rate (HR) were used as biomarkers for SNS reactivity, cortisol as biomarker for HPA axis activity, and the RMSSD of the heart rate variability (HRV) as PNS measure.
Results: Task performance was higher in the ST than in the MT condition, and the expected age effects were found. Both, sAA and HR decreased throughout the session in the younger participants but increased during and decreased afterwards in the older. Moreover, SNS activity was higher in the MT than in the ST condition in both age groups. HRV was significantly higher in the younger than in the older but did not significantly change and did not differ between the ST and MT condition. Cortisol levels decreased throughout the session in both conditions and in both age groups with the exception that a cortisol increase between +20 and +35 minutes was found for the older participants in the MT condition.
Discussion: Our study confirms that biological stress responses to MT differ between older and younger adults. Only the older showed responses of both, the SNS and the HPA axis in the MT condition, indicating that solely this age group was biologically stressed. This has important implications for the design of modern (digitalized) workplaces for the older, because an SNS- or HPA axis overactivation can have severe health consequences in the long-term. Programs that teach this target group how to cope with MT demands and, thus, help to reduce stress are needed.
Frau Dr. Linda Becker
Vinzenz Pallotti University, Vallendar
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
3

Einleitung

Die Exposition gegenüber luftgetragenen Stoffen wie Gasen, Dämpfen und Partikeln ist nach wie vor ein relevantes Gesundheitsrisiko an vielen Arbeitsplätzen. Ein aktuelles Thema ist die Untersuchung der gesundheitlichen Auswirkungen von Partikeln (z. B. Schweißrauchen), die Zinkoxid (ZnO) enthalten.
Unter anderem veranlassten Ergebnisse einer Studie des IPA zur Exposition von Menschen gegenüber ZnO im Jahr 2018 das dänische Nationale Forschungszentrum für die Arbeitsumwelt 2021, einen neuen, stark abgesenkten Vorschlag für einen Arbeitsplatzgrenzwert für Zink an Arbeitsplätzen zu formulieren. Dabei wurde die No Observable Effect Concentration (NOEC) von 0,5 mg/m3 ZnO zum einen mit einem Zeitextrapolationsfaktor (vierstündige Expositionszeit auf Achtstundenschicht) von zwei versehen und zum anderen ein Sicherheitsfaktor von fünf angelegt mit dem Argument, dass die gemessenen Effektparameter der Probanden stark schwankten und nur gesunde, junge Personen untersucht wurden. Daraus resultierend wurde ein Zink-Grenzwert von 40 µg/m3 vorgeschlagen. Es stellt sich die Frage, ob die Anwendung der Faktoren gerechtfertigt ist.

Methoden

Seit der Veröffentlichung des dänischen Berichts sind weitere Studien mit ZnO durchgeführt worden. Im folgenden Beitrag werden Argumente für die Ableitung des neuen Grenzwerts für Zink aus dem dänischen Bericht diskutiert und erweitert um die seit 2018 publizierten Ergebnisse.

Ergebnisse

Insbesondere die Anwendung von Zeitextrapolationsfaktoren bedarf weiterer Diskussion und Harmonisierung zwischen den Regulierungsbehörden. Aufgrund der aktuellen Publikationen seit 2018, in denen die Datenlage durch höhere Fallzahlen gefestigt wurde, lässt die Anwendung eines Faktors von fünf aufgrund stark schwankender Werte als zu hoch erscheinen.

Schlussfolgerung / Diskussion

Dieser Beitrag stellt den aktuellen Stand der Sachlage zu ZnO dar und dient damit den Regulierungsbehörden als Diskussionsgrundlage zur Ableitung eines Arbeitsplatzgrenzwertes für Zink.
Herr Dr. Christian Monsé
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
4

Einleitung

Der Immunpathomechanismus, der zu post-COVID führt, ist bisher nicht vollständig geklärt. Im Rahmen einer Längsschnittstudie wurden Blut und Serum von 72 COVID-19 Erkrankten (PCS), die noch bis zu 750 Tagen (Median 422 Tage) nach Infektion Beschwerden hatten hinsichtlich einiger Immunparameter untersucht

Methoden

Anhand eines Fragebogens erfolgte bei den Betroffenen ein Symptomcheck. Im Serum wurden 13 verschiedener Zytokine (Neuroinflammation panel) im Multiplexverfahren analysiert. Weiterhin wurden die Entzündungsmarker Serum Amyloid A (SAA) und C-reaktives Protein (CRP) bestimmt. Seren von COVID-19- Genesenen ohne anhaltende Beschwerden und Personen, die nie mit SARS-CoV-2 Kontakt hatten, dienten als Kontrollen. Zusätzlich wurde Vollblut mit SARS-CoV-2 Peptiden stimuliert und sowohl die Interferon γ Freisetzung (IGRA, Euroimmun) als auch die Expression von Zelloberflächenmarkern bestimmt (CD3; CD19; CD4; CD8; CD25, CD45RA, CD45RO, CD197)

Ergebnisse

Fatigue/Erschöpfung war für alle PCS das vorherrschende Symptom, gefolgt von Konzentrationsstörungen (82%) und Kurzatmigkeit (72%). Die SAA-Konzentration im Serum der PCS lag signifikant höher als in den beiden Kontrollgruppen. Anhand der SAA-Mediankonzentration (33561 ng/ml) wurden die PCS-Seren in eine „SAA low“ und eine „SAA high“ Gruppe aufgeteilt. Probanden der „SAA high“ Gruppe hatten einen signifikant höheren BMI, mehr Neutrophile im Blut, höhere CRP-Werte, nannten mehr Symptome und unterschieden sich im Zytokinspektrum von der „SAA low“ Gruppe. Hinsichtlich der Vorerkrankungen dominierten in der „SAA high“ Gruppe Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen, in der „SAA low“ Gruppe dagegen neurologische Symptome wie Kopfschmerzen.

Schlussfolgerung / Diskussion

Post-COVID umfasst ein weites Spektrum an Symptomen und immunologischen Veränderungen. Entzündungsmarker wie SAA können hilfreich sein, um Gruppen unterschiedlicher Genese voneinander abzugrenzen.

Frau Dr. Verena Liebers
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
5

Einleitung

Im Rahmen der Produktion von Perfluoroctansäure (PFOA) in einem Industriebetrieb in Gendorf im Landkreis Altötting kam es im Zeitraum von den 1960er Jahren bis 2008 zu einer großflächigen Kontamination der Umwelt und einer Belastung der dort lebenden Bevölkerung, wobei das Trinkwasser als wesentliche Quelle galt. Bei einem Human-Biomonitoring (HBM) im Jahr 2018 wurden erhöhte PFOA-Werte im Blut der teilnehmenden Personen festgestellt. Nach Ablauf einer Halbwertszeit von vier Jahren wurde im Jahr 2022 erneut ein HBM im Landkreis Altötting durchgeführt und es zeigte sich, dass die ergriffenen Maßnahmen zur Sanierung der Trinkwasserversorgung wirksam waren und zu einer deutlichen Reduktion der PFOA-Gehalte im Blut der Bevölkerung geführt haben. Da diskutiert wird, dass PFOA bei hoher Exposition einen negativen Einfluss auf das Immunsystem haben könnte, wurden zusätzlich verschiedene Antikörperspiegel (Diphtherie, Tetanus, SARS-CoV-2) im Blut untersucht, um Hinweise auf einen möglichen Einfluss der inneren PFOA-Belastung auf die Immunantwort zu erhalten.

Methoden

Die untersuchten Personen wurden anhand des HBM-II-Wertes in zwei Gruppen unterteilt: Untersuchungsteilnehmende mit PFOA-Werten unter und über dem HBM-II-Wert von 10 µg/l. Während es bei der Diphtherie- und Tetanusimpfung bereits etablierte Werte für Antikörper im Blut gibt, bei denen von einem bestehenden Immunschutz ausgegangen werden kann, liegt für SARS-CoV-2 derzeit kein solcher Schwellenwert vor. Somit konnte bei SARS-CoV-2 nur die Menge der Antikörper erfasst und unter den beiden Probandengruppen verglichen werden. Es erfolgte eine alters- und geschlechtsstratifizierte Auswertung.
​​​​​​

Ergebnisse

Für die Antikörperauswertung wurden Daten von 662 Erwachsenen herangezogen. Es zeigte sich, dass ein ausreichender Immunschutz für Tetanus bei 91,9 %, für Diphtherie hingegen nur bei 41,8 % der untersuchten Personen vorlag. Der Diphtherie-Immunschutz sank mit steigendem Alter deutlich. Die Ausprägung des Diphtherie- und Tetanus-Immunschutzes der Erwachsenen stand in keinem Zusammenhang mit den PFOA-Gehalten im Blut. Bei nahezu allen Teilnehmenden war ein hoher SARS-CoV-2-Antikörperspiegel festzustellen.
​​​​​

Schlussfolgerung / Diskussion

In unserer Studie war kein Einfluss der inneren PFOA-Belastung auf die Immunantwort zu beobachten.
Frau Heidi Lahne
Landesinstitut arbeits- und umweltbezogener Gesundheitsschutz und Produktsicherheit, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), München, Deutschland, München
Do
14 Mär
10:15 - 11:30
Vorträge
Biomonitoring
Raum: Hörsaal/Onlineraum 2 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Michael Bader und Elisabeth Eckert
Beiträge:
1
Der Abbau von polychlorierten Biphenylen (PCBs) wird durch das Ausmaß ihrer Clorierung beeinflusst und hat Auswirkungen auf PCB-Toxizität und Eliminationshalbwertszeit. Generell wird davon ausgegangen, daß durch Dechlorierung PCBs entgiftet werden. PCB28 ist eines der quantitativ wichtigsten Kongenere von industriellen PCB-Gemischen. Zusammen mit anderen niederchlorierten PCBs (z.B. PCB52 und PCB101) kann es regelmäßig in kontaminierten Innenräumen nachgewiesen werden und findet sich im Recycling von Transformatoren und Kondensatoren wieder. Ziel dieser Studie war es die Verstoffwechslung von PCB28 in vitro durch CYP1A2 zu untersuchen.

Für die Verstoffwechslung von PCB28 verwendeten wir bakteriell exprimiertes humanes CYP1A2 oder transgene CYP1A2 exprimierende HEK293 Zellen. Der Nachweis von PCB28 Metaboliten erfolgte mittels einer online-SPE-LC/MS/MS-Methode unter der Verwendung authentischer Standards. Identifizierte Metabolite von PCB28 wurden auf ihr Vorhandensein im Blutplasma der HELPcB-Kohorte überprüft.

Bei der Verstoffwechslung von PCB28 durch rekombinates CYP1A2 konnten wir durch den Vergleich mit authentischen Standards folgende monohydroxylierte, trichlorierte Metabolite, identifizieren: 5-OH-PCB28 (M1, RT 18,76 min), 4-OH-PCB31 (M3, RT 18,28 min) und 3'-OH-PCB28/ 4'-OH-PCB25 (M4/M2, RT 17,09 min). Zusätzlich fiel uns ein weiterer prominenter Ionenpeak mit einer Retentionszeit von 16,25 min auf, der durch Vergleich mit einer Standardreihe als 4,4'-dichlorobiphenyl (3-OH-CB15) identifizierte wurde. Ähnlich waren die Ergebnisse mit transgenen CYP1A2 exprimierenden Zelllinien: auch hier konnten wir alle 4 trichlorierten PCB28 Metaboliten nachweisen. Darüber hinaus bildeten CYP1A2-Zellen 3-OH-CB15 aus PCB28, das wir auch in Plasmaproben aus der HELPcB-Kohorte nachweisen konnten.

Wir zeigen hier zum ersten mal die Entstehung 3-OH-CB15 aus PCB28 durch partielle Dechlorierung. PCB15 zeigte in früheren Studien sowohl in vitro als auch in vivo eine mutagene Wirkung, desweiteren wurde die Bildung eines von PCB15 abgeleiteten Hydrochinons (PCB15-HQ) nachgewiesen. In Initiations-Promotions-Experimenten zeigte PCB15 eine tumorauslösende Wirkung in Ratten. Es sollte demnach -entgegen der allgemeinen Ansicht, dass die Dechlorierung von PCBs mit ihrer Entgiftung einhergeht, im Fall des WHO-Indikators PCB28 eine differenziertere Betrachtung erfolgen: der Stoffwechsel von PCB28 zu hydroxyliertem PCB15 und weiteren nachgeschalteten Hydrochinon-Metaboliten muss bei der Bewertung des potenziellen Risikos von PCB-Gemischen berücksichtigt werden.

Herr Patrick Ziegler
2
Einleitung
Topischer Sonnenschutz ist ein wichtiger Bestandteil des UV-Schutzes von Beschäftigten, die ihre Tätigkeit vorwiegend oder teilweise im Freien durchführen. Zu den prominentesten UV-Filtern zählt 2-Ethylhexylsalicylat (EHS). Die systemische Aufnahme von EHS nach dermaler Applikation ist belegt. Offene Fragen bestehen jedoch in Bezug auf den Umfang des Metabolismus und der Toxikokinetik nach dermaler Exposition. Aus diesem Grund wurde eine Humanstudie durchgeführt, bei welcher die renale Ausscheidung von EHS sowie von sieben EHS-Metaboliten nach einmaliger dermaler Exposition gegenüber EHS-haltiger Sonnencreme untersucht wurde.

Methoden
Die Studie wurde an drei Probanden im Alter von 23 – 57 Jahren durchgeführt. Dazu erfolgte eine großflächige Anwendung von Sonnenschutzmitteln, bei der Badebekleidung getragen und 2 mg Sonnencreme pro Quadratzentimeter auf die freie Körperoberfläche appliziert wurde. Im Gegensatz zu der gebräuchlichen Anwendung, fand die Exposition im Innenraum statt, um Einflussfaktoren der Sonneneinstrahlung auf die Aufnahme von EHS zu eliminieren bzw. zu kontrollieren. Die Exposition dauerte 9 Stunden und der Urin wurde über 72 Stunden vollständig fraktioniert gesammelt. Die erhaltenen Urinproben wurden mittels einer UPLC-MS/MS Methode bezüglich EHS sowie der Metaboliten 5OH-EHS, 4OH-EHS, 2OH-EHS, 6OH-EHS, 4oxo-EHS, 5oxo-EHS und 5cx-EPS analysiert. Zudem wurden durch eine spezielle angepasste Konjugathydrolyse die Anteile der Glucuronid- und Sulfat-Konjugate bestimmt. Aus den Daten wurden die toxikokinetischen Kenngrößen errechnet.

Ergebnisse
Nach dermaler Anwendung von EHS-haltiger Sonnencreme, nimmt EHS den größten Anteil an renal ausgeschiedenen Analyten ein, gefolgt von 5OH-EHS, 5oxo-EHS und 5cx-EPS. Geringe Anteile sind 4OH-EHS, 2OH-EHS und 4oxo-EHS zuzuschreiben. 6OH-EHS wird nur in sehr geringen Mengen nachgewiesen. Glucuronide machen den Hauptanteil der Konjugate aus, jedoch weisen 5OH-EHS, 5oxo-EHS sowie 5cx-EPS auch signifikante Sulfatanteile auf. Das Maximum der Ausscheidung wurde für alle Analyten 11,4 Stunden nach Applikation erreicht. Danach erfolgte eine Elimination mit Halbwertzeiten im Bereich von 6,6 – 9,7 Stunden.

Schlussfolgerung
Die Studiendaten zeigen die langsame Aufnahme des UV-Filters durch die Haut und eine relativ langsame Elimination. Außerdem konnten die relevanten Biomarker für ein derartiges Expositionsszenario identifiziert werden. Zudem zeigt die Auswertung, dass die Abbildung von Sulfatkonjugaten für bestimmte Biomarker wichtig für die korrekte Erfassung dieser ist.
Frau Laura Kuhlmann
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Erlangen
3

Einleitung

Das Verbrennen von Holz wird derzeit als nachhaltige Energieform angesehen. Gleichwohl wird bei der Holzverbrennung eine komplexe Mischung partikulärer und gasförmiger Schadstoffe emittiert. Hier sind effiziente Minderungsmaßnahmen notwendig, um die schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Klima zu reduzieren.

Methoden

Zur chemisch-, physikalischen Charakterisierung der Emissionen, mit und ohne Minderungsmaßnahmen, wurde eine breite Palette analytischer Verfahren, eingesetzt. Verwendet wurden Laserphotometer, Elektrometer, FTIR, LC-, GC- und ICP/MS sowie direktanzeigende Reaktionsröhrchen. Als Minderungsmaßnahmen wurde ein Katalysator und ein elektrostatischer Abscheider, separat und in Kombination eingesetzt

Ergebnisse

Der Einsatz des Katalysators zeigt sowohl gegenüber Kohlenstoffmonoxid als auch den leicht (VVOC/VOC wie Formaldehyd und Furfural) bis schwer flüchtigen (SVOC wie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, PAK) organischen Substanzen eine deutliche Minderungswirkung. Durch die Minderung der VVOC/VOC, SVOC hat der Katalysator damit auch das Potential, die Bildung sekundärer organischer Aerosole (SOA) in der Atmosphäre zu reduzieren.
Der elektrostatische Abscheider reduziert die Partikelmassenkonzentration um etwa 60 % und die Partikelanzahlkonzentration (23-1000 nm) deutlich über 90 %. Damit wird vor allem der Ausstoß von feinen und ultrafeinen Partikeln (UFP), also lungengängiger Feinstaub, stark vermindert. Obwohl feuerungsbasiert getestet, wurde eine signifikante Minderung der 16 EPA-PAK festgestellt, die bei den vorherrschenden Temperaturen (ca. 300 °C) nicht oder nur in vernachlässigbaren Anteilen Partikel-gebunden vorliegen. Der gleichzeitige Anstieg von flüchtigen organischen Verbindungen (z. B. Formaldehyd, Furfural 1,3-Butadien, Methacrolein), deutet auf eine (energetisch induzierte durch O/OH-Radikale verstärkte) Spaltung und Transformation größerer organischer Moleküle hin.

Schlussfolgerung / Diskussion

Über die gesamte Bandbreite der betrachteten Schadstoffgruppen weist die Kombination von Katalysator und Abscheider in Summe die höchste Minderungsleistung auf, da sowohl Partikel als auch Organik effektiv gemindert werden. Mit Katalysator und elektrostatischem Abscheider stehen wirksame und vor allem marktverfügbare Minderungstechniken für Kaminöfen bereit.Für die Übertragung des aufgezeigten Minderungspotentials in die Praxis erscheinen vor allem politische und regulatorische Maßnahmen zielführend.
Herr Dr. Manfred Möller
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Aachen
4
Einleitung
Bei Brandeinsätzen sind die Einsatzkräfte der Feuerwehr Brandrauchen ausgesetzt, die polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten. Diese können in den Körper gelangen und sind über Biomonitoring nachweisbar. Ziel dieser Studie ist es, externe Faktoren zu bestimmen, die die Aufnahme von PAK während des Brandeinsatzes beeinflussen.

Methoden
Es wurden 54 Einsatzkräfte, die einen Brandeinsatz bei Wohnungsbränden in drei Großstädten in Deutschland hatten, eingeschlossen. Während einer Eingangsuntersuchung (Grundbelastung) sowie zu drei weiteren Zeitpunkten nach dem Brandeinsatz wurde die aufgenommene Menge an PAK durch den Biomarker 1-Hydroxypyren (1-OHP) bestimmt. Detaillierte Angaben zum Brandeinsatz und persönlicher Schutzausrüstung wurden über einen Fragebogen erfasst und in Beziehung mit der 1-OHP Konzentration gesetzt. Dazu wurden Generalized Estimating Equations Regressionsmodelle verwendet, um den wiederholten Messungen an denselben Einsatzkräften Rechnung zu tragen.

Ergebnisse
Die mittlere 1-OHP-Konzentration war mit 0,37 µg/L 6-8 Stunden nach dem Brandeinsatz am höchsten (maximale Konzentration 5,41 µg/L) und damit 3,7-fach höher als vor dem Einsatz (0,10 µg/L). Die höchsten 1-OHP Konzentrationen wiesen Einsatzkräfte mit Atemschutz im Innenangriff auf. Das Vorhandensein von Rauchgasen (β=0,70; p=0,0591), ein Einsatz von mehr als 30 Minuten unter Atemschutz (β=1,14; p=0,0905), eine Exposition gegenüber dunkelgrauem (β=1,08; p=0,0777) und schwarzem Rauch (β=0,63; p=0,0498), eine rauchfreie Schicht von weniger als einem Meter über dem Boden(β=1,17; p=0,0086) sowie Sichtweiten von 0,5 - 2 Metern (β=1,72; p=0,0010) und kleiner 0,5 Metern (β=1,04; p<0,0001) erhöhten statistisch signifikant die 1-OHP Konzentration.

Schlussfolgerungen
Bei Brandeinsätzen können insbesondere bei Bränden mit einer starken Rauchentwicklung, tiefer Rauchschicht und geringen Sichtweiten PAK aufgenommen werden. Auch bei vollständig und korrekt angelegter persönlicher Schutzausrüstung inklusive Atemschutz erhöht sich das 1-OHP bei einem Innenangriff und auch mit zunehmender Dauer des Einsatzes. Insgesamt zeigen diese Ergebnisse, dass eine korrekt angelegte, funktionsfähige persönliche Schutzausrüstung im Einsatz einsatzbezogene Belastungen gegenüber krebserzeugenden PAK bei Feuereinsatzkräften minimiert, jedoch nicht vollständig eliminiert.
Herr Dr. Dirk Taeger
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
5
Zielsetzung
Durch den Einsatz von 2,4-Dichlorbenzoylperoxid als Radikalstarter bei der Herstellung von Silikongummi kann es bei Arbeitern in der Produktion durch thermischen Zerfall zu Expositionen gegenüber dem Lösungsmittel 1,3-Dichlorbenzol kommen [1]. Der Humanmetabolismus von 1,3-Dichlorbenzol ist bisher noch nicht vollständig erforscht. Von speziellem toxikologischen Interesse ist dabei das Ausmaß der Bildung von Mercaptursäuren als Ausscheidungsprodukte des intermediär gebildeten reaktiven Epoxids. Es war deshalb das Ziel unserer Arbeiten, eine analytische Methode zur Quantifizierung der Mercaptursäuren des 1,3-Dichlorbenzols (2,4- bzw. 3,5-Dichlorphenyl-Mercaptursäure) in Urin zu erarbeiten und diese auf Urinproben von Arbeitern der Silikonindustrie anzuwenden.

Methoden
Es wurden zunächst authentische Standards der Mercaptursäuren synthetisiert sowie deuterium-gelabelte Interne Standards zur akkuraten Quantifizierung. Die Mercaptursäuren wurden dann mit Hilfe einer online-SPE-LC/MS/MS-Methode im Urin quantifiziert. Die Nachweisgrenze der Methode für beide Mercaptursäuren beträgt 0,1 µg/L Urin, die Präzision der Methode liegt im Bereich von 1,7 – 4,3% bei einer Richtigkeit zwischen 99.4 – 109.9 %. Im Rahmen einer DFG-geförderten Studie wurden anonymisiert n=82 Nach-Schicht-Urinproben von Arbeitern eines großen Betriebs gesammelt, in dem Silikonprodukte hergestellt bzw. verarbeitet werden. Diese Urinproben wurden neben den phenolischen Hauptmetaboliten des 1,3-Dichlorphenols auch auf den Gehalt an 2,4- bzw. 3,5-Dichlorphenyl-Mercaptursäure untersucht [2].

Ergebnisse
In 48,8 bzw. 57,3 % der untersuchten Urinproben aus diesem Betrieb konnte die 2,4- bzw. 3,5-Dichlorphenylmercaptursäure quantifiziert werden mit Maximalwerten von 8,8 µg/L bzw. 12 µg/L. Dabei zeigte sich eine recht gute Korrelation zwischen der Gesamt-Ausscheidung der phenolischen Hauptmetabolite und der Summe der beiden Mercaptursäuren im Urin. Im Gegensatz dazu ergab sich kein klarer Zusammenhang zwischen der Ausscheidung der beiden isomeren Mercaptursäuren. Die Gseamtausscheidung der Mercaptursäuren liegt ca. 3 Größenordnungen niedriger im Vergleich zu den Hauptmetaboliten.

Schlussfolgerungen
Die hier vorgestellte Studie liefert erstmals Daten zur Ausscheidung von Mercaptursäuren des 1,3-Dichlorbenzols beim Menschen. Trotz des sehr geringen metabolischen Anteils der Dichlorphenylmercaptursäuren zeigt ihre Bildung deutlich, dass die Ringoxidation ein toxikologisch relevanter Stoffwechselweg beim Menschen ist.

Referenzen

[1] Herkert NJ,
Jahnke JC, Hornbuckle KC. Environ Sci Technol 52,
5154 – 5160 (2018).
[2] Schettgen
T, Esser A, Alt A, Randerath I, Kraus T, Ziegler P. Environ Sci Technol 56
(12), 8518 – 8527 (2022)
Herr Dr. rer. nat. Thomas Schettgen
Uniklinik RWTH Aachen, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Aachen
Do
14 Mär
14:15 - 15:30
Vorträge
Biomonitoring, Metabolismus, Luft
Raum: Hörsaal/Onlineraum 2 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Sonja Kilo und Stefan Rakete
Beiträge:
1

Einleitung

2-Phenoxyethanol (PhE) findet aufgrund seiner bakteriziden Eigenschaften vielfältig Einsatz. Neben der Verwendung als Konservierungsmittel in Verbraucherprodukten, insbesondere Hygieneartikeln, ist auch ein Einsatz in Kühlschmiermitteln von Bedeutung. Trotz der häufigen und vielfältigen Verwendung gibt es bisher nur wenig konkrete Informationen bezüglich der Biotransformation und Toxikokinetik von PhE beim Menschen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes von BMUB und VCI zum Human-Biomonitoring wurde daher die Entwicklung und Anwendung eines Verfahrens zu Bestimmung von 2-Phenoxyethanol in humanbiologischen Materialien gefördert.

Methoden

Ziel der Studie war es, das Aufnahme-, Metabolisierungs- und Ausscheideverhalten von PhE beim Menschen aufzuklären sowie wichtige toxikokinetische Daten zu erheben. Dazu wurden fünf Probanden einmalig mit ca. 5 mg PhE je kg Körpergewicht oral exponiert. Im Anschluss wurden über einen Zeitraum von 48 Stunden sowohl Blut- als auch Urinproben gewonnen und mittels spezieller Biomonitoringverfahren [1, 2] auf ihren Gehalt an PhE sowie ausgewählten PhE-Metaboliten untersucht. Ein Proband wurde zusätzlich mit PhE (in gleicher Dosis) dermal exponiert.

Ergebnisse

PhE zeigte nach oraler Aufnahme eine schnelle und fast vollständige Resorption. Als Hauptmetabolit konnte bei allen Probanden Phenoxyessigsäure (PhAA) bestätigt werden. Als weiterer bedeutender PhE-Metabolit wurde 4-OH-PhAA identifiziert. Unverändertes PhE sowie 4-OH-PhE wurden nur in geringen Anteilen in den untersuchten Blut- und Urinproben gefunden. PhE und die PhE-Metabolite zeigten kurze Eliminations-Halbwertszeiten von wenigen Stunden beim Menschen. Der Anteil an renal eliminierten PhE nach oraler Exposition lag nach 48 Stunden bei 89,0 ± 11,8 %, wobei allein PhAA einen Konversionsfaktor von über 70 % aufwies. Die renale Wiederfindungsrate lag nach dermaler Exposition etwa um den Faktor 2 niedriger, wobei ein ähnliches Metabolisierungsmuster zu beobachten war.

Schlussfolgerung / Diskussion

Die vorliegende Metabolismusstudie bestätigt die Vermutung, dass PhE nach oraler Exposition rasch in den menschlichen Körper aufgenommen wird und erlaubt erstmals zuverlässige Aussagen über das toxikokinetische Verhalten dieser wichtigen Verbrauchschemikalie. In Zukunft werden daher arbeits- als auch umweltmedizinische Monitoringstudien möglich, die auch zuverlässige Rückschlüsse auf die Expositionsdosis mit PhE zulassen.

Referenzen

[1]        Jäger T, Eckert E, Leibold E, Bader M (2022), https://doi.org/10.1039/D2AY01407F
[2]       Jäger T, Eckert E, Leibold E, Bader M (2023), in preparation
Frau PD Dr. Elisabeth Eckert
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
Bayerisches Landesamt f. Gesundheit und Lebensmittelsicherheit,, Erlangen
2
1-(4-Chlorophenoxy)-1-(imidazol-1-yl)-3,3-dimethylbutan-2-on (Climbazol) wird als Anti-Schuppen-Wirkstoff in freiverkäuflichen Haarpflegeprodukten verwendet. Aufgrund von Sicherheitsbedenken bezüglich einer potenziellen endokrinen Wirkung dürfen Anti-Schuppen-Shampoos in der EU maximal 2% Climbazol enthalten.
Wegen des Vorkommens in Körperpflegeprodukten ist eine Exposition der Allgemeinbevölkerung möglich. Bisher lagen keine Daten zur renalen Exkretion von Climbazol im Menschen vor, weshalb wir eine UHPLC-MS/MS-Analysemethode zur Bestimmung der beiden postulierten Metabolite (OH)2-Climbazol und cx-OH-Climbazol im Urin entwickelt haben. Die Probenvorbereitung beschränkt sich bei dieser Methode auf eine enzymatische Hydrolyse, da darauf eine Online-SPE folgt.[1]
Diese Methode wurde zur Quantifizierung der Urinproben aus einer kombinierten oralen und dermalen Dosierungsstudie eingesetzt. Für die orale Studie nahmen fünf Probanden (3♀, 2♂, 25-38 Jahre) jeweils 4,82 mg Climbazol (entsprechende Dosen: 49-77 µg/kg KG). Diese oralen Dosen lagen deutlich unter dem von der ECHA abgeleiteten DNEL von 150 µg/kg KG pro Tag. Für die dermalen Expositionsszenarien verwendeten jeweils 3 Probanden (1♀, 2♂, 29-40 Jahre) ein kommerziell erhältliches Climbazol-haltiges Anti-Schuppen-Shampoo oder ein Haarserum. Alle Urinproben wurden einzeln gesammelt: bei der oralen Studie über 48 Stunden und bei der dermalen über 72 Stunden, da dort von einer langsameren Exkretion ausgegangen wurde.
In allen drei Expositionsszenarien konnte die Elimination der beiden postulierten Biomarker nachgewiesen werden. Abhängig vom Aufnahmepfad wurden die beiden Metabolite in konstanten Konzentrationsverhältnissen über die gesamte Probenahmezeit quantifiziert. Dabei wurde stets mehr (OH)2-Climbazol als cx-OH-Climbazol ausgeschieden. Aus den Daten der oralen Dosierung konnte ein 48 h-Konversionsfaktor berechnet werden, der es ermöglicht, von der gefundenen Metabolitenkonzentration im Urin (z. B. aus Bevölkerungsstudien) auf die Aufnahme zurückzurechnen.

Referenzen

[1] Schmidtkunz C, Küpper K, Gries W, Leng G. A validated LC-MS/MS method for the quantification of climbazole metabolites in human urine. J Chromatogr B Analyt Technol Biomed Life Sci. 2021 Mar 29;1173:122677. DOI: 10.1016/j.jchromb.2021.122677.Epub ahead of print. PMID: 33848799.
Frau Dr. Isabell Schönrath
Currenta GmbH & Co. OHG, Leverkusen
3
Bei der Realbrandausbildung von Feuerwehrangehörigen ist eine wiederholte Exposition von Ausbildern gegenüber Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) aus Brandemissionen unvermeidbar. Hieraus resultierende innere PAK-Belastungen wurden bisher insbesondere für Verbindungen mit geringerem toxikologischem Potential wie Naphthalin, Phenanthren oder Pyren nachgewiesen. Ziel der Studie war es daher zu untersuchen, in wie weit sich auch eine Aufnahme der krebserzeugenden PAK-Leitsubstanz Benzo[a]pyren (BaP) nachweisen lässt und wie diese ggf. zu bewerten ist.

N= 3 männliche Feuerwehrausbilder (Nichtraucher, Alter 36-39 Jahre) führten jeweils unter Vollschutz drei Trainingseinheiten in einer holzbefeuerten Realbrandanlage durch. Pro Training wurden von jedem der Probanden 18 Urinproben gesammelt, die einen Zeitraum von 12 h vor (3 Proben) bzw. 76 h nach Exposition (15 Proben) abdeckten. Zum Nachweis innerer BaP-Belastungen erfolgte eine Untersuchung der Proben auf den BaP-Metaboliten 3-Hydroxy-BaP mittels Flüssigkeitschromatographie-Tandemmassenspektrometrie, wobei Nachweisgrenzen (NWG) zwischen 17 und 34 pg/L erreicht wurden.

Ausgehend von Medianwerten zwischen 43 und 61 pg/g Kreatinin (Bereich
Ein Beitrag der Trainingseinheiten zur inneren Belastung mit BaP konnte gezeigt werden. Die BaP-Aufnahme erfolgte dabei trotz adäquater Schutzmaßnahmen mutmaßlich über die Haut. Literaturdaten zufolge bewegten sich die Metabolitenkonzentrationen auch nach Exposition noch überwiegend im Bereich der umweltbedingten Hintergrundbelastung für Nichtraucher (bis ca. 200 pg/g Kreatinin). Dieser Befund sowie ein Vergleich mit den Äquivalenten zum Toleranz- bzw. Akzeptanzrisiko für BaP gemäß Expositions-Risiko-Beziehung in biologischem Material deuten auf ein eher geringfügiges zusätzliches Krebsrisiko für die Beschäftigten durch BaP hin. Aufgrund der verzögerten Elimination von BaP kann es bei täglicher Exposition jedoch zu Akkumulationseffekten und damit höheren inneren Belastungen kommen.
Herr Dr. rer. nat. Bernd Roßbach
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Mainz
4
Teil der Ausbildung von Feuerwehrleuten ist das Erlernen des Umgangs mit Rauchgasdurchzündungen (RDZ) in Brandsimulationsanlagen. Als Brennstoff dienen meist Pressspanplatten. Umfangreiche persönliche Schutzausrüstung und Hygienemaßnahmen können bisher die Aufnahme von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) bei Ausbildern, die in solchen Anlagen tätig sind, nicht vollständig verhindern. Ziel des Projektes war es, zu untersuchen, inwieweit eine Substitution des Brennstoffes zu einer Reduzierung der inneren Schadstoffbelastung von Feuerwehrausbildern beitragen kann.

N=3 männliche Feuerwehrausbilder (Nichtraucher, 36-39 Jahre) führten jeweils 6 Trainingseinheiten unter Vollschutz in einer holzbefeuerten Realbrandanlage durch. Zur Erzeugung des Brandes wurden in jeweils drei Trainingsdurchgängen Spanplatten bzw. unbehandeltes Palettenholz verwendet. Pro Training wurden von jedem Probanden 9 Urinproben gesammelt, die als Mischurine entsprechend 12 h vor (3 Proben) und 12 h nach der Exposition (6 Proben) mittels Gaschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie auf 1-Hydroxypyren (1-PYR) analysiert wurden. Zusätzlich wurden jeweils 3 Übungen in einer gasbefeuerten Anlage sowie in einer Übungsstrecke ohne Brennstoffeinsatz betrachtet.

Bei Verbrennung von Spanplatten stieg die 1-PYR-Eliminationsrate nach dem Training um den Faktor 3,5 von 0,004 µg/h auf 0,015 µg/h (Medianwerte) an. Versuche mit Palettenholz führten zu einem Anstieg um das 4,4-fache von 0,003 µg/h auf 0,013 µg/h. Nach dem Training in der gasbefeuerten Anlage ergab sich ein Anstieg um den Faktor 2 von 0,003 auf 0,006 µg/h. Auch nach Übungen ohne Brennstoffeinsatz zeigte sich eine Zunahme von 0,003 auf 0,007 µg/h.

Unabhängig von der Wahl des Festbrennstoffes konnte eine Erhöhung der Eliminationsrate für 1-PYR festgestellt werden. Ein Einfluss der Holzart auf die Schadstoffaufnahme konnte in dem kleinen Kollektiv nicht nachgewiesen werden. Aufgrund dieser Daten ist eine Substitution des Festbrennstoffes durch vermeintlich emissionsärmere Varianten aus arbeitsmedizinischer Sicht zumindest fragwürdig. Das eigentliche Trainingsziel der Provokation einer RDZ war wegen der besseren Brennbarkeit von Palettenholz zudem schwieriger zu erreichen. Erwartungsgemäß war die innere Belastung nach Übungen in der gasbefeuerten Anlage geringer als in der Festbrennstoffanlage. Unklar bleibt zunächst die nach Übungen in der unbefeuerten Anlage nachweisbare Erhöhung der 1-PYR-Ausscheidungsrate.
Herr Dr. med. Felix Lang
Institut für Arbeits-, Sozial- und UmweltmedizinUniversitätsmedizin MainzObere Zahlbacher Straße 6755131 Mainz, Mainz
5
Ein Biomonitoring von Arbeitstoffbelastungen kann durch die Bestimmung der unveränderten Arbeitsstoffe, der Produkte des Phase-I- und Phase-II-Stoffwechsels sowie bei Arbeitsstoffen bzw. Metaboliten mit hoher Reaktivität von spontanen Reaktionsprodukten erfolgen. Im Beitrag soll verdeutlicht werden, dass für sämtliche dieser unterschiedlichen Biomonitoringparametergruppen eine externe Qualitätssicherung durch das im Auftrag der DGAUM organisiert Ringversuchsprogramm GEQUAS vorgehalten wird.

Im GEQUAS wurde das Angebot einer externen Qualitätssicherung für diese Parameter sukzessive ausgebaut. Die Verteilung der Parameter auf die verschiedenen Gruppen wurde anhand des aktuellen 72. Ringversuches analysiert. Ferner wurden die Inanspruchnahme sowie die dabei erzielten Ergebnisse ermittelt.

Im aktuellen Ringversuch wurden 206 Parameter für das biologische Belastungsmonitoring angeboten. Bei 128 Parametern handelte es sich um die Bestimmung der unveränderten Arbeitsstoffe. Diese unterteilten sich in 76 anorganische (Metalle, Fluorid) und 52 organische Parameter (Aromaten in Blut und Urin, CKWs in Blut, Alkohole, Ketone und Ether in Urin, PCBs und PFAS in Plasma, etc.). Bei 48 Parametern handelt es sich um Phase-I-Produkte, die vornehmlich aus Oxidationen und Esterspaltungen resultieren. Bei 27 Parametern handelt es sich um Phase-II-Produkte (Produkte der Konjugation mit Glutathion, mit Glycin, mit Glucuronsäure und Acetylierung). Bei 5 Parametern handelt es sich um Hämoglobin-Addukte, die aus einer spontanen Reaktion hervorgehen. Die höchsten Teilnahmeraten erzielten Parameter, bei denen die Gefahrstoffe selbst bestimmt wurden, gefolgt von Phase-I-Produkten, danach von Phase-II-Produkten und zuletzt die Hämoglobin-Addukte. Die Erfolgsquoten sind bei der Bestimmung von anorganischen Parametern besonders hoch, während sie bei der Bestimmung von unveränderten Gefahrstoffen in Blut und Urin auffällig niedrig sind.

Das Angebot von GEQUAS ermöglicht die externe Qualitätssicherung für ein extrem breites wie vielfältiges Spektrum an Biomonitoringparametern. Dadurch können sämtliche Biomonitoringstrategien, die im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge angewendet werden, qualitätsgesichert durchgeführt werden.
Herr Prof. Dr. rer. nat. Thomas Göen
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Erlangen
Do
14 Mär
16:00 - 17:00
Vorträge
Belastung durch Schwermetalle
Raum: Hörsaal/Onlineraum 2 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Gabriela Petereit-Haack und Thomas Göen
Beiträge:
1
Hintergrund: Obwohl einige Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Elektroschrottrecylings vorliegen, wurden oftmals im Rahmen von ökologischen Studiendesigns Arbeitende und Bevölkerung gemeinsam betrachtet. Dies kann zu einer Unterschätzung der Gesundheitsfolgen führen, da die Bevölkerung nur indirekt exponiert war. Das Ziel unseres Reviews war es daher, gezielt nach Studien zu suchen, die sich direkt auf Elektroschrottarbeitende beziehen und die Gesundheitsfolgen der Tätigkeiten systematisch zusammenzufassen.

Methodik: Unter Berücksichtigung der PRISMA Richtlinien wurde in drei Datenbanken (Pub Med, Web of Science, Embase) für den Zeitraum zwischen 1980 und dem 01.11.2021 nach geeigneter Literatur gescreent. Das vollständige Studienprotokoll ist in Prospero hinterlegt unter https://www.crd.york.ac.uk/prospero/display_record.php?ID=CRD42022299134. Als Outcome gemäß PECO musste hierbei ein Symptom oder eine Erkrankung vorliegen.

Ergebnisse: Es wurden insgesamt 26 Studien identifiziert, von denen 23 Querschnittstudien waren. Die Studien wurden gemäß Krankheitsoutcome kategorisiert in hormonelle, renale, respiratorische, auditive, kardiovaskuläre und muskuloskelettale Symptome und Erkrankungen. Darüber hinaus wurde eine weitere Kategorie mit selbstberichteter Gesundheit erstellt. Generell berichteten die Elektroschrottarbeitenden vermehrt über unspezifische Beschwerden, wie Abgeschlagenheit, Schwindel oder Palpitationen. Es zeigte sich ein hohes Verletzungspotential im Rahmen der Tätigkeit. Fast alle Studien wiesen ein hohes risk of bias auf, insbesondere durch undurchsichtige Rekrutierungsstrategien.

Diskussion: Es existieren quasi keine geeigneten Studien, welche die direkten gesundheitlichen Langzeiteffekte des informellen Elektroschrottrecyclings erheben. Die überwiegend durchgeführten Querschnittstudien lassen kaum Aussagen zu kausalen Zusammenhängen zu. Hier besteht weiterhin ein hoher Forschungsbedarf.

Frau Prof. Dr. Andrea Kaifie-Pechmann
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, FAU Erlangen-Nürnberg, Erlangen
2
Einleitung:
Eine Bleiexposition kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit von Kindern haben. Es wird angenommen, dass die neurologischen und verhaltensbezogenen Auswirkungen von Blei irreversibel sind (1, 2). Kleinkinder sind besonders anfällig für Bleivergiftungen. Im Jahr 2020 veröffentlichten Pure Earth und UNICEF „The Toxic Truth", dort wird berichtet wird, eines von drei Kindern weltweit erhöhte Bleiwerte von über 5 µg/dL im Blut aufweist (3). Da die Quellen der Bleiexposition je nach Ort sehr unterschiedlich sein können, ist es wichtig, die lokalen Quellen der Bleiexposition zu ermitteln, insbesondere für Kinder und vor allem in ihren Wohnungen. Um potenzielle Expositionsquellen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) zu identifizieren, hat Pure Earth das Programm "Rapid Market Screening" (Schnelles Markt-Screening) entwickelt.
Methoden:
In 25 LMICs sammelte und analysierte Pure Earth insgesamt mehr als sechstausend Verbraucherprodukte (Metallkochgeschirr, Keramik, Kosmetika, Farben, Spielzeug, Medikamente), Lebensmittel (Stärke, Gewürze) sowie Wasser- und Bodenproben. Das Projekt wurde von Effective Altruism Global Health and Development Fund, GiveWell und Open Philanthropy finanziert. Die Gegenstände wurden vor Ort mit einem XRF-Gerät analysiert, einschließlich Qualitätskontrollmessungen mit ICP-MS in den USA.
Ergebnisse:
Die Produkttypen, bei denen die einschlägigen Gesundheitsrichtlinien oder gesetzlichen Grenzwerte am häufigsten überschritten wurden, waren: Lebensmittelgeschirr aus Metall (52 % der Proben überschritten den entsprechenden Grenzwert), Lebensmittelgeschirr aus Keramik (45 %), Farben für Wände und große Flächen (41 %), Spielzeug (13 %) und Kosmetika (12 %).
Diskussion:
Die Bleiexposition von Kindern ist nicht auf bleiverseuchte Standorte beschränkt. Die bekannten Expositionsquellen wie Blei in Farben und Blei in Keramik sind in einigen Ländern immer noch eine wichtige Quelle der Bleiexposition. Weniger bekannt, aber sehr wichtig sind Blei in Metallkochgeschirr, Spielzeug und Kosmetika. Die Exposition in LMICs kann vielfältig sein, und die Verbraucher in LMICs sind nicht ausreichend vor vermeidbaren Bleiquellen geschützt. Das „Rapid Market Screening“ ist ein innovatives, einfaches und nützliches Instrument, um die spezifischen lokalen Wege der Bleiexposition in den Haushalten von Kindern zu ermitteln.

Herr Prof. Dr. med. Stephan Böse-O´Reilly
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Klinikum der Universität München, LMU München, München
Pure Earth, New York
Prof. Dr. med. Stephan Böse-O'Reilly, ist der Senior Technical Director bei Pure Earth (www.pureearth.org). Er ist Professor für Umweltmedizin und Public Health am Universitätsklinikum der LMU München (Deutschland). Er ist Kinderarzt und sein Hauptinteresse gilt der Vorbeugung von Krankheiten bei Kindern, indem er dazu beiträgt, ihre Belastung durch toxische Substanzen wie Blei und Quecksilber zu verringern.
3

Einleitung

Bei Beschäftigten der bleiverarbeitenden Industrie wird die individuelle Exposition aktuell anhand des Bleigehaltes im Vollblut bestimmt. Der Blutbleigehalt spiegelt Veränderungen der Exposition jedoch nur mit zeitlicher Verzögerung wider und ist daher nicht geeignet, die aktuelle Wirksamkeit von Arbeitsschutzmaßnahmen zu überprüfen. Daher sollen in einer Studie mit Beteiligung und Förderung durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Expositionswege und alternative Biomonitoring-Parameter untersucht werden. Wir berichten über vorläufige Ergebnisse nach Abschluss der ersten von zwei Messkampagnen.

Methoden

In einer Querschnittsstudie wurden fünf bleiverarbeitende Betriebe in Deutschland untersucht. Insgesamt nahmen in der ersten Messkampagne 64 Beschäftigte an der Studie teil. 43 Beschäftigte konnten für das Biomonitoring rekrutiert und eingeschlossen werden. Durchgeführt wurden Messungen der Luftbleikonzentration (ortsfest und personengetragen), Wischproben an den Händen zur Erfassung einer potentiellen Hand-Mund-Kontamination und ein Biomonitoring verschiedener Parameter in Vollblut, Plasma und Urin zu vier definierten Zeitpunkten in der Arbeitswoche (Tag 1 (nach arbeitsfreier Zeit) und Tag 4, je vor Schicht und nach Schicht).

Ergebnisse

Es wurde ein weites Spektrum von Arbeitsplätzen der Bleiverarbeitung unter unterschiedlichen Präventionsmaßnahmen erfasst. Luft- und dermale Messwerte sowie die Ergebnisse des Biomonitorings zeigten eine große Spannweite: personengetragene Luftmessungen: 0,28 µg/m3 bis 2519 µg/m3; dermale Wischproben: 0,019 bis 3172 µg/min Expositionsdauer; Blei im Vollblut: 7,73 µg/L bis 410 µg/L. Hinsichtlich der alternativen Belastungsmarker zeigte sich eine positive Korrelation zwischen dem Bleigehalt (Pb) im Vollblut und im Plasma, Pb (Vollblut) und Pb (Urin) sowie Pb (Plasma) und Pb (Urin), jeweils mit deutlich stärkerem Zusammenhang am Ende der Arbeitswoche als zu Beginn.

Schlussfolgerung / Diskussion

Im Rahmen der ersten Messkampagne der Studie zeigten sich große Unterschiede der Expositionsverhältnisse und Effektivität der Arbeitsschutzmaßnahmen sowie eine große Variationsbreite von Biomonitoringergebnissen. Die z. T. sehr engen Korrelationen zwischen Parametern der inneren Belastung deuten Alternativen für das Biomonitoring an. Allerdings müssen diese Ergebnisse nach Abschluss der Studie anhand der vollständigen Daten verifiziert werden.
Frau Dr. Anna Wolfschmidt-Fietkau
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
4

Einleitung

Schwermetallvergiftungen im Zusammenhang mit dem Konsum von ayurvedischen Nahrungsergänzungsmitteln oder Arzneimittel sind in der Literatur wiederholt berichtet worden. Die amtliche Lebensmittelüberwachung stellt immer wieder Belastungen solcher Produkte mit Blei, Quecksilber und Arsen fest. Aus diesem Grund warnen Gesundheitsbehörden und Verbraucherschutz-Organisationen wiederkehrend vor dem Konsum solcher Präparate.

Methoden

Eine 47-jährige Frau stellte sich im 02/2023 in der umweltmedizinischen Ambulanz des Zentralinstituts nach einem zweimonatigen Aufenthalt in einer ayurvedischen Klinik in Indien vor. Nach dem Klinikaufenthalt, bei dem sie sich einer ayurvedischen Therapie unterzogen hatte, hatte sie verschiedene Produkte von dort nach Deutschland mitgebracht und weiter eingenommen. Inzwischen war sie über eine mögliche Belastung mit Schwermetallen besorgt. Die Anamnese ergab keinen Hinweis auf eine manifeste Schwermetall-Intoxikation. Vorsorglich führten wir ein Humanbiomonitoring (HBM) auf Arsen (As), Blei (Pb) und Quecksilber (Hg) durch. Zusätzlich untersuchten wir die von der Patientin mitgebrachten Präparate. Der Schwermetallgehalt der Präparate wurde nach Königswasseraufschluss und Inkubation in verdünnter Salpetersäure, verdünnter Salzsäure und Thioharnstoff mittels ICP-MS bestimmt.

Ergebnisse

Das HBM im Blut ergab Pb 713 µg/L (RV95 = 30 µg/l), Hg 0,79 µg/l (RV95 = 2 µg/l). Das HBM im Urin ergab Pb 88,8 µg/L (RV95 = 30 µg/l), Hg 1,49 µg/l (RV95 = 1,0 µg/l) und As 10,6 µg/l (RV95 = 15 µg/l). Die körperliche Untersuchung lies keine Zeichen einer Blei-Intoxikation feststellen. Das Blutbild war unauffällig. Wir empfahlen den sofortigen Abbruch der Einnahme der Präparate und weitere HBM-Kontrollen im Verlauf.
Die Untersuchung der von der Patientin mitgebrachten Präparate (n= 6) ergab Überschreitungen des Höchstgehalts (HG) nach EU 2023/915 („Kontaminanten-Verordnung“) für Blei (HG 3,0 µg/g) in den Präparaten „Stresan“ (Tablette) = 3,04 µg/g, „Ashwaganda Pak“ (Granulat) = 2703,9 µg/g und „Maanasa Mithra-Vatakam“ (Tablette) = 78,47 und für Quecksilber (HG 0,1 µg/g) in 5 Präparaten (Hg-Gehalt zwischen 0,14 µg/g und 1096 µg/g).

Schlussfolgerung / Diskussion

Trotz öffentlicher Informationen bzgl. der Gefährdung durch den Konsum von ayurvedischen Präparaten werden diese weiterhin konsumiert. Die frühzeitige Vorstellung und Abklärung verhinderten eine manifeste Intoxikation mit Blei.
Herr Marcial Velasco Garrido M.P.H.
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg
Do
14 Mär
08:30 - 10:00
Vorträge
Belastung und Beanspruchung im Studium
Raum: Hörsaal/Onlineraum 5 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Sibylle Hildenbrand und Thomas Muth
Beiträge:
1
Hintergrund Die Gesundheit von Studierenden in Gesundheitsfachberufen ist von besonderer Bedeutung. Die Anforderungen des Hochschullebens in Verbindung mit einem gesundheitsbezogenen Studium können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Diese unterstreicht die Relevanz von Gesundheitsförderung und -schutz im Hochschulkontext. Für geeignete Maßnahmen ist ein Verständnis über die gesundheitliche Lage unerlässlich. In Deutschland existiert bislang jedoch nur begrenzte Evidenz zur Gesundheit dieser Studierendengruppe. Diese Studie verfolgt das Ziel, verschiedene Aspekte der Gesundheit anhand von Querschnittsdaten zu untersuchen. Methode Die Studie wurde in den Sommersemestern 2021 und 2022 durchgeführt, mit Genehmigung der hochschulischen Ethikkommission. Die Datenerhebung erfolgte mit einem Online-Fragebogen (LimeSurvey). Aufgrund der COVID-19-Beschränkungen wurden die Studierenden während der Online-Lehre und per E-Mail rekrutiert. Sie wurden über die Studienzwecke und -ziele, den Datenschutz und die Freiwilligkeit informiert. Die Daten wruden mit SPSS (Version 29) ausgewertet. Ergebnisse Insgesamt beteiligten sich n = 98 der 135 immatrikulierten Studierenden an der Befragung, was einer Rücklaufquote von 72,6 % entspricht. Das Alter der Studierenden lag bei 26,5 Jahren. 77,6 % der Befragten waren weiblich. Zu Beginn ihres Studiums bewerteten 80,3 % ihren Gesundheitszustand als mindestens "gut". 62,1 % der Studierenden berichteten über mindestens eine ärztlich diagnostizierte Erkrankung. Ein hohes psychisches Wohlbefinden gaben 59 % der Studierenden an.​​​​ 20 % der Befragten rauchten, 24 % zeigten ein riskantes Alkoholkonsumverhalten. In Bezug auf die Ernährung gaben 37 % der Studierenden ungesunden Gewohnheiten an. 55 % der Studierenden stellten ihre Gesundheitskompetenz als "ausreichend" dar, während 45 % sie als problematisch/unzureichend einschätzten. Korrelationsanalysen zeigten, dass psychisches Wohlbefinden (rs = 0,230; p = 0,025) und Essgewohnheiten (rs = 0,231; p = 0,027) signifikant stärker mit dem Gesundheitskompetenzlevel korrelierten als andere Gesundheitsdimensionen bei dieser Studierendengruppe. Fazit Die Studie erweitert die Evidenz über die gesundheitliche Situation von Studierenden in Gesundheitsfachberufen. Die Ergebnisse können als Grundlage für Empfehlungen zur Förderung der Gesundheit dieser Studierendengruppe herangezogen werden. Weitere Forschungsarbeiten sollten ein qualitatives Forschungsdesign verwenden, um die subjektiven Perspektiven der Studierenden und ihre Einstellung zur eigenen Gesundheit näher zu untersuchen.
Frau Ivonne-N. Jürgensen
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Department Pflege & Management, Hamburg
Gesundheitswissenschaftlerin M.A. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Department Pflege & Management. PhD-Studierende für Nicht-Medizin am UKE Hamburg.
2
Eine unzureichende kardiovaskuläre Reaktion auf akute psychosoziale Stressoren oder eine unzureichende kardiovaskuläre Erholung (Wiederherstellung des Zustandes zu Baseline) kann das Risiko für Erkrankungen, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhen. Ein möglicher Faktor, der zu interindividuellen Unterschieden in der Stressreaktion beitragen kann, ist chronischer Stress. Daher untersucht diese Studie, inwieweit Haarkortisolkonzentrationen (HKK), als Indikator für eine kumulative Kortisolausschüttung, mit akuten kardiovaskulären Reaktionen und der Erholung bei Medizinstudierenden assoziiert sind.

Medizinstudierende nahmen an einer Virtual Reality Version des Trier Social Stress Tests (TSST) teil während ihre kardiovaskuläre Reaktionen und Erholung in Form von Blutdruck und Herzratenvariabilität (HRV) gemessen wurde. Um die HKK zu ermitteln, wurden Haarproben entnommen und die letzten zwei Zentimeter zur Kopfhaut hin analysiert. Die Daten wurden mithilfe von Multilevel Analysen ausgewertet (n=54). Dabei wurden Cross-Level-Interaktionen zwischen HKK (eingeteilt in niedrige, mittlere und hohe Werte) und zwei Segmenten gerechnet, die die Zeit der akuten Reaktion und der Erholung abgebildet haben.

Die Medizinstudierenden waren durchschnittlich 22 Jahre alt (SD=2.13, Spanne= 19-31) und zum größten Teil weiblich (76%). Höhere HKK zeigten eine signifikante Interaktion mit Blutdruckreaktionen. Im Vergleich zu mittleren HKK, waren höhere HKK mit einer geringeren systolischen und diastolischen Blutdruckreaktion assoziiert. Es wurden keine signifikanten Interaktionen für HKK und HRV-Reaktionen oder für HKK und Erholungsmessungen gefunden.

Diese Studie zeigt, dass eine erhöhte kumulative Kortisolausschüttung über einen längeren Zeitraum zu einer geringeren akuten Blutdruckreaktion in Medizinstudierenden beitragen kann. Daher kann eine erhöhte Kortisolausschüttung über einen längeren Zeitraum zu unterschiedlichen Ausprägungen von akuten Stressreaktionen im autonomen Nervensystem beitragen. Unzureichende Stressreaktionen, aufgrund von lang andauerndem Stress, können mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden sein.
Frau Meike Heming
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Medizinische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf
3
Einleitung
Studierende der Zahnmedizin sind mit besonderen Belastungen konfrontiert und berichten häufig von psychomentalen Problemen. Internationale Studien belegen die hohe Prävalenz von u.a. depressiven Symptomatiken und Angststörungen. Ein Zusammenhang zwischen den Studienbedingungen und vorhandenen Beanspruchungen liegt auf der Hand.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Belastungen und individuelle Ressourcen bei Studierenden der Zahnmedizin am Standort Düsseldorf zu erfassen. Zudem sollten mögliche Interventionen diskutiert werden, um so Ansätze für präventive Ideen entwickeln, die die Gesundheit und das Wohlbefinden der Studierenden verbessern können.

Methode
Zur vertiefenden Analyse wurden Fokusgruppen durchgeführt. Insgesamt nahmen 57 Studierende an 7 leitfadengestützten Gesprächsrunden teil. Die Gespräche wurden aufgezeichnet, transkribiert und mit Hilfe der Software MAXQDA 2020 qualitativ ausgewertet.

Ergebnisse
Belastungsquellen konnten auf verschiedenen übergeordneten Ebenen beschrieben werden: Studienorganisation (z.B. nicht ausreichendes Informationsangebot, interne Konflikte der beteiligten Kliniken), Bewertungssystem (z.B. fehlende verlässliche Prüfungskriterien), Arbeitsumfeld (z.B. fehlende Lernmaterialien und Arbeitsplätze) sowie soziale Interaktion insbesondere mit dem (Lehr-)Personal. Neben eher allgemeinen Belastungen (z.B. Zeitdruck, Prüfungsstress) zeigten sich typische Aspekte der Zahnmedizin (z.B. hohe Kosten, mangelnde Objektivität) sowie standortspezifische Eigenarten (z.B. parallel stattfindende Klausuren). Als wichtige Ressourcen zeigten sich vor allem Unterstützung von Angehörigen, Freundschaften, Wertschätzung, finanzielle Hilfe oder positive Erfahrungen im Studium. Vorgeschlagene Interventionen umfassten u.a. regelmäßige Treffen zwischen Verantwortlichen der Kliniken, die vermehrte Nutzung digitaler Möglichkeiten (z.B. ILIAS) und Verbesserung der digitalen Kompetenzen, die Möglichkeit, anonymes Feedback abzugeben, sowie mehr Angebote zur Gesundheitsprävention (z.B. Physiotherapie, Übungen gegen Rücken- und Nackenschmerzen).

Schlussfolgerungen
Im Rahmen dieser Arbeit zeigte sich die Bedeutung unterschiedlicher (Fehl-)Belastungen im Studium der Zahnmedizin. Dabei erwiesen sich fach- und standortspezifische Aspekte des Studiums als wesentlich. Durch die Einblicke in Belastungen, Ressourcen und Interventionsvorschläge der Studierenden steht eine Grundlage für mögliche präventive Bemühungen zur Verfügung.

Frau Lisa Guthardt
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, CHS, Medizinische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf
4
Einleitung: Hebammen betreuen Frauen unter herausfordernden Arbeitsbedingungen im klinischen und außerklinischen Setting, welche die physische und psychische Gesundheit beeinträchtigen können. Da Studierende der Hebammenwissenschaft in der Praxis unter ähnlichen Arbeitsbedingungen ausgebildet werden, weist diese Gruppe einen hohen Bedarf an Gesundheitsförderung während des Studiums und zum Arbeitsbeginn auf. Das Ziel der Studie war es, eine erste Bestandsaufnahme des Stresserlebens, der Vereinbarkeitskonflikte zwischen Arbeit und Privatleben sowie der Coping-Strategien von angehenden Hebammen in Deutschland während der COVID-19-Pandemie durchzuführen.

Methoden: Im Rahmen einer Online-Befragung wurden 342 Hebammenwissenschaftsstudierende an 9 Hochschulstandorten in Norddeutschland von Oktober 2022 bis Januar 2023 zum subjektiven Stresserleben, Vereinbarkeitskonflikt zwischen Arbeit und Privatleben, Coping-Strategien sowie zu den wahrgenommenen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf das Studium befragt. Es wurden deskriptive, lineare Regressions- und Moderationsanalysen durchgeführt, um explorative Annahmen zu testen.​​​​​

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigten, dass 13,3% der 342 Hebammenwissenschaftsstudierenden ein hohes Stresslevel und 37,3% einen hohen Vereinbarkeitskonflikt zwischen Arbeit und Privatleben aufwiesen. Soziale Unterstützung (M = 13,76, SD = 2,19) und aktive Stressbewältigung (M = 10,72, SD = 2,01) wurden als prävalente Coping-Strategien ermittelt. Statistische Analysen ergaben signifikante Unterschiede im Stresserleben zwischen Lehre und Praxis sowie signifikante Zusammenhänge zwischen Vereinbarkeitskonflikt, Stresserleben und Coping-Strategien. 55,6% der Studierenden gaben einen negativen Einfluss der COVID-19-Pandemie auf das Studium an.​​​​

Schlussfolgerung: Die Studie liefert erste empirische Daten zur Gesundheitssituation von Hebammenwissenschaftsstudierenden in Deutschland. Die Ergebnisse bieten eine Grundlage für zielgruppenspezifische Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung in Lehre und Praxis, z.B. Lehrveranstaltungen zur Stressprävention und adaptiver Bewältigung, sowie die Verbesserung von Arbeitsbedingungen. Für die zukünftige Forschung werden Längsschnittstudien unter Einbezug der beiden Settings Lehre und Praxis empfohlen.
Frau Ilona Efimov
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg
5

Einleitung

Um Gesundheitskommunikationsstrategien auf weniger gesundheitsbewusste Gruppen auszurichten, ist es notwendig, mehr Evidenz zu den Auswirkungen von Gesundheitsverhalten auf nicht-gesundheitsbezogene Ergebnisse (z.B. akademische Leistung) zu generieren. Studierende stellen dabei als zukünftige Arbeitnehmende und Führungskräfte eine wichtige Zielgruppe dar. Die Studie zielte darauf ab zu untersuchen (1) welche Gesundheitsverhalten (körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, Schlaf, sitzendes Verhalten, Alkoholkonsum, Rauchen, Drogenkonsum) am stärksten mit der akademischen Leistung von Studierenden in Verbindung stehen und (2) ob Achtsamkeit die Zusammenhänge von Gesundheitsverhalten und akademischer Leistung moderiert.

Methoden

Eine Online-Befragung wurde während des Sommersemesters 2021 unter Studierenden durchgeführt. Gruppenunterschiede in akademischer Leistung in Bezug auf die Gesundheitsverhalten wurden mittels ANOVA analysiert. Anhand eines multiplen linearen Regressionsmodells wurde analysiert, inwiefern die ausgewählten Gesundheitsverhalten die akademische Leistung prädizieren. In einem zweiten Regressionsmodell wurden Interaktionseffekte von Gesundheitsverhalten und Achtsamkeit untersucht. Separate lineare Regressionsanalysen wurden zudem durchgeführt, um den Zusammenhang jeder einzelnen Interaktion mit der akademischen Leistung darzustellen.

Ergebnisse

Daten von N = 1.049 Teilnehmenden wurden analysiert. Das erste Modell (N = 571) zeigte, dass Schlaf, Obst- und Gemüsekonsum und Geschlecht signifikant mit der akademischen Leistung in Verbindung standen. Das zweite Modell (N = 540) zeigte keine signifikanten Interaktionseffekte zwischen den Gesundheitsverhalten und Achtsamkeit. Ein separates lineares Regressionsmodell, das Alkoholkonsum, Achtsamkeit und deren Interaktion berücksichtigte, zeigte jedoch statistische Signifikanz.​​​

Schlussfolgerung / Diskussion

Die gesundheitliche Förderung von Schlaf sowie des Konsums von Obst und Gemüse stellt eine vielversprechende Strategie dar, um die akademische Leistung von Studierenden zu verbessern. Außerdem könnten im Rahmen von Gesundheitskommunikationsstrategien Zielgruppen zu gesundheitsförderlichem Verhalten angeregt werden, indem sie durch die zu erwartende akademische Leistungsverbesserung motiviert werden.
Frau Jennifer L. Reichel
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Mainz
6
Hintergrund: Student*innen sind die Führungskräfte und somit Multiplikator*innen von Prävention und Gesundheitsförderung in Betrieben von morgen. Sie stellen eine stark belastete Gruppe dar [1], für die die Erforschung von Interventionen zur Förderung ihrer Resilienz sehr wichtig ist. Resilienz ist ein komplexes Konstrukt, das die Fähigkeit eines Individuums erfassen soll, bestimmten Stressoren zu widerstehen oder sich davon zu erholen.

Ziel: 1) Untersuchung der Effekte exklusiver Meditationsprogramme auf die psychologische Resilienz von Student*innen unter Berücksichtigung von aktiven und passiven Kontrollgruppen. 2) Erforschung von Moderationseffekten durch den Meditationsstil, die Intensität der Intervention, die Art der Durchführung und die Follow-Up-Dauer.

Methoden: Einschlusskriterien gemäß der PICO-Kriterien waren P) Student*innen (tertiärer Bildungssektor), I) exklusive Meditationsprogramme, C) randomisierte aktiv und passiv kontrollierte Studien und O) Resilienz und stellvertretende Variablen. Das Screening der Studien, die Datenextraktion und die Bewertung des Risk of Bias wurden von mindestens zwei Gutachter*innen durchgeführt. Die erste Forschungsfrage wurde anhand von Random-Effects-Modellen analysiert und die zweite anhand von Mixed-Effects-Meta-Regressionsmodellen. Ein dreistufiges Meta-Analyse-Modell generierte eine Gesamtschätzung der standardisierten Mittelwertdifferenz (SMD).

Ergebnisse: Für die passiv kontrollierten Studien (N = 28) betrug die gesamte SMD-Schätzung 0,43 (CI95% = 0,10 bis 0,76, p = 0,011, 4701 Teilnehmer*innendatenpunkte; signifikante Heterogenität der Konstrukte (p < 0,001)). Darüber hinaus reichte der gepoolte SMD-Schätzwert für jedes Konstrukt von -0,60 bis 2,84. Die Heterogenität zwischen den Studien [I²] reichte von 0 bis 82,28 %. Für die Meta-Regressionen schienen nicht genügend Daten für eine valide Evidenz vorzuliegen. Die Ergebnisse für aktiv kontrollierte Studien (N ≈ 70) liegen noch nicht vor und werden daher im Rahmen der DGAUM-Tagung 2024 exklusiv vorgestellt.

Diskussion: Der Gesamt-SMD-Wert von 0,43 wurde durch andere Meta-Analysen zur Mediation bestätigt und ist ähnlich oder höher als der SMD-Wert von Meta-Analysen zu anderen Resilienz-Interventionen.

Schlussfolgerung: Exklusive Meditation hat womöglich einen signifikanten mittelstarken positiven Effekt auf die psychologische Resilienz bei Student*innen, der mit anderen Resilienz-Interventionen vergleichbar ist. Moderationseffekte bleiben ungeklärt.

Referenzen

[1]   Ashok Kumar K, Suraya A, Jeppu AK, M. Attala S, R S. Stress indicators among 21st century university students. MJMHS 2022; 18(6): 35–41 [https://doi.org/10.47836/mjmhs.18.6.6]
Herr Robin Jacob
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Mainz
Do
14 Mär
10:15 - 11:30
Vorträge
Psychische Gesundheit im Betrieb
Raum: Hörsaal/Onlineraum 5 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Stefanie Mache und Thomas Behrens
Beiträge:
1
Die Arbeit an Schulen wird häufig mit einer erhöhten psychischen Belastungssituation assoziiert. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von herausfordernden Gesprächssituationen, unklaren Verantwortlichkeiten, ungünstigen räumlichen Gegebenheiten bis hin zu umfangreichen außerunterrichtlichen Pflichten.

Im Rahmen der arbeitsschutzgesetzlichen vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung (GBU) sind Schulleitungen dazu verpflichtet, der Frage nachzugehen, inwiefern bestehende Arbeitsbedingungen psychisch belastend sind und wie dies reduziert werden kann. Um staatliche Schulen in Bayern bei der Durchführung der GBU psychischer Belastung zu unterstützen, hat das Arbeitsmedizinische Institut für Schulen in Bayern (AMIS-Bayern) ein Verfahrenskonzept entwickelt, in dessen Mittelpunkt ein standardisierter Online-Fragebogen mit 127 Items zur Belastungsermittlung steht. Die Items erfassen, verteilt über fünf Skalen mit insgesamt 22 Subskalen, psychische Belastungen innerhalb der relevanten Belastungsbereiche wie der Arbeitsorganisation, den Arbeitsinhalten, der emotionalen Inanspruchnahme, den sozialen Beziehungen und der Arbeitsumgebung.

Im Rahmen einer seit 2022 laufenden Evaluationsstudie wird das Konzept und der Online-Fragebogen in Bezug auf Praxistauglichkeit untersucht. Darüber hinaus sollen im Rahmen der Studie vertiefte Erkenntnisse zur Belastungssituation in bayerischen Schulen gewonnen werden. Grundlage sind die Daten von bisher 20 Schulen verschiedener Schulformen mit insgesamt über 1000 Lehrkräften, die das Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung des AMIS-Bayerns genutzt haben. Zur Analyse der psychischen Belastungssituation wurden die Befragungsdaten statistisch deskriptiv analysiert. Im Ergebnis zeigte sich, dass bei den teilnehmenden Schulen ca. 25 Prozent der Belastungsfaktoren im Mittel durchgängig eine hohe Ausprägung aufwiesen. Ca. 50 Prozent der befragten Belastungsfaktoren wiesen dagegen im Mittel durchgängig niedrige Ausprägungen auf. Insgesamt ließen sich anhand der Ergebnisse schulformübergreifende Belastungsschwerpunkte identifizieren (z.B. eine hohe emotionale Beanspruchungssituation). Als Teil der Online-Befragung zur Gefährdungsermittlung beantworteten die Lehrkräfte zudem standardisierte Evaluationsfragen. Gefragt wird bspw., ob der Online-Fragebogen die Belastungssituation vollständig erfasst und die Items gut verständlich sind. Insgesamt fiel die Evaluation des Fragebogens mit Zustimmungsraten zwischen 81 und 91 Prozent bei den Items positiv aus.

Im Rahmen des Vortrages werden sowohl das Verfahrenskonzept zur GBU psychischer Belastung als auch die Ergebnisse der schulübergreifenden Belastungsanalyse und der Befragungsevaluation vorgestellt und diskutiert.
Herr Dr. Daniel Ossenschmidt
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, München
2

Einleitung

Die Analyse psychischer Belastungen ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung für Betriebe aller Größen gesetzlich vorgeschrieben. Insbesondere Klein- und Kleinstunternehmen (KKU) führen diese oftmals nicht durch. Gründe hierfür sind vielfältig: u.a. Zeit- und Finanzressourcen sowie das Nichtwissen über Sinn und Verpflichtung.
Ziel der Studie war herauszufinden, welche Faktoren die Durchführung einer GBU Psych begünstigen und welchen Einfluss der Betriebsarzt (BA) zusätzlich ausüben kann.

Methoden

Im Rahmen eines Pilotverfahrens wurden 26 KKU im ländlichen Raum GBU Psych von ihrem betreuenden BA standardisiert angeboten: Der BA stellte den Unternehmen den Zugang zum Instrument zur Verfügung (online-Fragebogen des IPASUM für Beschäftigte zu psych. Belastungen). Die Ergebnisse wurden den Unternehmen zurückgespiegelt. Im Nachgang wurden die Unternehmen anhand eines Leitfadens (16 Items) zur Durchführung, Haltung und Rolle des BA in dem Kontext interviewt.

Ergebnisse

21 Unternehmen nahmen das Angebot der GBU Psych wahr. Gründe der Nicht-Durchführung waren u.a. Nutzlosigkeit/Zeitverschwendung (n=3), Nicht-Erreichbarkeit der Unternehmensleitung (n=1) und die geringe Beschäftigtenzahl (n=1).
Unter den durchführenden Unternehmen hatten 2 generelle Erfahrung mit Analysen dieser Art, 1 mit der GBU Psych. 6 Unternehmen waren sofort bereit, die Analyse durchzuführen, 7 tendenziell und 8 mussten durch den BA überzeugt werden. Bei 20 Unternehmen kam die Analyse durch die Initiative des BA zustande. 15 Unternehmen führten die Analyse unabhängig vom gestellten Instrument durch, 20 Unternehmen hätten die Analyse bei entstandenen Kosten nicht gemacht. 13 Unternehmen benötigen Unterstützung des BA bei der Maßnahmenableitung.

Schlussfolgerung / Diskussion

Das Pilotverfahren zeigte, dass nahezu alle Unternehmen die GBU Psych ohne Initiative des BA nicht durchgeführt hätten. Die Kostenfreiheit war ein weiterer Hauptfaktor zugunsten einer Durchführung. Der persönliche Kontakt in Form von Initiative und Überzeugung zur Durchführung hatte ebenso einen Einfluss. Insbesondere für KKU sollten daher existierende Instanzen, wie z.B. BA, vermehrt auf die GBU Psych hinweisen. Gleichzeitig sollte diesen Instanzen Material und Methoden zur Durchführung an die Hand gegeben werden, um ohne wesentliche eigene Ressourceninvestition den Unternehmen helfen zu können. Eine angepasste Ausdehnung der Pilotstudie könnte diese und ggf. weitere Faktoren prüfen bzw. identifizieren.
Herr Wolfgang Fischmann
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, FAU Erlangen-Nürnberg, Erlangen
3

Einleitung

Psychische Erkrankungen können die berufliche Teilhabe von Beschäftigten nachhaltig erschweren. Dies kann den Fachkräftemangel verschärfen und es sollte im Interesse von Beschäftigten und Führungskräften sein, Lösungen zur Inklusion zu identifizieren [1]. Fragestellung der vorliegenden Studie war es, ob Führungskräfte die Verantwortung für eine erfolgreiche Wiedereingliederung bzw. Reintegration psychisch erkrankter Menschen primär bei den Betroffenen oder bei sich selbst verorten. Darüber hinaus sollte untersucht werden, ob und welche persönlichen Merkmale der Führungskräfte (z.B. Haltung, Führungsstile) die Verantwortungszuschreibung erklären können.

Methoden

Zur Erfassung der wahrgenommenen Verantwortung wurde den 174 teilnehmenden Führungskräften (80 weiblich, 94 männlich; mittleres Alter: 46.98 Jahre, SD = 12.20 Jahre) eine Situationsbeschreibung präsentiert. In dieser wurde über einen Mitarbeiter aufgeklärt, dessen berufliche Teilhabe auf Grund seiner psychischen Erkrankung gefährdet war. Die Führungskräfte waren angehalten, von 0% (völlige Verantwortung bei dem Mitarbeiter) bis 100% (völlige Verantwortung bei der Führungskraft) zu bewerten, wer vornehmlich für die berufliche Teilhabe verantwortlich ist. Zum besseren Verständnis dieses Ergebnisses wurden mit validierten Skalen Persönlichkeits- und Führungsmerkmale erfasst (Motivation zu vorurteilsfreiem Verhalten, ethische Mitarbeiterführung, Gesundheitsbewusstsein und Gewissenhaftigkeit).

Ergebnisse

Es zeigte sich eine geteilte Verantwortlichkeitszuschreibung zwischen Betroffenem und Führungskraft, sie lag im Mittel bei 49.8% (SD = 18.70). Je stärker die Befragten die Verantwortlichkeit bei sich verorteten, desto höher war ihre Motivation zu vorurteilsfreiem Verhalten und ihre Gewissenhaftigkeit. Hinsichtlich der Führungsstile war eine deutliche Orientierung an den Grundsätzen der ethischen Mitarbeiterführung und gesunder Führung mit mehr Verantwortungszuschreibung assoziiert.

Schlussfolgerung / Diskussion

Die befragten Führungskräfte zeigten im Mittel ein ausgewogenes Bild bzgl. der Verantwortlichkeit. D.h., dass aus ihrer Sicht die Bemühungen um berufliche Inklusion in der Verantwortung beider Parteien liegt (Betroffene & Führungskräfte). Da die Haltung und der Führungsstil eine Rolle für die Verantwortlichkeitszuschreibung spielen, können Führungskräfte ihre Einstellungen reflektieren, um Betroffene noch aktiver bei ihrer beruflichen Teilhabe zu unterstützen.

Referenzen

[1] Slavchova V. Der schmale Grat zwischen Inklusion und Stigmatisierung von
gesundheitlich beeinträchtigten Menschen bei ihrer beruflichen Teilhabe
(Dissertation). Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen. 2021.
Frau Veneta Slavchova
RWTH Aachen, Institut für Psychologie, Lehr- und Forschungsgebiet Gesundheitspsychologie, Aachen
4

Einleitung

Das Angebot der psychotherapeutischen bzw. psychosomatischen Sprechstunde am Arbeitsplatz (PT-A/ PSIB) wurde entwickelt, um psychisch belasteten Beschäftigten einen kurzfristigen und niedrigschwelligen Zugang zur psychotherapeutischen Prävention bzw. Behandlung zu ermöglichen. Für die erfolgreiche Implementierung im Betrieb gilt es sicherzustellen, dass die Belegschaft über das Angebot informiert ist und bei Bedarf die PT-A unkompliziert in Anspruch nehmen kann.

Methoden

Die betriebliche Implementierung der PT-A wurde zusätzlich zu den Hauptschwerpunkten in der Studie „Frühe Intervention am Arbeitsplatz“ (www.friaa.de) erforscht. Mit quantitativen und qualitativen Methoden wurden Aspekte hinsichtlich des antizipierten Nutzens einer PT-A, Wege der Bekanntmachung, Vor- und Nachteile verschiedener Zugangswege sowie förderliche und hinderliche Faktoren der Etablierung untersucht. Dafür beantworteten betriebliche Akteure aus 40 überwiegend großen Betrieben und sieben Multiplikatoren und Multiplikatorinnen der friaa-Studie einen Fragebogen. Zudem wurden betriebliche Akteure in zwei Fokusgruppen sowie 22 Beschäftigte befragt.

Ergebnisse

Die betrieblichen Akteure sehen den Nutzen der Etablierung einer PT-A vor allem auf den drei Ebenen der Prävention, dem Vermeiden bzw. Vermindern von Arbeitsunfähigkeitstagen, als Handwerkszeug für Führungskräfte bei psychischen Belastungen von Mitarbeitenden und insgesamt als eine positive Wirkung auf die Unternehmenskultur. Für die Bekanntmachung nutzten die Betriebe am häufigsten Aushänge und Flyer im Betrieb als auch das betriebliche Intranet. Gezielte Ansprachen erfolgten durch Führungskräfte, Kollegen und Kolleginnen sowie eine Vermittlung über betriebliche Gesundheitsakteure.
Die Beschäftigten der Studie haben sich in der Mehrzahl eigeninitiativ angemeldet. Die Vorteile im eigenständigen Zugang sehen die Beschäftigten in der unkomplizierten, nicht individualisierten Ansprache ohne sofortigen Handlungsdruck. Der Zugang über betriebliche Gesundheitsakteure ist vor allem für Menschen ohne Erfahrungen mit dem therapeutischen System hilfreich.

Schlussfolgerung / Diskussion

Die Etablierung einer PT-A wird als gutes Angebot eingeschätzt, psychische Belastungen und Beanspruchungen frühzeitig zu thematisieren. Dabei ist von Vorteil, den Beschäftigten verschiedene Bekanntmachungs- und Zugangswege bereitzustellen, damit gewährleistet wird, dass Beschäftigte mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen erreicht werden. Begünstigt wird der Zugang zur PT-A durch Anonymität, eine einfache Kontaktaufnahme, die Professionalität des Angebots sowie kurze Wartezeiten.

Referenzen

[1] Weber J/ Angerer P/ Brenner L/ Brezinski J/
Chrysanthou S/ Erim Y/ Feißt M/ Hansmann M/ Hondong S/ Kessemeier FM et al. Early intervention, treatment and rehabilitation of employees with
common mental disorders by using psychotherapeutic consultation at work: study
protocol of a randomised controlled multicentre trial (friaa project). BMC Public Health 2021, 21(1):1187.
[2] Stock Gissendanner S/ Weiß C/ Herten B/ Wrage W/ Stegmann R/ Dietrich DE/ Stark H/ Krähnke U. Eine psychosomatische Sprechstunde für die regionale betriebsnahe Versorgung – Evaluation und Empfehlungen. ASUArbeitsmedizin Sozialmedizin Umweltmedizin, 2019, 55, S. 43–49.
Frau Ute Schröder
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
Do
14 Mär
16:15 - 17:15
Vorträge
Biologische Belastungen
Raum: Hörsaal/Onlineraum 5 (Standort: 1. OG, Anzahl der Sitzplätze: 162)
Vorsitz: Vera van Kampen und David A Groneberg
Beiträge:
1

Einleitung

Etwa 16% der Erwachsenen in Deutschland sind gegen Milbenallergene und jeweils 7% gegen Katzen- oder Hundeallergene sensibilisiert. Diese Allergene finden sich nicht nur in Wohnungen, sondern auch an Arbeitsplätzen. In zwei Studien wurden die Allergenkonzentrationen in Büros und Kindertageseinrichtungen (KiTas) quantifiziert.

Methoden

Die Probennahme erfolgte zu den vier verschiedenen Jahreszeiten insgesamt in 68 Büroräumen, 168 Räumen in KiTas und in 371 Räumen in Haushalten. Insgesamt in 906 Staubproben von abgesaugten Teppichböden der Arbeitsplätze als auch von 1222 Passivsammlerproben aus allen Räumen der Studien wurden Milbenallergene sowie Katzen- und Hundeallergene quantifiziert.

Ergebnisse

Die Allergenkonzentrationen auf Teppichböden und Passivsammlern war in KiTas um ein Vielfaches höher als in Büros. Die Milbenallergenkonzentration auf Passivsammlern in den KiTas war ähnlich hoch wie in Schlaf- und Kinderzimmern und höher als in Wohnzimmern. Die Hunde- und Katzenallergenkonzentration war in KiTas fast immer um ein Vielfaches höher als in Wohnungen ohne diese Tiere, aber im Median etwa um Faktor 10 niedriger als in Wohnungen mit diesen Haustieren. In Büros mit Mitarbeitern, die zuhause Hunde oder Katzen hielten, unterschieden sich die Allergenkonzentrationen auf den Passivsammlern signifikant von der in Büros ohne Mitarbeitende mit diesen Haustieren, und teilweise auch von Haushalten ohne Haustiere.

Schlussfolgerung / Diskussion

Während die Allergenbelastung in KiTas im Vergleich zum privaten Bereich recht hoch ist, ist die Allergenkonzentration in Büros überwiegend gering. Allerdings scheint es eine Verschleppung von Hunde- und Katzenallergenen in die Büros zu geben.
Frau Dr. Ingrid Sander
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
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Einleitung
Bei Schimmelschäden treten meist folgende Symptome auf: Atemwegsprobleme (> 85 %), Hautprobleme (8-10 %) und idiopathische Arthritis (10-12 %) /1/.
Die Beseitigung der Noxe Schimmel führt signifikant zum Abklingen der Beschwerden /2/.
Die wissenschaftliche Suche der Noxe für Arthritis ergab, dass LPS Chondrozyten schädigen /3/. Außerdem konnte der Schadensmechanismus geklärt werden /4/.
Es fehlten bisher Methoden, um bei Schimmelschäden emissionsfähige LPS und die resultierende Belastung von Räumen zu erfassen.

Methode
Es wurden Flächensaugproben und ein Wischtest auf Eignung für den LPS-Nachweis untersucht. Dazu wurden an Bauteilen mit und ohne Schimmelschäden definierte Flächen abgesaugt oder abgewischt.
Die LPS-Analyse erfolgte mittels Endolisa® (Biomérieux)

Ergebnisse
Mit beiden Methoden konnte emissionsfähiges LPS nachgewiesen werden.
Die Wischproben-Analysen ergaben LPS-Werte von einigen hundert bis über 300.000 EU/m². Die Ergebnisse zeigen klare Unterschiede bei Schäden mit und ohne Befall durch Gram-negative Bakterien. Erste Ergebnisse der Flächensaugproben zeigen einen Zusammenhang zwischen Schimmelschäden und der daraus resultierenden Kontamination von Wohnräumen mit LPS /5/.

Bewertung
Wischproben und Flächensaugproben sind geeignet, um emissionsfähige LPS zu erfassen und Schäden mit und ohne Gram-negative Bakterien zu unterscheiden. Dies ermöglicht eine Bewertung der gesundheitlichen Relevanz der Schäden bezüglich LPS.

Ausblick
Die Analyse von LPS, kombiniert mit Mykotoxin-Analyse [6], können Grundlage für eine neue Kategorisierung von Schimmelschäden sein, welche bis heute entweder nach der Ausdehnung /7/ oder dem Maß der Staubfreisetzung /8/ erfolgt.
Bei Bakterienbefall nach Leitungswasserschäden kann die LPS-Analyse eine Entscheidungsgrundlage sein, ob Material entfernt werden sollte oder eine technische Trocknung ausreicht.
Bei einer umweltmedizinischen Diagnose können Flächensaugproben Indikatoren auf versteckte Schäden liefern.